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Zusammenfassung Der Prozeß Die Zivilgesellschaft Service

São Tomé & Príncipes

 
Tansania SAO-TOME-PRINCIPE
 
1. Zusammenfassung Zum Seitenanfang

São Tomé & Príncipes vorläufige Armutsstrategie (Interim Poverty Reduction Strategy Paper - I-PRSP) wurde im Jahr 2000 eingereicht. Ende 2002 veröffentlichte die Regierung des kleinen Inselstaats westlich der afrikanischen Küste die Vollversion der Strategie, die später, im Januar 2005, einer Aktualisierung unterzogen wurde (es handelt sich bei diesem Dokument nicht um das PRSP-II, sondern lediglich um eine Anpassung bzw. eine Aktualisierung des ersten Strategiepapiers).

An der Erarbeitung des I-PRSP wurden zivilgesellschaftliche Akteure nur schwach beteiligt, wohingegen im Zuge der PRS-Erstellung nach Einschätzung der Bretton-Woods-Institutionen (BWI) umfangreiche Konsultationen durchgeführt wurden. Ob bzw. inwieweit diese Perspektive von zivilgesellschaftlicher Seite geteilt wird, ist unklar, da hierzu derzeit keine unabhängigen Stellungnahmen vorliegen.

Mit Blick auf die Folgezeit (seit Ende 2002) lassen sich erschwerte Rahmenbedingungen für die Partizipation von Bürgerinnen und Bürgern ausmachen. Insbesondere die permanenten Regierungswechsel führten zu politischer Instabilität und damit zu einem ungünstigen Rahmen für Dialoge zwischen Regierung und Gesellschaft (siehe dazu Punkt 3).

 

2. Der Prozess Zum Seitenanfang

Ihren I-PRSP-Entwurf übermittelte die Regierung zur Überarbeitung an zivilgesellschaftliche Akteure. NRO-Repräsentanten und religiöse Autoritäten wurden an der Überarbeitung ebenso beteiligt, wie Vertreter von Gewerkschaften sowie der Industrie- und Handelskammer (IMF / IDA 2000, S. 1 f.). Von einer signifikanten Einbeziehung zivilgesellschaftlicher Akteure kann für diese Phase jedoch keine Rede sein (Eberlei 2002, S. 12).

Das PRSP wird hingegen als das Produkt eines extensiven Konsultationsprozesses mit einheimischen und externen Interessenvertretern beschrieben (IMF / IDA 2005, S. 2). Geleitet wurde der Prozess zur Erarbeitung der Vollversion von einem Steuerungskomitee (steering committee), das sich aus Regierungsvertretern und Repräsentanten zivilgesellschaftlicher Organisationen zusammensetzt und unter Vorsitz des Premiers (Prime Minister) operiert. Zahlreiche Workshops wurden für zivilgesellschaftliche Akteure, Mitglieder politischer Parteien und andere Interessenvertreter in den sechs Bezirksstädten (district capitals) auf der Insel São und der Insel Príncípe organisiert (ebd.). Gemäß Regierungsaussagen (Gov. 2005, S. 4) wurde die Strategie im Rahmen eines nationalen Symposiums im Dezember 2002 validiert und anschließend durch die beratenden Ministerien sowie den Präsidenten anerkannt.

Neben dem bereits erwähnten Steuerungskomitee setzte die Regierung eine PRS-Einheit im Planungs- und Finanzministerium (Ministry of Planning and Finance) ein, um die Implementierung und das Monitoring der Armutsstrategie sicherzustellen (IMF / IDA 2005, S. 2). Regierungsangaben zufolge (Gov. 2005, S. 19) soll die Implementierungsstruktur künftig auch einen Konsultationsrat (Consulting Council) beinhalten, in dem zivilgesellschaftliche Akteure mitarbeiten (angeführt werden NRO-Verbände, das São Tomé Frauenforum, Jugendorganisationen, Gewerkschaften und Kirchen). Den Mitgliedern dieses Rates ist die Aufgabe zugedacht, Empfehlungen zu PRS-Fortschrittsberichten abzugeben, die später beim Ministerialrat eingereicht werden. Die Empfehlungen der Ratsmitglieder sollen sich auf im Vorfeld geführte Konsultationen mit NRO-Repräsentanten und Vertretern des Privatsektors stützen. Es ist geplant den Konsultationsrat zweimal jährlich einzuberufen (ebd., S. 20).

