| 2. Der Prozeß |
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Das I-PRSP selbst sagt nichts darüber aus, ob zivilgesellschaftliche Akteure an
seinem Entstehen mitgewirkt haben. IWF und Weltbank gehen davon aus, dass in dieser
Prozessphase wenn überhaupt, nur eine geringe Beteiligung ermöglicht wurde (IMF / IDA 2002, S. 2).
Der Prozess der zur Erarbeitung des PRSP geführt hat, basierte Regierungsangaben zufolge auf
einem Partizipationsplan (Participation Action Plan), der im Vorfeld des
Konsultationsprozesses auf partizipative Weise erstellt wurde. Darüber hinaus wurden
Resource Teams vor Beginn des Konsultationsprozesses für die Durchführung von
Gemeindekonsultationen trainiert (RoG 2002, S. 2, 15; IMF / IDA 2002, S. 2, 3). Der
Konsultationsprozess, der am 18. Juni 2001 gestartet und im Oktober desselben Jahres
abgeschlossen wurde, basierte gemäß IWF und Weltbank auf einer gut durchdachten Struktur.
Diese schloss eine Geber-Koordinationseinheit (Donor Coordination Unit), ein
Steuerungskomitee (PRS Steering Committee), ein Sekretariat (PRS Secretariat)
und acht Resource Teams ein (ebd., S. 2). Das Steuerungskomitee umfasste auch zehn
Repräsentanten der Zivilgesellschaft (Mitglieder von NRO, Gewerkschaften, religiösen und
indigenen Gruppen, Jugendliche und Frauen) (RoG 2002, S. 15). Die Komiteemitglieder haben
im Vorfeld der Konsultationen an der Bekanntmachung des Prozesses und später bspw. an der
Analyse von Berichten, die als Ergebnisse der Konsultationen entstanden, mitgewirkt (ebd.).
Nach Regierungsangaben wurden im Zuge dieses Konsultationsprozesses mehr als 8.400 Teilnehmer
aus allen Regionen des Landes involviert. Der Prozess schloss vier Konsultationstypen ein:
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109 Gemeindekonsultationen, bei denen die Teilnehmer Probleme identifizierten, die ihrer
Einschätzung nach auf den unterschiedlichen Ebenen (Zentralregierung, regionalen Administration und
Gemeinde- bzw. Individualebene)
zur Armutsminderung angegangen werden müssten (ebd., S. 15 f.).
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98 Zielgruppenkonsultationen, zu denen organisierte Gruppen eingeladen
wurden, um das I-PRSP und die damit verbundenen Themen zu diskutieren. Durchgeführt wurden die
Konsultationen von zivilgesellschaftlichen Gruppen - der überwiegende Teil (84) von religiösen
Vereinigungen; es wurden aber auch Konsultationen von Gruppen von Menschen mit Behinderungen,
Jugendlichen und Farmern geleitet (ebd., S. 16). Konsultationen wurden zudem in Gegenden
durchgeführt, in denen die "Amerindian" leben (IMF / IDA 2002, S. 3), eine der
Bevölkerungsgruppen, die in Guyana als exkludiert angesehen werden muss. Insgesamt
entstanden zehn Berichte (einer für jede Region), welche die Ergebnisse der Gemeinde- und
Zielgruppenkonsultationen zusammenfassten (RoG 2002, S. 16). Zivilgesellschaftliche Akteure
machen darauf aufmerksam, dass im Zuge der Konsultationen insbesondere der hohe Grad der
Unzufriedenheit der Menschen mit ihren lokalen Regierungen offensichtlich wurde
(McCuish 2005, 7).
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Zehn regionale Konsultationen wurden abgehalten, um diese Ergebnisse
hinsichtlich ihrer Priorität zu bewerten. Daraufhin wurde der PRS-Entwurf unter Rückgriff auf
die Konsultationsergebnisse verfasst und zur Vorbereitung auf eine abschließende Debatte an
"Schlüsselgruppen" übermittelt (ebd.).
