| 2. Der Prozeß |
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Der Prozess der zur Formulierung des PRSP geführt hat, begann laut Regierung im September 2001, nachdem die zweite
Übergangsregierung ihr Amt antrat. Der Prozess umfasste die folgenden Aktivitäten:
Eine Armutsbewertung (Poverty Assessment - PA), die als analytische Grundlage für
die Politikoptionen im PRSP diente und sich aus drei Komponenten zusammensetzte:
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(1.)
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Einer Dorferhebung (Suco Survey - SSTL), die alle Dörfer (sucos) im Land eingeschlossen hat. Die Erhebung
auf der Grundlage von Informationen lokaler Autoritäten, z.B. suco chiefs und Lehrern, diente dazu,
eine Bestandsaufnahme der sozialen und physischen Infrastruktur, der ökonomischen Charakteristika jedes
Dorfes und der Versorgung durch öffentliche Dienstleistungen zu generieren.
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(2.)
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Einer Erhebung der Haushaltsausgaben (Household Expenditure Survey - TLSS), die Informationen von Mitgliedern
von 1.800 Haushalten im ganzen Land eingeholt hat. Hierzu wurden bspw. Daten zur Haushaltsdemographie,
Wohnungsbeschaffenheit, zu Vermögen, Haushaltsausgaben, Agrar- und Arbeitsmarkt, Gesundheit, Bildung und
Einkommen gesammelt.
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(3.)
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Einer Participatory Potential Assessment (PPA) - einer Bewertung, die den Ge-meinschaften der 48 Ortschaften
(aldeias) in allen 13 Distrikten bei der Identifizierung der wichtigsten Herausforderungen und Prioritäten für
ihre Gemeinden und bei der For-mulierung entsprechender Strategien Unterstützung bot (ebd., S. 14).
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Landesweite Konsultationen, die mehr als 38.000 Bürger (Frauen, Männer, Jugendliche) des östlichen
Timor in über 980 öffentlichen Versammlungen einbezogen. Die Konsultationen dienten dazu die 20-year-vision,
aktuelle Prioritäten sowie die Art und Weise zu debattieren, wie die Regierung und die Zivilgesellschaft den Belangen
der Bürger gerecht werden können (GoTL 2002, S. 15; IMF / IDA 2005, S. 3).
Die Arbeit von acht Sektorarbeitsgruppen (sector working groups), zusammengesetzt aus mehr als
120 höheren Regierungsbeamten, die das Stra-tegiepapier unter Rückgriff auf die Ergebnisse der PA und der
landesweiten Konsultationen verfassten (GoTL 2002, S. 15; IMF / IDA 2005, S. 5).
Ihr PRS-Entwurf wurde auf einem zweitägigen Workshop diskutiert, zu dem zivilgesellschaftliche
Organisationen und andere Interessengruppen eingeladen waren - genannt werden Repräsentanten der Kirche, politischer
Parteien und Geber. Das Feedback wurde in das Strategiepapier integriert, das im Mai 2002 fertig gestellt und vom
Parlament verabschiedet wurde (GoTL 2002, S. 15.; IMF / IDA 2005, S. 2). Eine populäre PRS-Version
("East Timor 2020 - Our Nation, Our Future") wurde zeitgleich veröffentlicht (GoTL 2002, S. 15) und an alle
Haushalte und Schulen übermittelt (IMF / IDA 2005, S. 2).
Die Implementierung der Strategie begann im Juli 2002 (ebd., S. 372).
| 3. Die Zivilgesellschaft |
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Die Regierung bezeichnet die Zivilgesellschaft ihres Landes als "robust" (ebd., S. 21) und gibt an, Partizipation zur
Umsetzung des PRSP kontinuierlich fördern zu wollen (ebd., S. 30).
Wie in vielen Ländern der Region sind auch in Ost Timor NRO und religiöse Vereinigungen bereits in die Erbringung
von sozialen Basisdienstleistungen eingebunden: So spielt die Kirche bspw. im Bildungssektor eine bedeutende Rolle.
Einige NRO sind (seit Mitte 2001) in die Bereitstellung von Gesundheitsdiensten, bei der Unterstützung der
Wasserversorgung und Abwassersysteme involviert (ebd., S. 39).
Regierungsangaben zufolge besteht die Herausforderung nun darin, öffentliche wie private Körperschaften
(in diesem Fall vor allem kirchliche Organisationen und NRO), für die Bereitstellung von Dienstleistungen für
die Bevölkerung im Allgemeinen und die verarmte Bevölkerung im Besonderen zu stärken (ebd.).
Inwiefern der Umsetzung des hier formulierten Anspruchs Rechnung getragen wurde bzw. wird, ist allerdings
fraglich: Im Mai 2006, also vier Jahre nach der Unabhängigkeit von Indonesien, kam es zu politischen Unruhen.