Sowohl im PRSP (von 2002) als auch in dessen Aktualisierung (von 2005) wird ausdrücklich Bezug auf die Millennium Development Goals (MDG) genommen. Wie das Monitoring/die Evaluierung der Armutsentwicklung geplant ist, geht aus dem Aktionsplan der Regierung hervor (Gov. 2005, S. 68 ff.) - so wird in diesem Rahmen auf die Etablierung eines Netzwerks nationaler/technischer Experten als Rückgriffsmöglichkeit für spezifische Konsultationen und eine allgemeine Förderung der Koordination von Initiativen und Aktivitäten verwiesen. Allerdings wird anhand des Plans ebenso die überwiegend ungeklärte Finanzierungsfrage für die Umsetzung des Armutsreduktionsprogramms ersichtlich.

Auch im Aktionsplan (des aktualisierten PRSP) wird die Reduzierung der Armut (MDG 1) als ein übergeordnetes Ziel ausgewiesen. Die Regierung will Studien zur Armutssituation, zum Zusammenhang zwischen Familiengröße und Armut sowie zur Situation der Armut in den Städten und Vororten anfertigen, um zielgerichteter operieren zu können (Gov. 2005, S. 30). Das MDG-Ziel 2 spiegelt sich im Aktionsplan über Programme zur Verbesserung der Bildung und zur Reduktion des Analphabetismus wider (ebd., S. 56 ff.). Während der Bezug zum Geschlechtergefälle an Schulen, der Erwerbstätigkeit von Frauen oder ihrem Anteil an Sitzen im Parlament (MDG 3) fehlt, sind spezifische Programme zur Minimierung der Kindersterblichkeit (MDG 4) enthalten (ebd., S. 61 ff.). Dass Maßnahmen zur Senkung der Müttersterblichkeit (MDG 5) fehlen, stellt allerdings ein weiteres Manko dar. Programme zur Bekämpfung von schweren Krankheiten wie HIV / Aids und Malaria (MDG 6) (ebd., S. 62 ff.) sind dagegen integriert, ebenso Aussagen zu Umweltschutzprogrammen und Maßnahmen zur Aufforstung (MDG 7) (ebd., S. 56 ff.). Maßnahmen zur Schaffung von Erwerbsmöglichkeiten für die Armen (größtenteils landwirtschaftlich orientiert) (ebd., 49 ff.) und zur Verbesserung der Kommunikation durch ein optimiertes Telefonnetz (ebd., S. 46) sind ebenfalls Bestandteil des Aktionsplans. Nicht unmittelbar angeführt wird MDG 8 (Entwicklung einer globalen Entwicklungspartnerschaft) (vgl. Gov. 2005 mit den UN MDG-Indikatoren).

In einem Bericht des United Nation's Children's Fund (2006, S. 2) wird die Prognose geäußert, dass es dem Land nicht gelingen wird, alle MDG-Ziele zu erreichen. Mit durchgängig hoher Priorität des Sozialsektors, sei es allerdings möglich, signifikante Verbesserungen im Hinblick auf Kinder- und Müttersterblichkeit, Bildung von Mädchen sowie HIV / Aids zu erzielen.

3. Die Zivilgesellschaft Zum Seitenanfang

Nach dem Scheitern einer Allparteienregierung Ende 2002 sowie einer Militärrevolte im Jahr 2003 kommt es wiederkehrend zu Auseinandersetzungen bei der Auslegung demokratischer Spielregeln. Ob die von der Militärregierung 2003 auf Druck der internationalen Staatengemeinschaft abgegebene Erklärung, in der auch Partizipationsrechte der Bevölkerung aufgeführt sind, tatsächlich eine größere Rolle in der politischen Wirklichkeit des Landes spielt, muss bezweifelt werden.

Als ursächlich für die geschilderte Situation werden regelmäßig die prekäre sozioökonomische Lage des Landes sowie sich gegenseitig blockierende politische Kräfte genannt, die häufig mit den die Wirtschaft und Gesellschaft beherrschenden wenigen großen Familien identisch sind. Unter der letzten Präsidentschaft hatte der Inselstaat acht verschiedene Regierungen, von denen keine einzige ihr Programm realisierte (Auswärtiges Amt 2006).

Allerdings legt ein Bericht der United Nations Development Group den Schluss nahe, dass sich die Wogen inzwischen etwas geglättet haben: 2006 sei ein gutes Jahr für São Tomé & Príncípe gewesen, um deutlich zu machen, dass die Demokratie "alive and well on track" sei (UNDG 2006, S. 1).