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Um auch den am Erarbeitungsprozess beteiligten Akteuren der Regionen und Gemeinden Rückmeldungen
über das endgültige PRSP zu ermöglichen, wurden in den Regionen jeweils fünf Vertreter für die
abschließende nationale "Review-Konferenz" im Oktober 2001 gewählt. Ziel der
Veranstaltung war - neben der Demonstration der Regierung, auch regionale Prioritäten ins
PRSP aufgenommen zu haben - u.a. Mechanismen für die Umsetzung, das Monitoring und die Evaluierung
zu diskutieren (ebd., S. 16 f.).
Laut Fortschrittsbericht (2004) hat die Regierung in 2003 sechs regionale Konsultationen
in fünf Regionen durchgeführt. Die Veranstaltungen trugen vor allem dazu bei, bei den
Teilnehmern ein besseres Verständnis in Bezug auf Aktivitäten des Monitoring zu schaffen
(RoG 2004, S. 35). Um in dieser Prozessphase eine breite Beteiligung zu ermöglichen, wurden 400
Kopien des Fortschrittsberichtsentwurfs an Ministerien, Geber, zivilgesellschaftliche
Organisationen und Einzelpersonen weitergeleitet (ebd., S. 37). Flugblätter zu acht Aspekten
des Armutsbekämpfungsprogramms (z.B. Regierungsführung, M&E) wurden erstellt und verteilt,
um fokussierte Diskussionen zu diesen Themen zu fördern. Vier "Review Meetings"
wurden veranstaltet, um Rückmeldungen zum Entwurf des Fortschrittsberichts einzuholen.
Zusätzlich wurden Einschätzungen zum Inhalt des Berichts über einen Fragebogen ermittelt.
Feedback war ferner via E-Mail möglich (ebd., S. 37, 43). Vorschläge, die im
Partizipationsprozess gemacht wurden, sind im Bericht (S. 40 ff.) aufgelistet.
Von zivilgesellschaftlicher Seite wurde bspw. Kritik an der komplexen Sprachform des
Berichtes geäußert. Die Regierung räumte ein, dass auch der späte Emp-fang des Dokuments die
Handlungsfähigkeit zivilgesellschaftlicher Akteure zur Besprechung des Papiers beschnitten habe.
Im Zuge der Erarbeitung des 2005er Fortschrittsberichts wurden acht
regionale Konsultationen durchgeführt, um den Teilnehmern die Möglichkeit zu
geben, den Entwurf des Dokuments zu kommentieren (RoG 2005, S. 56). Außerdem wurden
Konsultationen auf nationaler Ebene abgehalten: Eine Veranstaltung fand statt,
die Parlamentariern Rückmeldungen zum abschließenden Berichtsentwurf ermöglichte (ebd., S. 57).
Im Vorfeld des Konsultationsprozesses wurden 500 Kopien des Entwurfs und mehr als 12.000
Flugblätter (die auf spezielle Sektoren Bezug genommen haben sollen) verteilt (ebd.). Neben
der Teilnahme an den Konsultationen war Feedback über E-Mail bzw. konventionelle Post möglich
(ebd., S. 58). Im Zuge der Entwurfskommentierung kritisierten Vertreter des UNDP in
Guyana bspw., dass die Betonung des Wirtschaftswachstums als Mittel der Armutsreduzierung
im PRSP übertrieben sei. Wirtschaftswachstum sei zwar notwendig, aber nicht hinreichend;
vielmehr müssten zusätzlich pro-poor Politiken in den makroökonomischen Rahmen
integriert werden. Bemängelt wurde außerdem, dass Themen der Regierungsführung nur oberflächlich
behandelt werden (Tennassee 2005, S. 3).
| 3. Die Zivilgesellschaft |
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Seit 1992 hat es in Guyana einen deutlichen Anstieg nicht-staatlicher Organisationen gegeben,
die vor allem in der Bekämpfung von HIV / Aids aktiv sind. Diese Organisationen sind
überwiegend dienstleistungsorientiert (Tennassee 2005, S. 2), d.h. sind nicht in starkem Maße in
politische Prozesse involviert. Dennoch wirkten viele dieser Organisationen im Zuge der
PRSP-Erstellung mit.
