| Zusammenfassung | Die Akteure: Wer ist beteiligt? |
Die Prozesse: Wann und wie wird beteiligt? |
Die Rahmenbedingungen: Was fördert / behindert wirkungsvolle Beteiligung? | Gesamtbewertung | Service |
2.1 Staatliche Institutionen: Regierung und Parlament: Die Regierung unter Präsident Akaev knüpft an den 1999 begonnen Prozess des Comprehensive Development Framework (CDF) an, der vergleichsweise partizipativ und inklusiv verlaufen sei (Mozammel/Odugbemi 2005: 117; Weltbank 2005: 84f.). In diesem Zusammenfang fand auch ein Rückgriff auf etablierte Strukturen statt. So ist das National CDF Council mit der Organisation des innergesellschaftlichen Dialogprozesses betraut, in dem neben der Regierung zahlreiche andere Akteure vertreten sind. In der Tagesarbeit wird dieses Gremium durch das CDF-Sekretariat unterstützt. Parlamentarier nahmen am Prozess der Formulierung des NPRS teil; die Sprecher beider Parlamentskammern sind im National CDF Council vertreten. Innerhalb der Administration sind durch den PRS-Prozess zahlreiche Vernetzungen entstanden. 2.2 Nichtstaatliche Akteure: Die kirgisische
Zivilgesellschaft ist vergleichsweise weit entwickelt. Vertreter der Zivilgesellschaft
sind im National CDF Council vertreten und waren darüber hinaus erheblich
an der Formulierung des NPRS (der kirgisischen Variante des PRSP) beteiligt.
Auf Initiative der Regierung wurden zwei NROs damit betraut, Entwürfe
des NPRS/PRSP zu verteilen und mithilfe von Fragebögen Kommentare
und Vorschläge aufzunehmen. Die Mechanismen und Strukturen der Partizipation
(Runde Tische, Arbeitsgruppen, traditionelle Dorfversammlungen) greifen
großenteils auf bestehende Strukturen zurück. In den Prozess
ist ebenfalls der Privatsektor eingebunden. Ob die "wirklich Armen"
hier eine Stimme haben, ist nicht klar. 2.4 Gesamtbewertung: In der Umsetzung des kirgisischen
PRSPs ist ein weit reichender konsultativer Prozess zu beobachten, der
von der Regierung geleitet wird und nationale Akteure der zentralen und
lokalen Ebenen berücksichtigt. Einige Schlüsselfiguren der Regierung
und die wichtigsten Geber üben jedoch offenbar bestimmenden Einfluss
aus; der Prozess wird deshalb von einigen Beobachtern als Geber-dominiert
bezeichnet. Ebenso schneidet die Beteiligung zivilgesellschaftlicher Organisationen
im Vergleich zum CDF-Prozess deutlich geringer ab (Mozammel/Odugbemi 2005:
117).
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3.1 Partizipation in Analyse und Strategieentwicklung: Im PRSP-Vorbereitungsbericht von November 2001 berichtet die Regierung von einem umfassenden Konsultationsprozess mit Akteuren der Zivilgesellschaft (NROs), Universitäten, Lokalverwaltungen sowie der Privatwirtschaft. Unabhängige Stellungnahmen liegen nicht vor. 3.2 Partizipation in der Umsetzung der Strategien (Gesamtperspektive): Nach Angaben des 1. PRSP-Fortschrittsberichtes von 2004 beteiligten sich zahlreiche NROs aktiv im anlaufenden Monitoring- und Evaluierungsprozess (2004: 44). Augenscheinlich hat die Dynamik jedoch abgenommen, beispielsweise finden Treffen der Arbeitsgruppen unregelmäßiger statt. 3.3 Partizipation in PRSP-relevanten Politikreformen: Die Regierung führt hier vor allem die Beteiligung in Rechts- und Verfassungsfragen an: so sei die neue Verfassung in einem umfassenden Konsultationsprozess entstanden. Auch die Dezentralisierungbestrebungen stellt sie in den Partizipationszusammenhang. Eine unmittelbare Auswirkung des PRS-Prozesses betrifft den öffentlichen Haushalt: öffentliche Anhörungen sind zum Normalfall bei der jährlichen Budgeterstellung geworden. Zu ihnen werden die Repräsentanten der Gemeinden eingeladen (IWF / WeltbanK 2004: 8). 3.4 Partizipation in Monitoring und Evaluierung: Es wurde ein tracking-System der an die Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs) gekoppelten rund einhundert NPRS-Indikatoren entwickelt, in das staatliche Akteure sowie Institutionen lokaler Selbstverwaltung und NROs eingebunden sind. Die Regierungsdokumente geben eine vergleichsweise intensive Beteiligung der Akteure an. Ein M&E-System, das alle Akteure zeitnah mit Daten und Informationen versorgen soll, ist noch im Aufbau begriffen. 3.5 Partizipation in der Revision (Formulierung
des PRSP 2): Keine Informationen verfügbar.