Für die Aktivierung der Zivilgesellschaft könnte sich ein aktueller ökonomischer Plan der Regierung als Stimulator erweisen: Die Vorbereitungen einer Öl-Industrieansiedlung, von der sich die Regierung künftig erhebliche Gewinne verspricht, die aber mit hoher Verschuldung verbunden ist (afrol News 2007), hat zu öffentlichen Debatten geführt. Das Interesse lokaler NRO konzentriert sich dabei zunehmend auf das Management der Öl-Einahmen. Die Etablierung einer Dialogplattform zu dieser Thematik gibt ihnen die Möglichkeit, sich weitergehend einzubringen, die Regierungsaktivitäten zu diskutieren und sich als kompetente Gesprächspartner zu präsentieren (UNFIP 2003, S. 8).

Mittlerweile lassen sich in São Tomé & Príncípe, das insgesamt eine Bevölkerung von nur 150.000 Menschen hat, etwa zwanzig aktive Nichtregierungsorganisationen (NRO) und Selbsthilfegruppen nachweisen. Diese können als Kern einer entstehenden Zivilgesellschaft betrachtet werden (Auswärtiges Amt 2006, S. 2).


4. Service Zum Seitenanfang

4.1 Statistik

a. Stand der Umsetzung der MDGs (anhand ausgewählter Indikatoren):

MDG 1: Extreme Armut und Hunger beseitigen
Anteil der Bevölkerung mit weniger als 1 US-Dollar pro Tag keine Daten verfügbar
Anteil der Kinder unter 5 Jahren mit Untergewicht oder extremen Untergewicht -2000-
 12,9 
MDG 2: Verwirklichung der allgemeinen Grundschulbildung
Anzahl derer, die die Grundschule abschließen (%) -19992005
 44,377,2
MDG 3: Gleichstellung der Geschlechter und Stärkung der Rolle der Frauen
Geschlechterverhältnis in der Grundschule des Bildungssystems -19992005
 0,980,98
MDG 4: Senkung der Kindersterblichkeit
Sterblichkeitsrate von Kindern unter 5 Jahren
(pro 1000 Lebendgeburten)
199020002005
118118118
MDG 5: Verbesserung der Gesundheitsversorgung der Mütter
Von medizinischem Personal begleitete Geburten (%)1 --2003
  76,4
MDG 6: Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und anderen Krankheiten
Anteil der 15- bis 49jährigen, die mit HIV leben (%) keine Daten verfügbar
MDG 7: Umweltschutz und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen
Anteil der waldbedeckten Flächen an der Landesfläche (%) 199020002005
28,428,428,4
Anteil städtische und ländliche Bevölkerung mit nachhaltigem Zugang
zu Wasserquelle / verbesserter Sanitärversorgung (%)
--2004
  79/25
MDG 8: Aufbau einer weltweiten Entwicklungspartnerschaft
Schuldendienst als Prozentwert der Güter- und Dienstleistungsausfuhren 199020002005
28,721,829,3
Internet / Computer-Nutzung je 100 Personen 2 -20002005
 4,6514,69
Quelle: UN - Millennium Indicators Database
http://mdgs.un.org/unsd/mdg/Data.aspx [Zugriff 15.10.2007]

1 Daten über Müttersterblichkeit sind nicht verfügbar
2 Daten über Computer-Nutzung sind nicht verfügbar

b. Allgemeine Indikatoren

Human Development Index (UNDP) (2006)
http://hdr.undp.org/hdr2006/statistics/
Rang 127 von 177
"Freedom in the World" country ratings (Freedom House) (2007)
http://www.freedomhouse.org/uploads/pdf/Charts2006.pdf
Status "free"
Global Press Freedom (2006)
http://www.freedomhouse.org/template.cfm?page=271&year=2006
Status "free"
Rang 65 von 194

c. Entwicklungsstand

Das Bruttoinlandsprodukt des Landes lag 2003 bei 60 Mio. US-Dollar, das Pro-Kopf-Einkommen bei 340 US-Dollar - faktisch bedeutet dies einen Zuwachs von 4,5% gegenüber dem Vorjahr.

d. Verschuldung

Den decision point der HIPC-Initiative erreichte das Land im Dezember 2000 und den completion point im März 2007.
Für weitere Informationen siehe: São Tomé and Príncipe - Country Brief der Weltbank.

e. Weitere statistische Quellen

UN - Millennium Indicators Database
http://mdgs.un.org/unsd/mdg/Data.aspx

4.2 Wichtige Dokumente

a. PRSP-Dokumente

IMF / IDA (2005): São Tomé and Príncipe - Poverty Reduction Strategy Paper Joint Staff Advisory Note. Washington D.C..
http://siteresources.worldbank.org/INTPRS1/Resources/SaoTomePrincipe_jsan(mar14-2005.pdf [Zugriff 08.10.2007]

Democratic Republic of São Tomé and Príncipe (2005): Update of National Poverty Reduction Strategy.
http://siteresources.worldbank.org/INTPRS1/Resources/SaoTomePrincipe_PRSP(Jan2005).pdf
[Zugriff 08.10.2007]

