| Zusammenfassung | Die Akteure: Wer ist beteiligt? |
Die Prozesse: Wann und wie wird beteiligt? |
Die Rahmenbedingungen: Was fördert / behindert wirkungsvolle Beteiligung? | Gesamtbewertung | Service |
3.1 Partizipation in Analyse und Strategieentwicklung
In den verschiedenen Phasen des PRS-Prozesses in Sambia - bis hin zur Entwicklung einer
neuen Strategie, die seit 2006 gilt - ist die Zivilgesellschaft mehr oder minder
beteiligt worden. Die beiden Phasen der Strategieentwicklung (2001 sowie 2004 bis 2006)
sahen eine lebhafte Partizipation zivilgesellschaftlicher Akteure. Insbesondere das
oben erwähnte Netzwerk CSPR brachte sich intensiv in die Debatten ein und legte eine
Vielzahl von Vorschlägen vor, von denen - nach eigenen Angaben von CSPR - eine Reihe in
die Regierungsdokumente Eingang fanden.
3.2 Partizipation in der Umsetzung der Strategien
In Sambia kann die international gelegentlich formulierte These vom 'participation gap' belegt werden. Das heißt: Während die Partizipation im Erstellungsprozess des ersten PRSP vielversprechend ausführlich ausfiel, brach die Partizipation bei der Umsetzung der PRS - sofern diese überhaupt erfolgte - nahezu zusammen. Zumindest kann nicht von dauerhaften Dialogen die Rede sein. Die PRS-Arbeitsgruppen tagten nach Erarbeitung des PRSP prak-tisch zwei Jahre lang nicht mehr. Erst im Herbst 2003 wurden sie reaktiviert, um Stellung-nahmen zur erstmals durchgeführten mittelfristigen Finanzplanung (Medium-term Expen-diture Framework) einzuholen. Seither tagten die Sektorarbeitsgruppen zwar immer wie-der einmal; von einer systematischen Beteiligung der Zivilgesellschaft an der PRS-Implementierung kann aber nicht die Rede sein.
3.3 Partizipation in Monitoring und Evaluierung
Das offizielle Monitoringsystem für den PRS-Umsetzungsprozess ist bis heute mit
deutlichen Schwächen behaftet. Die Sektorarbeitsgruppen, die an sich eine wichtige
Rolle im Umsetzungsmonitoring spielen sollen, arbeiten sehr unterschiedlich. Einige
tagen regelmäßig, andere so sporadisch, dass eine kontinuierliche Arbeit nicht
zustande kommt. Immerhin hat die Regierung in den vergangenen Jahren mehrere
Fortschrittsberichte vorgelegt, die die Implementierung dokumentieren sollen. Die
Zivilgesellschaft ist an der Erarbeitung nicht beteiligt, hat die Berichte jedoch
regelmäßig kommentiert. Im Rahmen einer jährlichen Armutskonferenz, zu der die
Regierung die Geber und die Zivilgesellschaft einlud, konnten in den vergangenen
Jahren immerhin grundsätzliche Aspekte der PRS-Implementierung diskutiert werden.
Auch erleichtert eine größere Transparenz über die Ausgabenpolitik der Regierung das
Monitoring (zumindest für 2006 und 2007 finden sich detaillierte Berichte auf der
Webseite des Finanzministeriums; diese Offenheit scheint aber in den vergangenen
Monaten etwas nachgelassen zu haben). Als positiv ist auch zu bewerten, dass das
Büro des "Auditor Generals" (vergleichbar: Rechnungshof) inzwischen sehr
aktuelle und kritische Berichte über abgelaufene Haushaltsjahre erstellt und auf seiner
Webseite veröffentlicht (siehe unten: Links).
Eine Studie im Auftrag des Netzwerkes CSPR sowie anderer NGOs bestätigt, dass die MDG in Sambia erreicht werden können. Dazu seien allerdings zusätzliche Mittel notwendig. Im Rahmen der Studie wurden Untersuchungen über die geschätzte Höhe der Finanzierung durchgeführt, die zum Resümee führten, dass sowohl die Regierung als auch die Geber die Bereitstellung der finanziellen Mittel verdoppeln müssten (Mphuka 2005, o. S.).