4.1 Strukturelle Verankerung gesellschaftlicher Partizipation: Mit dem Transfer der Verantwortung für den NPRS-Prozess vom Finanzministerium zum National CDF Council bzw. zum CDF-Sekretariat, welche beide der Präsidialverwaltung zugeordnet sind, sind regierungsseitig klare Strukturen entstanden. Der Rückgriff auf vorhandene Beteiligungsstrukturen und -mechanismen ermöglicht eine vergleichsweise reibungslose Einbindung gesellschaftlicher Akteure. So gebe es einige Hinweise auf eine mögliche Institutionalisierung nichtstaatlicher Beteiligung im PRSP-Umsetzungsprozess. Lücken gebe es jedoch nach wie vor in einem institutionellen Rahmen für partizipatives Monitoring (Weltbank 2005: 95/102). Auch ist nicht klar, ob und wie weit die "wirklich Armen" in diesen Strukturen Berücksichtigung finden. 4.2 Rechtliche Basis partizipativer Prozesse: Nach Regierungsangaben ist die Verfassung von 2003 nicht nur Ergebnis eines partizipativen Prozesses, sie sichert auch allgemein formulierte partizipative Rechte. Es ist nicht klar, inwieweit diese eingefordert und durchgesetzt werden können. 4.3 Legitimität beteiligter gesellschaftlicher Akteure: Als Vermächtnis der Sowjetära ist das Misstrauen zwischen zivilgesellschaftlichen Gruppen und Regierungsstellen groß. Die einigen NROs übertragene partizipative Armutserhebung (Participatory Poverty Assessment, PPA) schuf hier erste Ansätze von Vertrauen und stärkte die Legitimität der beteiligten Akteure, sich in Sachen Armutsbekämpfung zu engagieren. 4.4 Handlungsfähigkeit gesellschaftlicher
Akteure: Laut einer aktuellen Analyse der Weltbank ist die allgemeine
Handlungsfähigkeit sowohl auf Regierungsseite als auch innerhalb
der Zivilgesellschaft ausbaufähig; dies sei u.a. durch die mangelnde
Tradition partizipativer Steuerung zu erklären (Weltbank 2005: 102).
Nicht zuletzt wird die Kommunikation zwischen den Akteuren durch den ländlichen,
bergigen Charakter des Landes und eine allgemein schwache Infrastruktur
behindert. NPRS-Dokumente standen zwar auf Russisch und Englisch zur Verfügung,
nicht jedoch in der Landessprache Kirgisisch und wichtigen Lokalsprachen.
Insgesamt hätten Schwächen in der Handlungsfähigkeit der
Akteure die Analyse von Zusammenhängen zwischen politischen Strategien
und entsprechenden Armutswirkungen behindert (Weltbank 2005, 102). Die
Förderung von Capacity Building steht im NPRS deshalb obenan.
Kirgisistan ist es gelungen, eine gewisse Dynamik für stärkere innergesellschaftliche Beteiligung an politischen Prozessen zu entfachen, als in der Sowjetzeit. Die beginnende Einbindung von NROs und Privatsektor in die Formulierung und Umsetzung des NPRS bzw. PRSP ist ein wichtiges Beispiel hierfür. Völlig unklar bleiben jedoch die Auswirkungen der politischen Entwicklungen des Frühjahrs 2005 sowohl auf den PRSP-Prozess selbst, als auch auf dessen Rahmenbedingungen.