Nach Angaben des Social Justice Committees (McCuish 2005, S. 6) wurde das Konsultationsangebot
der Regierung zunächst von vielen NRO begrüßt. Allerdings hat es ebenso NRO
gegeben, die es aus grundsätzlichen Erwägungen vorzogen, nicht am PRS-Prozess zu
partizipieren (ebd., S. 6). So hat bspw. die Guyana Human Rights Association (GHRA)
den Prozess boykottiert (ebd., S. 7). In einer Reihe von Informationspapieren hob die
GHRA hervor, die Geber legten Wert auf "(...) technical solutions rather than good governance (...)"
(Civil Society Forum on Solidarity and Inclusiveness 2002 zit. nach: Tennassee 2005, S. 3);
sie seien intern niemandem gegenüber rechenschaftspflichtig. Außerdem kritisierte die GHRA,
dass die Regierung, gegenüber den Gebern aufgrund deren Finanzkraft deutlicher Rechenschaft ablege
als gegenüber den Steuerzahlern. Ferner beklagte die GHRA, "(...) that market forces, the engine of
the system, allow no space for considerations of equity, justice or other values that imply
regulation, moderation or control" (ebd. zit. in Tennassee). Kontrastierend hierzu wird das
hohe Engagement von Repräsentanten einer marginalisierten Bevölkerungsminderheit
(der "Amerindian") im Rahmen des PRS-Prozesses betont (Booth / Curran 2005, S. 8).
Sie führten Konsultationen durch, die erheblich umfassender als erwartet waren. So war der
Prozess, der zur Entwicklung des PRSP initiiert wurde, ungewöhnlich stark durch die Artikulation
von Perspektiven und Prioritäten dieser Bevölkerungsgruppe geprägt. Allerdings fand der
überwiegende Teil der im Konsultationsprozess geäußerten Prioritäten keine Umsetzung in
Politikvorschläge für das PRSP (ebd., S. 8). Infolgedessen machte sich auf Seiten der
Zivilgesellschaft Enttäuschung und Frustration breit (ebd., S. 13; McCuish 2005, S. 7).
Letzten Endes empfinden viele das PRSP als hastig zusammengeschustertes, oberflächliches
Dokument, das an den dringlichsten Themen vorbei geht (McCuish 2005, S. 6). Darüber hinaus
wird von zivilgesellschaftlicher Seite beklagt, dass das Steuerungskomitee, in dem auch
zivilgesellschaftliche Repräsentanten mitwirken, keine Unterstützung durch die Regierung
erfahren hat und daher bei der Ausübung seiner Aufgaben scheiterte.
Auch die Einberufung der Monitoring und Evaluation Unit sei verspätet gewesen; zudem
habe diese Einheit in der Folge mit Problemen geringer Legitimität und Effektivität zu kämpfen
gehabt: Monatelang habe sich die Regierung gesträubt, die Monitoringeinheit einzurichten,
bis IWF und Weltbank eingewilligt hätten, dass diese Teil des Präsidentenbüros sein könne.
Die Einstellung eines jungen, unerfahrenen Mitarbeiters für die Leitung des Büros sehen
viele NRO als problematisch an. Einige vermuten dahinter die Bemühung des Präsidenten,
die Kontrolle über das Büro zu sichern (ebd., S. 8). Unter zivilgesellschaftlichen
Organisationen herrscht die Meinung vor, die Regierung habe das PRSP angefertigt,
um Schuldenerlasse zu erhalten, sei aber nicht wirklich engagiert, die Strategie zu
implementieren (Tennassee 2005, S.).
| 4. Service |
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4.1 Statistik
a. Entwicklung
allgemeine Indikatoren
UNDP-Index der menschlichen Entwicklung: 0,719 (Rang 103 von 177)
b. Verschuldung
Im November 2000 erreichte Guyana den decision point der HIPC-II-Initiative.
