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Zusammenfassung Der Prozess Service  

Zentralafrikanische Republik

 
Malawi ZENTRAL-AFRIKANISCHE-REPUBLIK
 
1. Zusammenfassung Zum Seitenanfang

In der Zentralafrikanischen Republik, die seit ihrer Unabhängigkeit (1960) durch politische Instabilität und wiederkehrende bewaffnete Konflikte gezeichnet ist, hat der PRS-Prozess bislang keine Dynamik entfalten können: Die Regierung hat das Strategiepapier zur Armutsbekämpfung (Poverty Reduction Strategy Paper, PRSP) im September 2007 fertig gestellt. Vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank wurde das Dokument - dessen Gültigkeit auf den Zeitraum 2008-2010 datiert ist - bislang allerdings nicht anerkannt. Auf den einschlägigen Seiten der beiden Institutionen ist es bis heute nicht veröffentlicht worden (Stand: April 2009).

Bereits Ende 2000 hatte die damalige Regierung das vorläufige Strategiepapier zur Armutsbekämpfung (Interim-PRSP, kurz I-PRSP) vorgelegt. Daraufhin wurde ein Konsultationsprozess mit Akteuren aus Zivilgesellschaft und Privatsektor eingeleitet, dessen Ergebnisse in das vollständige PRSP einfließen sollten. Der erste Anlauf zur Erarbeitung des PRSP scheiterte aber aufgrund der politischen Lage des Landes, erst 2007 konnte die Strategie vorgelegt werden.

Im Hinblick auf die nun erfolgte Erarbeitung der Armutsbekämpfungsstrategie wird von Regierungsseite berichtet, dass Konsultationen mit Bürgerinnen und Bürgern, Vertretern von Nichtregierungsorganisationen (NRO) und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen

und mit Repräsentanten des Privatsektors unternommen wurden. Die gemeinsame Stellungnahme von IWF und Weltbank kommt zu der optimistischen Einschätzung, der Erstellungsprozess habe zum Entstehen einer stärkeren gesellschaftlichen Einbindung und Identifizierung mit der Regierungsstrategie geführt. Begründet oder belegt wird diese Einschätzung aber nicht.

2. Der Prozess Zum Seitenanfang

Nach Angaben der Weltbank sind NRO, religiöse Organisationen, Frauengruppen, Dorfoberhäupter, Jugendvereine und Gewerkschaften in dem seit April 2000 existierenden Lenkungsausschuss für den PRS-Prozess repräsentiert. Diesem wurde die Aufgabe übertragen, den Partizipationsprozess für die Formulierung des PRSP zu leiten (World Bank 2006, S. 3).

Der Prozess zur Erarbeitung des PRSP wurde im September 2001 im Rahmen eines nationalen Wirtschaftsforums gestartet, dem rund 500 Teilnehmer beiwohnten (World Bank 2005, S. 2). Im Dezember desselben Jahres wurde eine partizipative Konferenz abgehalten, die sich mit Wirtschaftsfragen und öffentlichen Finanzen beschäftigte. Der Lenkungsausschuss organisierte Treffen mit Zielgruppen, um deren vordringlichste Bedarfe zu eruieren und veranstaltete im Februar 2002 einen Tag der Offenen Tür zum PRSP (ebd.). Doch schließlich scheiterte der erste Anlauf zur Erarbeitung des Strategiepapiers aufgrund der politischen Situation des Landes (UNDP 2007, S. 9): Die seit Jahren schwelenden Konflikte zwischen konkurrierenden Eliten kulminierten in einem halbjährigen Krieg, der infolge eines im Oktober 2002 verübten Putschversuchs ausbrach (Bötticher 2002, S. 1).