Die öffentliche Ordnung brach zusammen, vor allem in der Hauptstadt. Um die Gewaltausschreitungen einzudämmen,
bei denen rund 30 Menschen ihr Leben verloren, musste die Regierung schließlich um die Entsendung ausländischer
Truppen bitten. Die massive Präsenz dieser Truppen konnte die Gewalt zwar eindäm-men, allerdings scheint es auch
in der Folge regelmäßig zu Auseinandersetzungen gekommen zu sein. Als mitursächlich für diese Eskalation nennt
ein Bericht der Friedrich-Ebert-Stiftung (Schweisshelm 2006, S. 4) die "(...) fehlende wirtschaftliche Entwicklung
und das Versagen der Regierung in politischer und sozialer Hinsicht (...)", konkretisiert wird: "(...) die
Hauptstadt Dili vermittelt nicht den Eindruck, dass vier Jahre Unabhängigkeit und massive ausländische
Hilfe in diesen Jahren der Mehrheit der Bewohner von Timor Leste mehr Wohlstand gebracht haben als die
indonesische Besatzungszeit".
| 4. Service |
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4.1 Statistik
a. Entwicklung
allgemeine Indikatoren
Beim Human Development Index (UNDP) (2006) belegt das Land Rang 142 von 177.
Timor-Leste zählt nicht nur in Asien, sondern auch weltweit zu den ärmsten Ländern. Das Pro-Kopf-BIP betrug 2005
378 US-$. Das Einkommen von rund 40% der Bevölkerung liegt unterhalb der absoluten Armutsgrenze von einem US-$ pro Tag.
b. Verschuldung
Timor-Leste ist kein HIPC-Land.
c. weitere statistische Quellen
Human Development Reports
http://hdr.undp.org/reports/
Weltbank Statistiken
http://ddp-ext.worldbank.org/ext/CSIDB/getCountryStatInfoXML?id=TMP&format=CSIDB
4.2 Wichtige Dokumente
a. PRSP-Dokumente
IMF / IDA (2005): Democratic Republic of Timor Leste - Joint Staff Advisory Note on the Poverty Reduction Strategy Paper. Washington D.C..
http://siteresources.worldbank.org/INTPRS1/Resources/Timore-Leste_JSAN(April29-2005).pdf [Zugriff 20.04.2007]
Democratic Republic of Timor-Leste / Planning Commisson [zit. als GoTL] (2002): National Development Plan. Dili.
http://siteresources.worldbank.org/INTPRS1/Resources/Timor-Leste_PRSP(may2002).pdf [Zugriff 20.04.2007]
4.3 Berichte und Analysen
a. Publikationen, die sich mit dem PRSP befassen
Monge, Marcia (2006): The crucial contribution of parliaments to post-conflict economic recovery (including PRSP and MDGs). Timor-Leste as case-study. International conference on parliaments, crisis prevention and recovery. UNDP - Government of Belgium. Chambre des Representants, rue de Louvain 13, Brussels.
http://www.parlcpr.undp.org/docs/conference/Monge.pdf [Zugriff 30.04.2007]
b. Hintergrundinformationen
Amnesty International Jahresbericht 2005
http://www2.amnesty.de/__C1256A380047FD78.nsf/0/2AD55E4749BDE570C1257026004A9911?Open [Zugriff 30.04.2007]
Aid Harmonization and Alignment (o.J.): Initiatives for Timor Leste. Country Level Harmonization
http://www.aidharmonization.org/ah-cla/ah-browser/index-abridged?area_list=FM_A&master=master&advanced_view_p=f&page_no=10
[Zugriff 30.04.2007]
Moxham, Ben (2004):Avoiding indebtedness and underdevelopment: Lessons for Timor-Leste.
http://www.cadtm.org/imprimer.php3?id_article=998 [Zugriff 30.04.2007]
Schweisshelm, Erwin / Friedrich Ebert Stiftung (FES) (2006): Timor-Leste - Der jüngste Staat der Welt bleibt unter internationaler Kontrolle. Jakarta.
http://library.fes.de/pdf-files/iez/03912.pdf [Zugriff 30.04.2007]
Sumpf, Patrick / Konrad Adenauer Stiftung (2006): Politischer Bericht Ost-Timor: Die Bürden der Wahrheit. Jakarta, Indonesia.
http://www.kas.de/db_files/dokumente/laenderberichte/7_dokument_dok_pdf_8063_1.pdf [Zugriff 30.04.2007]
UNDP (2004): Reflections on the state institution-building support in Timor-Leste. Capacity development, integrating mission, and financial challenges. November 2004.
http://www.undp.org/oslocentre/docs05/Toshi_final.pdf [Zugriff 30.04.2007]
4.4 Links
a. PRSP
Internationaler Währungsfonds
http://www.imf.org/external/np/prsp/prsp.asp
Weltbank
http://www.worldbank.org/poverty/strategies/index.htm
b. Entschuldung
Deutsche Erlassjahrkampagne
http://www.erlassjahr.de
Pariser Club
http://www.clubdeparis.org
c. allgemeine Links, die auch Informationen zum Land bieten
BMZ
http://www.bmz.de/en/issues/Poverty/poverty_reduction_worldwide/timor_leste.html
AG Friedensforschung an der Uni Kassel
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Osttimor/gusmao.html
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Osttimor/Welcome.html
[Zugriff 30.04.2007]
www.prsp-watch.de (Mai 2007)
Verantwortlich: Nina Schröder
E-Mail: nina.schroeder@fh-duesseldorf.de
© VENRO und Fachhochschule Düsseldorf
(Forschungsstelle Dritte Welt; Leitung Prof. Dr. Walter Eberlei)
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