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Über eine Milliarde Menschen leben weltweit in extremer Armut. In den Statistiken - insbesondere denen der Weltbank - wird absolute Armut zumeist anhand des Einkommens definiert. Bis August 2008 galten danach alle diejenigen als extrem arm, die umgerechnet weniger als einen US-Dollar pro Tag zur Verfügung hatten. Im August 2008 wurde diese Armutsgrenze von einem US-Dollar auf 1,25 US-Dollar korrigiert. Hintergrund sind neue statistische Methoden, die verbesserte Preiserhebungen möglich machten, welche wiederum ergaben, dass die Lebenshaltungskosten in den Entwicklungsländern höher sind als bislang angenommen. Auf dieser Bemessungsgrundlage zeichnet sich das folgende Bild: Im Jahr 2005 lebten in den Entwicklungsländern immer noch rund 1,4 Milliarden Menschen in extremer Armut (das sind 21 Prozent der Weltbevölkerung) - immerhin eine halbe Milliarde weniger als noch im Jahre 1981 (damals betrug ihr Anteil an der Weltbevölkerung 42 Prozent). Faktisch bedeutet dies, dass sich die Zahl der Armen seit 1981 bei steigender Weltbevölkerung jährlich um ungefähr einen Prozentpunkt reduziert hat. Setzt sich diese Entwicklung fort, kann Prognosen zufolge das Millenniumsziel, die Armutsrate von 1990 bis 2015 zu halbieren, realisiert werden. Hinter diesem positiven Gesamttrend verbergen sich allerdings deutliche regionale Unterschiede: Während die Quote absolut armer Menschen beispielsweise in China in den letzten 25 Jahren stark rückläufig ist, sind für Subsahara-Afrika für diesen Zeitraum nahezu keine Fortschritte zu verbuchen. Die absolute Zahl der extrem Armen in Subsahara-Afrika ist derweilen sogar drastisch angestiegen, und zwar von 214 auf mehr als 390 Millionen (Chen / Ravallion (2008)). Fakt ist, dass Chinas Erfolg gegen die extreme Armut eine entscheidende Rolle spielt, wenn es darum geht, die 1990er-Armutsrate bis 2015 zu halbieren. Fakt ist außerdem, dass die Entwicklungsländer - ohne China - dieses Ziel vermutlich nicht erreichen werden. Die Armut geht also langsamer zurück als erwartet. Mehr Engagement wäre nötig, um die Millenniumsziele in allen Ländern bis zum Jahr 2015 zu verwirklichen. Armut ist nicht nur Einkommensarmut. "Voices of the poor" - eine umfassende Studie der Weltbank - hat schon vor Jahren dokumentiert, wie Arme den Zustand von Armut erleben. Mehr als 60.000 Betroffene aus 60 Ländern wurden dafür befragt. Ihre Aussagen spiegeln wider, dass Wohlbefinden beziehungsweise ein gutes Leben mehrere Dimensionen umfasst, zu denen neben der materiellen, auch die psychische Dimension zählt. Wohlbefinden schließt demnach gute Gesundheit und Ernährung, die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft, Sicherheit, die Freiheit zu selbstbestimmtem Leben, einen verlässlichen Lebensunterhalt beziehungsweise ein regelmäßiges Einkommen und nicht zuletzt auch eine generelle Zufriedenheit ein. Ein in solcher Weise mehrdimensionales Verständnis von Armut hat sich in der Entwicklungsdebatte inzwischen durchgesetzt. Um allerdings quantitative Größenordnungen und Trends ermitteln zu können, wird in Statistiken weiterhin der Einkommensindikator verwendet. Die 2015-Ziele Seit Mitte der 1990er Jahre ist das Ziel einer umfassenden Armutsbekämpfung erneut ins Zentrum der internationalen entwicklungspolitischen Debatte gerückt. Die auf der UN-Generalversammlung im September 2000 ("Millenniumsgipfel") vertretenen Regierungen haben sich dazu verpflichtetet, die extreme Armut bis zum Jahr 2015 zu halbieren und bis dahin weitere, klar definierte Ziele zur Förderung sozialer und ökologisch nachhaltiger Entwicklung zu verfolgen. Details zu den 2015-Zielen und weitere Informationen zu ihrer Umsetzung finden sich auf der Website zum VENRO-Projekt "Perspektive 2015 - Armutsbekämpfung braucht Beteiligung". Global Call to Action against Poverty (GCAP)/ "Deine Stimme gegen Armut" An dem weltweiten Aufruf zur Bekämpfung der Armut - dem "Global Call to Action against Poverty" (GCAP) - haben sich über 100 Länder beteiligt. Daraus hat sich die seit 2005 weltweit größte zivilgesellschaftliche Bewegung entwickelt, die sich für den verstärkten Kampf gegen die Armut und die Umsetzung der MDG einsetzt. Der deutsche Beitrag zu GCAP ist die Aktion "Deine Stimme gegen Armut", eine gemeinsame Initiative von VENRO, dem Dachverband von rund 120 entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen, Herbert Grönemeyer und befreundeten Fachleuten aus der PR- und Medienbranche. Als Symbol für die weltweite Kampagne und den Kampf gegen Armut steht das "Weiße Band". Die politischen Forderungen von "Deine Stimme gegen Armut" haben die deutschen NRO in der Broschüre "Wort halten - Forderungen und Hintergrundinformationen der Aktion 'Deine Stimme gegen Armut'" ausführlich dargelegt.
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