Nach den politischen Wirren nahm die seit März 2003 amtierende Regierung einen neuen Anlauf zur Erstellung der Strategie (UNDP 2007, S. 9), dessen Fortgang im Statusbericht zum Stand der PRS-Erstellung beschrieben wird. In diesem Bericht wird angeführt: "The World Bank and the African Development Bank (AfDB) also recommended that the draft be improved to include participation, monitoring-evaluation and poverty analysis through additional surveys." (Gov. 2006, S. 2). Entsprechend hat die Regierung dem Thema Partizipation im Bericht einen separaten Abschnitt gewidmet, in dem sie die seither unternommenen und geplanten Maßnahmen zur Umsetzung dieses Anspruchs darlegt (ebd., S. 4). Darin hebt sie hervor, dass sich die Erstellung der PRS auf Konsultationen mit Bürgerinnen und Bürgern, Vertretern von NRO und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen, mit Repräsentanten des Privatsektors, der ausländischen Partner und der Regierung stützt. Auf zentraler, regionaler und lokaler Ebene seien institutionelle Konsultationsmechanismen installiert worden, um effektive Partizipation zu fördern und die Umsetzung des ownership-Prinzips sicherzustellen. Es wird davon gesprochen, dass zentrale, regionale und lokale Armutsreduktionskomitees eingerichtet wurden (Details dazu sind nicht bekannt). In den meisten Regionen des Landes seien zwischen 2003 und 2005 regionale Konsultationen umgesetzt worden, die noch ausstehende Konsultation in einer weiteren Region war für Anfang 2006 geplant. Um die Konsultation der Bevölkerung weiter auszubauen, beabsichtigte die Regierung die Nutzung partizipativer Erhebungsmethoden (Active Method of Participatory Research). Die Konsultationen für diese Erhebung, die in allen sieben Regionen unternommen werden sollen, seien für den Zeitraum von November 2006 bis März 2007 geplant (Gov. 2006, S. 4) - darüber, ob diese Konsultationen realisiert wurden, ist nichts bekannt.

In ihrer gemeinsamen Stellungnahme zu diesem Bericht konstatieren IWF und Weltbank, dass der Bericht eine genaue Darstellung des Fortschritts enthält und dass der Fortschritt, der seit der Berichtsveröffentlichung erzielt wurde, substanziell gewesen sei (IMF / IDA 2007, S. 1): Die eingeschränkte Handlungsfähigkeit der Regierung, die zu Verzögerungen bei der Formulierung des PRSP beigetragen hätte, sei größtenteils überwunden. Auch die zur Untermauerung der Strategie notwendigen Studien und Analysen hätten inzwischen abgeschlossen werden können. Der langsame, aber partizipative Erstellungsprozess habe zum Entstehen einer stärkeren gesellschaftlichen ownership geführt. Ihren Entwicklungspartnern hätten die zentralafrikanischen Autoritäten den PRSP-Entwurf bei einer roundtable-Diskussion in Brüssel im Juni 2007 vorgestellt, woraufhin sie weit reichende Rückmeldungen erhalten hätten - nicht zuletzt zur Notwendigkeit der Verbesserung der Regierungsführung, der Auseinandersetzung mit Korruption und der Stärkung von Rechtsstaatlichkeit. Von IWF- und Weltbankseite werde das Vorhaben der zentralafrikanischen Autoritäten ausdrücklich begrüßt, ihren Entwicklungshilfepartnern das fertige Strategiepapier auf einem weiteren Gebertreffen Ende Oktober 2007 vorzustellen, von dem man die Bewilligung weiterer Unterstützungsleistungen erwarte (IMF / IDA 2007, S. 2). Im Rahmen eines nationalen Workshops am 3. September 2007 in Bangui habe Präsident Bozizé Vertretern der Gebergemeinschaft und der Zivilgesellschaft inzwischen die letzte Version des PRSP-Entwurfs präsentiert. Die endgültige PRSP-Fassung, in die die Ergebnisse des Workshops integriert wurden, sei noch im selben Monat fertig gestellt worden (IMF / IDA 2007, S. 2; World Bank 2008, S. 1).

Von IWF und Weltbank scheint das PRSP bislang allerdings nicht akzeptiert worden zu sein: Auf den einschlägigen Seiten der beiden Organisationen wurde es bis heute - also mehr als ein Jahr später - nicht publiziert.1 Es ist zu vermuten, dass der Kritik, die im Rahmen der roundtable-Diskussion im Juni 2007 (vor allem in den Bereichen Regierungsführung, Rechtsstaatlichkeit und Korruption) geäußert wurde, im PRSP nicht in der von IWF und Weltbank als notwendig erachteten Art und Weise Rechnung getragen wurde - belegt ist dies aber nicht.