6.1 Statistik a. Allgemein UNDP-Index der menschlichen Entwicklung (HDI): http://hdr.undp.org/statistics/data/cty/cty_f_KGZ.html
b. Verschuldung Kirgisistan ist kein Teilnehmer der HIPC-II-Initative. Das PRSP wurde als Bedingung für den weiteren Erhalt günstiger IDA-Kredite von IWF und Weltbank erstellt. Ein Schuldenerlass ist mit seinem Abschluss nicht verbunden. Für weitere Details und Informationen siehe: Pariser Club Weltbank: Kirgisistan - geschätzter Schuldendienst
National Statistical Committee der Republik Kirgisistan
(NSC) Weltbank: Statistisches Länderprofil Kirgisistan 6.2 Wichtige Dokumente a. PRSP-Dokumente IWF / Weltbank (Juni 2004): Joint Staff Assessment (JSA)
des 1. PRSP-Fortschrittsberichtes 1. PRSP-Fortschrittsbericht (April 2004) IWF / Weltbank (Januar 2003): Joint Staff Assessment (JSA)
des PRSP PRSP (Dezember 2002) IWF / Weltbank (November 2001): Joint Staff Assessment (JSA)
des PRSP-Vorbereitungsberichtes PRSP-Vorbereitungsbericht (November 2001) Interim-PRSP (Juni 2001) Für etwaige aktuelle Ergänzungen siehe http://web.worldbank.org/WBSITE/...PK:384201,00.html b. Weitere Dokumente IWF (2005): Kyrgyz Republic: 2004 Article IV Consultation
and Request to Extend the PRGF Arrangement - Staff Report, Washington
D.C., Februar. Für weitere aktuelle Geberdokumente siehe http://www.countryanalyticwork.net 6.3 Literatur, Berichte und Analysen a. PRSP-bezogene Berichte Bojö, Jan u.a. (2004): Environment in Poverty Reduction
Strategies and Poverty Reduction Support Credits. World Bank, Environment
Department, Environmental Economics Series, Paper No. 102, Washington
D.C., November. (mit Informationen zu Kirgisistan Bojö, Jan/Rama Chandra Reddy (2003): Status and Evolution
of Environmental Priorities in the Poverty Reduction Strategies. An Assessment
of Fifty Poverty Reduction Strategy Papers. World Bank, Environment Department,
Environmental Economics Series, Paper No. 93, Washington D.C., November.
(mit Informationen zu Kirgisistan) Coyle, Erin / Alison Evans (2003): Experience with PRSPs
in transition countries, London, PRSP Monitoring & Synthesis Project
(=Synthesis note, 6). (mit Informationen zu Kirgisistan) Dewachter, Sara (2005): The Participation Conditionality
under Poverty Reduction Strategy Papers: The Joint Staff Assessment -experience.
University of Antwerp, Institute of Development Policy and Management,
IDPM-UA discussion paper 2005-6, April. (mit Informationen zu Kirgisistan) Fox, James W. (2003): Poverty Reduction Strategy Papers:
Review of Private Sector Participation. USAID Development Information
Services (DIS), Washington D.C., 31. Oktober. (mit Informationen zu Kirgisistan) Gerster, Richard (2004): Budget Support for Decentralisation
in the Kyrgyz Republic. A Roadmap for the Swiss State Secretariat for
Economic Affairs (seco), Gerster Consulting, Juni. Government of the Kyrgyz Republic/CDF Secretariat (2005): Participation of Religious Groups in the CDF/NPRS Implementation Process. Press Release, CDF/NPRS Newsletter, 17. Februar. Heidel, Klaus (2004): Poverty Reduction Strategy Papers
- blind to the rights of the (working) child? The (I-)PRSPs' perception
of child labour. A problem outline and annotated collection of source
material. Kindernothilfe/Werkstatt Ökonomie, Duisburg/Heidelberg,
März. (mit Informationen zu Kirgisistan) IMF/IDA (2002): Review of the Poverty Reduction Strategy
Paper (PRSP) Approach: Early Experience with Interim PRSPs and Full PRSPs.
Prepared by the Staffs of the IMF and World Bank, Washington DC., 26.