4.1 Strukturelle Verankerung gesellschaftlicher Partizipation
Der PRS-Ansatz in Sambia ist inzwischen strukturell stark in den politischen Prozessen
des Landes verankert. Dass gesellschaftliche Partizipation ein - bei allen Schwächen -
selbstverständliches Element dieses Prozesses ist, kann als eine deutliche Veränderung
gegenüber den 1990er Jahren bezeichnet und entsprechend als signifikanter Fortschritt
bewertet werden. Im engeren Sinn als PRS-Strukturen sind die Sektorarbeitsgruppen
(Sector Advisory Groups - SAG) zu bezeichnen, die seit 2001 existieren, von
2002 bis 2006 in sehr unterschiedlicher Intensität arbeiteten, und ab 2008 neu belebt
und strikter einberufen werden sollen. Weiterhin zeichnet die Regierung verantwortlich
für die Einberufung und Steuerung der SAG. Zivilgesellschaftliche Akteure haben in
allen SAG Sitz und Stimme. Eine strukturelle Schwäche gesellschaftlicher Partizipation
ist das geringe Maß an Dezentralisierung. Trotz anderslautender Absichtserklärungen ist
die Zentralregierung bemüht, weitere Dezentralisierungsschritte - insbesondere eine echte
Delegation von Entscheidungskompetenzen - zu verhindern. Dies erschwert oder verhindert
die Herausbildung einer politisch aktiven Zivilgesellschaft auf regionaler und lokaler
Ebene und die wirkungsvolle Beteiligung von Menschen, die nicht in der Hauptstadt
leben.
a. Die zivilgesellschaftliche Beteiligung am PRS-Prozess in Sambia hat zweifelsohne die Armutsproblematik in den Mittelpunkt der öffentlichen Debatten gerückt. Aus den vielfältigen Eingaben der Zivilgesellschaft ist ferner eine Vielzahl von Vorschlägen erwachsen, die eine verbesserte Armutsbekämpfung vorantreiben könnten. Auch im Hinblick auf eine verbesserte Kontrolle der Regierung und ihrer Armutsbekämpfungspolitik kann von Fortschritten in Sambia berichtet werden: Insbesondere CSPR kann als aktiver watchdog für den PRS-Prozess betrachtet werden. Insofern können die Wirkungen der partizipativen PRS-Prozesse für die Verankerung einer zivilgesellschaftlichen Beteiligung insgesamt nicht hoch genug veranschlagt werden. Die politische Landschaft in Sambia hat sich verändert. b. Welche Wirkungen dies alles aber kurz- oder mittelfristig auf die Situation der Armen hat, ist sehr unklar. Die Schwäche der Regierung bei der Implementierung ihrer eigenen Strategie hat auch die Zivilgesellschaft bisher nicht verhindert beziehungsweise verändern können. Das heißt konkret: Die Armen haben von der Existenz eines PRSP bisher wenig. Ob sich mittelfristig Früchte der PRS zeigen werden, ist umstritten. In einzelnen Sektoren - zum Beispiel Gesundheit und Bildung - zeigen sich Fortschritte, andere Bereiche können keine Fortschritte aufweisen. c. Die Mindeststandards zivilgesellschaftlicher Beteiligung (siehe Abschnitt 4) können nur zum Teil zufrieden stellen. Positiv wäre es, wenn sich die Sektorarbeitsgruppen auf Dauer etablieren. Auch die Legitimität der beteiligten Akteure ist insbesondere beim Netzwerk CSPR hoch. Die rechtliche Basis von Partizipation ist aber zu schwach, die Beteiligung von zivilgesellschaftlichen Akteuren an politischen Prozessen kann jederzeit politischen Entscheidungen der Regierung zum Opfer fallen. Sehr bedenklich ist auch die hohe finanzielle Abhängigkeit von externen Quellen, die die langfristige Handlungsfähigkeit mit einem Risiko behaftet. Kurz- und mittelfristig ist die personelle Kapazität der Zivilgesellschaft eng begrenzt. d. Die Intensität der bisherigen Beteiligung am PRS-Prozess ist sowohl im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern als auch bezogen auf frühere Beteiligungsprozesse als recht hoch zu bewerten. Phasenweise ging die Beteiligung über die Konsultation hinaus und erreichte echte Mitwirkungsqualität, insbesondere in der Phase der Erstellung des ersten PRS-Dokuments, dessen Inhalte stark von der Zivilgesellschaft beeinflusst wurden. Auch beim zweiten PRSP (von 2006) konnte die Zivilgesellschaft sich intensiv beteiligen. e. Deutlich wird, dass Fragen der Machtverteilung und des empowerments der Armen kaum diskutiert werden. Es entsteht daher der Eindruck, dass die Regierung zivilgesellschaftliche Beteiligung nur zulässt, um vor allem dem Druck der internationalen Geber nachzugeben, einer echten, dauerhaften Institutionalisierung von Partizipation aber sehr zurückhaltend begegnet.