Unabhängige Stellungnahmen zum PRSP-Erstellungsprozess sind derzeit nicht verfügbar.

1 An anderer Stelle ist das PRSP der Zentralafrikanischen Republik aber bereits veröffentlicht worden:
http://hdptcar.net/blog/2008/10/01news-bulletin-78-22-29-sep/

3. Service Zum Seitenanfang

3.1 Statistik

a. Entwicklung

Allgemeine Indikatoren
"Freedom in the World" country ratings (Freedom House) (2008)
http://www.freedomhouse.org/uploads/fop08/FOTP2008Tables.pdf
Rang 132 von 195
"Not Free"
Human Development Index (UNDP) (2007 / 2008)
http://hdr.undp.org/en/statistics/
Rang 171 von 177
"Low Human Development"
Worldwide Press Freedom Index (Reporters Without Borders) (2007)
http://www.rsf.org/article.php3?id_article=11715
Rang 104 von 167
Das BIP pro Kopf lag 2006 bei rund 350 US-Dollar

b. Stand der MDG-Erreichung (anhand ausgewählter Indikatoren)

MDG 1: Extreme Armut und Hunger beseitigen
Anteil der Bevölkerung mit weniger als 1 US-Dollar pro Tag (%) Keine Daten verfügbar
Anteil der Kinder unter 5 Jahren mit Untergewicht (%) 199520002006
27,324,328,5
MDG 2: Verwirklichung der allgemeinen Grundschulbildung
Grundschulabschlussrate (%) 199120032006
26,724,924,4
MDG 3: Gleichstellung der Geschlechter und Stärkung der Rolle der Frauen
Einschulungsverhältnis Mädchen/Jungen in der Grundschule (%) 199120012006
0,640,680,69
Sitze im Parlament, die von Frauen eingenommen werden (%) 199020002008
3,87,310,5
MDG 4: Senkung der Kindersterblichkeit
Sterblichkeitsrate von Kindern unter 5 Jahren
(pro 1000 Lebendgeburten)
199020002006
173186175
MDG 5: Verbesserung der Gesundheitsversorgung der Mütter
Müttersterblichkeitsrate
(auf 100.000 Lebendgeburten)2
199020002005
--980
MDG 6: Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und anderen Krankheiten
Anteil der 15- bis 49jährigen, die mit HIV leben (%) 199020012007
-6,46,3
MDG 7: Umweltschutz und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen
Anteil der waldbedeckten Flächen an der Landesfläche (%) 199020002005
37,236,836,5
Anteil der Bevölkerung mit nachhaltigem Zugang
zu einer verbesserter Wasserquelle / Sanitärversorgung (%)
199020002006
58/1163/2266/31
MDG 8: Aufbau einer weltweiten Entwicklungspartnerschaft
Schuldendienst als Prozentwert der Güter- und Dienstleistungsausfuhren 199019942006
12,511,8-
Telefon- / Internetnutzung je 100 Personen 199020002006
0,17/-0,26/
0,06
0,29/
0,32
Quelle: UN - Millennium Indicators Database
http://mdgs.un.org/unsd/mdg/Data.aspx [Zugriff am 13.08.2008]
2Das Land gehört zur Gruppe der Länder, die für den Zeitraum 1995-2005 über keine Daten verfügen.

c. Schuldenerlass / Verschuldung

Schuldenerlass
Im März 2007 qualifizierte sich die Zentralafrikanische Republik für einen Schuldenerlass im Rahmen der Entschuldungsinitiative für hoch verschuldete arme Länder (HIPC) und erreichte im September desselben Jahres den HIPC-decision point.