März. (mit Informationen zu Kirgisistan) Institution Building for Poverty Reduction Strategy Project
(o.J.): Plan of Civil Society Participation in Implementation of the Comprehensive
Development Framework (CDF) and National Strategy of Poverty Reduction
(NSPR), o.O. [Bishkek]. Joint Donor PRSP Training (2004): Country Ownership, Policy
Reform and Support for Poverty Reduction in the Kyrgyz Republic. A Case
Study in the Political Economy of the PRSP, April. Lucas, Henry/David Evans/Katherine Pasteur (2004): Research
on the current state of PRS monitoring systems. Institute of Development
Studies (IDS), Discussion Paper 382, Brighton, Dezember. (mit Informationen
zu Kirgisistan) Mozammel, Masud/Sina Odugbemi (Hg.) (2005): With the Support
of Multitudes. Using strategic communication to fight poverty through
PRSPs, DFID/World Bank, London/Washington DC (Fallstudie zu Kirgisistan
vgl. S. 98-103, 116). OECD/DAC (2004): Role of Infrastructure in Economic Growth
and Poverty Reduction. Lessons Learned from PRSPs of 33 Countries. DAC
Network on Poverty Reduction, Berlin, October 27-29. (mit Informationen
zu Kirgisistan) Semyonova, Svetlana F. (2004): Building a fair society -
Kyrgystan's unions and poverty reduction, in: International Labour Organization
(ILO) (Hg.): Trade unions and poverty reduction strategies, Labour Education
2004/1-2 No. 134-135, S. 25-30. Weltbank (2005): Country Ownership of the National Poverty
Reducution Strategy in the Kyrgyz Republic, in: Janet Entwistle u.a. (Hg.):
An Operational Approach for Assessing Country Ownership of Poverty Reduction
Strategies, Vol. II. Country Case Studies Bolivia, Ghana, Kyrgyz Republic,
Senegal, Washington, Februar, S. 77-112. Weltbank (2004): Poverty Reduction Strategies: Their Importance for Disability. Disability and Development Team, Washington D.C., 7. Juli. World Development Movement (2005): Democracy and the Poverty
Reduction Strategy process: Country cases. May. (mit kurzer Fallstudie
zu Kirgisistan). b. Hintergrundliteratur Abdusalyamova, Lola (2002): NGOs in Central Asia, in: Alliance,
Jg. 7(2), March. American Bar Association/Central European and Eurasian Law
Initiative (ABA/CEELI) (2003): Judicial Reform Index for Kyrgyzstan. Juni. Buxton, Charles (Hg.) (2004b): Who Benefits? The Monitoring
and Evaluation of Development Programmes in Central Asia. Second Annual
Conference Report, INTRAC in Central Asia (April 2003), INTRAC Occasional
Paper No. 42, November. Earle, Lucy (2004): Community Development in Kazakhstan,
Kyrgyzstan and Uzbekistan. Lessons Learnt from Recent Experience. The
International NGO Training and Research Centre (INTRAC), Occasional Paper
No. 40. Garbutt, Anne/Simon Heap (2003): Growing Civil Society in
Central Asia. INTRAC's First Central Asia Regional Conference, Almaty,
Kazakhstan, 13-14 June 2002, INTRAC Occasional Paper No. 39. Heap, Simon u.a. (2000) : Emerging NGO-Business Relations
in Central Asia. The International NGO Training and Research Centre (INTRAC),
INTRAC Occasional Paper No. 33, Februar. Hunt, Martina (2001): 'Top-Down' - 'Bottom-up'? A Study
of Women's Participation in NGOs in Kyrgyzstan. The International NGO
Training and Research Centre (INTRAC), Occasional Paper No. 34, September. OSCE (2000): NGOs in the Caucasus and Central Asia. Development
and Co-operation with the OSCE. UNDP Kyrgyzstan (2003): MDG Progress Report 2003 [MDG-Fortschrittsbericht] UNDP Kyrgyzstan (2001): Empowering Grassroots Organizations
for Poverty Alleviation in Kyrgyzstan. Experiences of the Poverty Alleviation
Component. Annual Report, UNDP Social Governance Programme, Bishkek. UNDP Kyrgyzstan (fortlaufend): National Human Development
Reports [Nationale Berichte zur menschlichen Entwicklung] 6.4 Links zu beteiligten Akteuren a. PRSP CDF/PRSP-Website der kirgisischen Regierung CDF/PRSP-Seiten des Kyrgyzstan Development Gateway Kirgisische NRO-Datenbank NRO-Übersichtsseite des Kyrgyzstan Development Gateway Counterpart Consortium "Initiative" Center Youth Human Rights Group Verzeichnis von Entwicklungsorganisationen (national / international) c. Im Land aktive Geber / internationale Akteure Initiative zur Geberharmonisierung: Kirgisistan-Länderprofil Internationaler Währungsfonds (IWF): Kirgisistan-Übersichtsseite
Weltbank: Kirigisistan-Übersichtsseite UNDP-Länderbüro Kirgisistan Asian Development Bank (ADB): Kirgisistan-Übersichtsseite CDF/PRSP-Geberdatenbank Kirgisistan "Donor Mapping"-Initiative des UNDP-Länderbüros
Kirgisistan Verzeichnis von Entwicklungsorganisationen (national / international) 6.5 Allgemeine Länderinformationen Development Gateway Kyrgyzstan Development Gateway International Crisis Group (ICG) - Kirgisistan-Länderprofil Freedom House - Kirgisistan-Länderprofil 6.6 Allgemeine Links, die auch Informationen zum Land bieten Europäisches NGO-Netzwerk zur Entschuldung Internationaler Währungsfonds (IWF) Weltbank Pariser Club Deutsche Entschuldungskampagne
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