Democratic Republic of São Tomé and Príncipe / Ministry of Planning and Finace (2002): National Poverty Reduction Strategy. Final Version.
http://siteresources.worldbank.org/INTPRS1/Resources/SaoTome&Principe_PRSP(Dec2002).pdf
[Zugriff 08.10.2007]

Democratic Republic of São Tomé and Príncipe (2000): Interim Poverty Reduction Strategy Paper for 2000-02.
http://poverty.worldbank.org/files/sao%20tome%20principe%20iprsp.pdf
April 2000 [Zugriff 08.10.2007]

4.3 Berichte und Analysen

a. Publikationen, die sich mit dem PRSP befassen

Eberlei, Walter (2002): Partizipation in der Armutsbekämpfung. Mindeststandards für zivilgesellschaftliche Beteiligung in nationalen PRS-Prozessen. Studie im Auftrag der Deutschen Kommission Justitia et Pax. Schriftenreihe Gerechtigkeit und Frieden, Arbeitspapier 96, Bonn.
http://prsp-watch.de/laenderprofile/tansania/arb_96.pdf [Zugriff 31.10.2007]

Eberlei, Walter / Henn, Heike (2003): Parlamente in Subsahara Afrika: Akteure der Armutsbekämpfung? Studie im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Eschborn http://www2.gtz.de/dokumente/bib/04-5331.pdf
[Zugriff 31.10.2007]

b. Hintergrundinformationen

afrol News (2007): São Tomé now eligible for debt cancellation
http://www.afrol.com/articles/24740 [Zugriff 26.10.2007]

Chai, Michael (International Council on Social Welfare): Development Goals in Commonwealth member states [T]he institutional arrangements, political will, human and financial resources necessary to achieve the MDGs are as crucial as the MDGs themselves and must not be glossed over. Analyses of Progress Towards the MDGs in Ghana: A Civil Society Perspective. In: Commonwealth Foundation, 2005: Breaking with Business as Usual. Perspektives from Civil Society in the Commonwealth on the Millennium Development Goals. London: Commonwealth Foundation (S. 13 - 28).

United Nations Children's Fund (2006): Economic and Social Council. A country programme document - Sao Tome and Principe.
http://www.unicef.org/about/execboard/files/06-PL10_SaoTome_ODS.pdf   [Zugriff 26.10.2007]

United Nations Development Assistance Framework (UNDAF) (2006): United Nations Development Assistance Framework in Sao Tome and Principe (2007-2011). UN Country Team in Sao Tome and Principe.
http://www.undg.org/archive_docs/8949-UNDAF_-_Sao_Tome___Principe.pdf   [Zugriff 26.10.2007]

UNFIP (2003): Platform for Dialogue on the Future of Sao Tome and Principe with Oil. United Nations Development Group (UNDG) (2006): RCAR 2006 - Sao Tome & Principe
http://www.undg.org/rcar.cfm?fuseaction=N&ctyIDC=STP&P=490   [Zugriff 26.10.2007]

World Bank (2007): São Tomé and Príncipe - Country Brief.
http://web.worldbank.org/WBSITE/EXTERNAL/COUNTRIES/AFRICAEXT/SAOTOMEEXTN/0,,menuPK:382775~pagePK:141132~piPK:141107~
theSitePK:382765,00.html
[Zugriff 25.10.2007]

4.4 Links

a. PRSP

Europäisches NGO-Netzwerk zur Entschuldung
http://www.eurodad.org/workareas/default.aspx?id=74

Weltbank
http://www.worldbank.org/poverty/strategies/index.htm

b. Entschuldung

Deutsche Erlassjahrkampagne
http://www.erlassjahr.de

Europäisches NGO-Netzwerk zur Entschuldung
http://www.eurodad.org/workareas/default.aspx?id=71

Internationaler Währungsfonds
http://www.imf.org/external/np/prsp/prsp.asp

Pariser Club
http://www.clubdeparis.org

Weltbank
http://www.worldbank.org/hipc/country-cases/country-cases.html

c. Allgemeine Links, die auch Informationen zum Land bieten

Auswärtiges Amt
http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/01-Laender/SaoTomeUndPrincipe.html

Fischer Weltalmanach
http://www.weltalmanach.de/staat/staat_detail.php?fwa_id=saotome/


www.prsp-watch.de (November 2007)
Verantwortlich: Nina Schröder

E-Mail: nina.schroeder@fh-duesseldorf.de
© VENRO und Fachhochschule Düsseldorf
(Forschungsstelle Dritte Welt; Leitung Prof. Dr. Walter Eberlei)

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