Darüber hinaus wird sich das Land für die Multilateral Debt Relief Initiative (MDRI) qualifizieren, wenn es den HIPC-completion point erreicht hat – also frühest möglich Ende 2009.

d. Weitere statistische Quellen

World Bank - Data and Statistics
http://web.worldbank.org/WBSITE/EXTERNAL/COUNTRIES/AFRICAEXT/CENTRALAFREXTN/0,,menuPK:350025~pagePK:141132~piPK: 141109~theSitePK:349999,00.html

3.2 Wichtige Dokumente

a. PRSP-Dokumente

IMF / IDA (2007): Central African Republic - Joint Staff Assessment of the PRSP Preparation Status Report. Washington D.C..
http://siteresources.worldbank.org/INTPRS1/Resources/383606-1165869436599/cr0812.pdf [Zugriff 13.08.2008]

Central African Republic - CAR (2006) [zit. als Gov. 2006]: Status Report on the Preparation of the Poverty Reduction Strategy Paper (PRSP). Bangui.
http://siteresources.worldbank.org/INTPRS1/Resources/Central-AfricanRepublic_PRSP(Nov17-2006).pdf [Zugriff 13.08.2008]

Central African Republic - CAR (2000) [zit. als Gov. 2000]: Preliminary Statement of the Government on the Poverty Reduction Strategy and Medium-Term Economic Policies (Interim Poverty Reduction Strategy Paper - I-PRSP). Bangui.
http://povlibrary.worldbank.org/files/cenafrica%20iprsp.pdf [Zugriff 13.08.2008]

3.3 Berichte und Analysen

Bötticher, Astrid (2004): Zentralafrikanische Republik (Krieg).
http://www.sozialwiss.uni-hamburg.de/publish/Ipw/Akuf/kriege/241ak_zentralafrika.htm [Zugriff 13.08.2008]

UNDP (2007): Central African Republic - Annual Report 2007. UNPD: Bangui.
http://www.scribd.com/doc/2605978/UNDP-Central-African-Republic-Annual-Report-2007 [Zugriff 22.10.2008]

World Bank Group (2008): Central African Republic - Country Brief
http://web.worldbank.org/WBSITE/EXTERNAL/COUNTRIES/AFRICAEXT/CENTRALAFREXTN/0,,menuPK:350009~pagePK:141132~ piPK:141107~theSitePK:349999,00.html [Zugriff 30.08.2008]

World Bank Group (2008): Central African Republic - Poverty Reduction Strategy Papers (PRSP).
http://web.worldbank.org/WBSITE/EXTERNAL/COUNTRIES/AFRICAEXT/CENTRALAFREXTN/0,,menuPK:350013~pagePK:141132~ piPK:141123~theSitePK:349999,00.html [Zugriff 30.08.2008]

World Bank (2006): Central African Republic.
http://siteresources.worldbank.org/CDFINTRANET/Overview/21168506/CentralAfricanRepublicFINALDecember202006.doc
[Zugriff 30.08.2008]

World Bank (2005): Central African Republic - Enabling Country Capacity to Achieve Results.
http://www.dgroups.org/groups/worldbank/cdf-prs/docs/Central_African_Republic.pdf [Zugriff 22.10.2008]

3.4 Links

a. PRSP

Europäisches NGO-Netzwerk zur Entschuldung
http://www.eurodad.org/workareas/default.aspx?id=74

Weltbank
http://www.worldbank.org/poverty/strategies/index.htm

b. Zivilgesellschaft

Derzeit sind keine Links zur Zivilgesellschaft verfügbar.

b. Verschuldung

Deutsche Erlassjahrkampagne
http://www.erlassjahr.de

Europäisches NGO-Netzwerk zur Entschuldung
http://www.eurodad.org/workareas/default.aspx?id=71

Internationaler Währungsfonds
http://www.imf.org/external/np/prsp/prsp.asp

Pariser Club
http://www.clubdeparis.org

Weltbank
http://www.worldbank.org/hipc/country-cases/country-cases.html

6.5 Allgemeine Links, die auch Informationen zum Land bieten

Auswärtiges Amt - Zentralafrikanische Republik
http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/ZentralafrikanischeRepublik/Innenpolitik.html [Zugriff 29.08.2008]



Verantwortlich: Nina Schröder
E-Mail: nina.schroeder@fh-duesseldorf.de
Stand: April 2009
PRSP-Watch © VENRO und Fachhochschule Düsseldorf
(Forschungsstelle Entwicklungspolitik; Leitung Prof. Dr. Walter Eberlei)

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