6.1 Statistik
UNDP-Index der menschlichen Entwicklung im Jahr 2005: 0.434, dies bedeutet Rang 165 von 177 Ländern (Index für Subsahara Afrika im Durchschnitt: 0.493)
Quelle: UN - Millennium Indicators Database http://mdgs.un.org/unsd/mdg/Data.aspx [Zugriff am 30.04.2008] c. Sambia / Verschuldung Sambia erreichte den completion point im April 2007. Damit wurden dem Land 3,096 Milliar-den US-Dollar Schulden erlassen (UN - Millennium Indicators Database 2007, Zambia) d. Statistische Angaben zu Sambia UNDP in Zambia http://www.undp.org.zm/ Central Statistical Office of Zambia http://www.zamstats.gov.zm/ Weltbank Statistiken http://www.worldbank.org/data/countrydata/countrydata.html 6.2 Wichtige Dokumente Government of the Republic of Zambia (2000): Interims Poverty Reduction Strategy Paper, Lusaka. http://povlibrary.worldbank.org/files/Zambia%20IPRSP.pdf [Zugriff 29.04.08] IMF/IDA (2000): Assessment of Interim Poverty Reduction Strategy Paper http://www.imf.org/external/NP/jsa/2000/zmb/eng/071200.pdf [Zugriff 08.05.08] Government of the Republic of Zambia (2002): Zambia Poverty Reduction Strategy Paper 2002-2004, Lusaka http://povlibrary.worldbank.org/files/11240_Zambia_PRSP.pdf [Zugriff 29.04.08] IMF/IDA (2002): Poverty Reduction Strategy Paper Joint Staff Assessment http://www.imf.org/External/NP/jsa/2002/zmb/eng/050902.PDF [Zugriff 08.05.08] Government of the Republic of Zambia (2004): Zambia First PRSP Implementation Progress Report January 2002 - June 2003, Lusaka http://povlibrary.worldbank.org/files/Zambia_PRSP_APR.pdf [Zugriff 29.04.08] IMF/IDA (2004): Joint Staff Assessment of the Poverty Reduction Strategy Paper Progress Report http://www.imf.org/external/pubs/ft/scr/2004/cr04179.pdf [Zugriff 08.05.08] Joint Staff Government of the Republic of Zambia (2004): Second PRSP Implementation Progress Report July 2003 - June 2004, Lusaka http://siteresources.worldbank.org/INTPRS1/Resources/Zambia_APR2(Dec2004).pdf [Zugriff 29.04.08] Government of the Republic of Zambia (2005): Addendum to the Second PRSP Implementation Progress Report 2004, Lusaka http://siteresources.worldbank.org/INTPRS1/Resources/Zambia_APR2-Supplement(Feb2005).pdf [Zugriff 29.04.08] IMF/IDA (2005): Poverty Reduction Strategy Paper Second Annual Progress Report - Joint Staff Advisory Note http://www.imf.org/external/pubs/ft/scr/2005/cr05195.pdf [Zugriff 08.05.08] Government of the Republic of Zambia (2006): Fifth National Development Plan (FNDP) 2006-2010. Lusaka http://siteresources.worldbank.org/INTPRS1/Resources/Zambia_PRSP(Dec2006).pdf [Zugriff 29.04.08] IMF/IDA (2007): Joint Staff Advisory Note on the Poverty Reduction Strategy Paper (Fith National Development Plan - FNDP) http://siteresources.worldbank.org/INTPRS1/Resources/Zambia_JSAN-PRSP(July11-2007).pdf [Zugriff 29.04.08] 6.3 Literatur, Berichte und Analysen Afrodad (2006): Assessing the Impact of the Poverty Reduction and Growth Facility on Social Services. The Case of Zambia. Harare. http://www.afrodad.org/index.php?option=com_frontpage&Itemid=1&limit=11&limitstart=44 [Zugriff 08.05.08] CSPR (2001): PRSP for Zambia. A Civil Society Perspective. Lusaka (Executive Summary) www.prsp-watch.de/publikationen/archiv/cspr_zambia.pdf CSPR Studie Monitoring (Mai 2004) http://www.eurodad.org/uploadstore/cms/docs/PovertyMonitoringSummaryReportMay03.doc CSPR (2005): Fifth National Development Plan for Zambia, 2006-2011. A Civil Society Perspective. Executive Summary. Lusaka 2005. Web (Achtung: 4 MB): www.cspr.org.zm/Reports&Updates/executive_summary_10_05.pdf CSPR (2006 a): Consolidated Civil Society Response and Input to the GRZ Draft Fifth National Development Plan. Lusaka www.cspr.org.zm/Reports&Updates/Consolidated_Response_FNDP_Draft.pdf (29.04.2008) CSPR (2006 b): Observing Poverty Reduction. A Compilation of Participatory Poverty Assessment Summary Reports 2002-2005. Lusaka. www.cspr.org.zm/Reports&Updates/observingpovertyreduction.pdf (29.04.2008) CSPR (2007a): Reaction to the Launch of the Fifth National Development Plan. Lusaka. www.cspr.org.zm/Reports&Updates/observingpovertyreduction.pdf (29.04.2008) CSPR (2007b): Claiming Fiscal Space through Budget Support: The Effectiveness of the Poverty Reduction Budget Support (PRBS) and the Role of Civil Society. Lusaka Eberlei, Walter / Meyns, Peter / Mutesa, Fred (Hg.) (2005): Poverty Reduction in a Political Trap? The PRS Process and Neopatrimonialism in Zambia. Lusaka: UNZA Press Eberlei, Walter (2005): Donor Politics in Zambia: Promoting Poverty Reduction or Fuelling Neopatrimonialism? In: Eberlei, Walter / Meyns, Peter / Mutesa, Fred (ed.): Poverty Reduction in a Political Trap? The PRS Process and Neopatrimonialism in Zambia. Lusaka: UNZA Press, pp. 89-115 Gerster, Richard / Mwila Chikwekwe (2007): Poverty Reduction Budget Support (PRBS) in Zambia Joint Annual Review 2007: Learning Assessment, Final report, 13 July 2007, Lusaka Mphuka, Chrispin (2005): The costs of meeting the MDGs in Zambia. http://www.sarpn.org.za/documents/d0001728/index.php [Zugriff 09.05.2008] Scheffler, Monika (2006): Was muss getan werden, um die Millenniums-Entwicklungsziele auch in den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt zu verwirklichen? Zum Beispiel in Sambia. Koordination Südliches Afrika (Hrsg.): Bielefeld. http://www.kosa.org/documents/KOSA_Studie_Die%20MDGs_in_Sambia_erreichen.pdf [Zugriff 09.05.2008] 6.4 Links zu beteiligten Akteuren a. Regierung Finanzministerium http://www.mofnp.gov.zm Büro des "Auditor General" (mit aktuellen Prüfberichten zum Regierungshaushalt) http://www.ago.gov.zm/ Central Statistical Office http://www.zamstats.gov.zm/ b. Zivilgesellschaft Civil Society for Poverty Reduction http://www.cspr.org.zm/ Jesuit Centre for Theological Reflection http://www.jctr.org.zm/ Transparency International Zambia http://www.tizambia.org.zm/ The Post (regierungsunabhängige Tageszeitung) http://www.zamnet.zm/zamnet/post/post.html 6.4 Allgemeine Links, die auch Informationen zum Land bieten
Europäisches NGO-Netzwerk mit Informationen zu PRS-Prozessen u.a.m.
E-Mail: walter.eberlei@fh-duesseldorf.de
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