Zusätzlich zum Erlass des Schuldendienstes unter HIPC-I in Höhe von 440 Millionen US-Dollar
werden dem Land nun von den Gebern weitere 590 Millionen US-Dollar Schuldendienst erlassen.
IDA verzichtet damit jetzt auf insgesamt 131 Millionen und IWF auf insgesamt 95 Millionen
US-Dollar. Ende 2003 erreichte Guyana den completion point.
c. weitere statistische Quellen
Human Development Reports
http://hdr.undp.org/reports/
UNDP Büro in Guyana
http://www.undp.org.gy/
Weltbank Statistiken
http://www.worldbank.org/cgi-bin/sendoff.cgi?page=%2Fdata%2Fcountrydata%2Faag%2Fguy_aag.pdf
4.2 Wichtige Dokumente
a. PRSP-Dokumente
Republic of Guyana [RoG] (2005): Guyana Poverty Reduction Strategy. Progress Report 2005
http://siteresources.worldbank.org/INTPRS1/Resources/Guyana_PRSP(August31-2006).pdf [Zugriff 02.04.2007]
IMF / IDA (2004): Guyana - Joint Staff Advisory Note on the Poverty Reduction Strategy Paper. Second Annual Progress Report.
http://siteresources.worldbank.org/INTPRS1/Resources/Guyana_APR2-JSAN(April5-2006).pdf [Zugriff 02.04.2007]
Republic of Guyana [RoG] (2004): Guyana Poverty Reduction Strategy.
http://www1.worldbank.org/prem/poverty/strategies/cpapers/cr04407.pdf [Zugriff 02.04.2007]
IMF / IDA (2002): Poverty Reduction Strategy Paper - Joint Staff Assessment.
http://povlibrary.worldbank.org/files/Guyana_JSA_of_PRSP.pdf [Zugriff 02.04.2007]
Republic of Guyana [RoG] (2002): The Guyana Poverty Reduction Strategy Paper
http://poverty.worldbank.org/files/Guyana_PRSP_main_text.pdf [Zugriff 02.04.2007]
Republic of Guyana [RoG] (2000): Interim Poverty Reduction Strategy Paper
http://povlibrary.worldbank.org/files/guyana%20iprsp.pdf [Zugriff 02.04.2007]
4.3 Berichte und Analysen
a. Publikationen, die sich mit dem PRSP befassen
Booth, David / Curran, Zaza (Overseas Development Institute - ODI) (2005): Developing the empirical evidence for DFID's strategy on exclusion. Aid instruments and exclusion.
http://www.odi.org.uk/rights/Publications/CurranBooth_Aid&Exclusion.pdf [Zugriff 10.04.2007]
Guyana Human Rights Association (GHRA) & Others (2002): Civil Society Forum on Solidarity and Inclusiveness / Background Briefing Papers 1 - 4 December 2002. Georgetown, Guyana.
MacCuish, Derek (The Social Justice Committee) (2005): Guyana: Experience of Economic Reform.
http://www.halifaxinitiative.org/updir/Guyana.pdf [Zugriff 10.04.2007]
Tennassee, Paul N. (2005): The United Nations and Civil Society. U.N. 58th Annual DPI / NGO Conference. Our Callenge: Voices of Peace, Partnership and Renewal. Sept. 7-9th, 2005. Presentation on behalf of WCL / ICFTU.
http://www.guyanajournal.com/uncivilsociety.html [Zugriff 03.04.2007]
b. Hintergrundinformationen
Guyana-Linkliste
http://www.burks.de/guyana.html [Zugriff 10.04.2007]
Hintergrundinformationen zu Guyana des Auswärtigen Amtes
http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Guyana/Innenpolitik.html
http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Guyana/Wirtschaft.html
[Zugriff 10.04.2007]
4.4 Links
a. PRSP
Internationaler Währungsfonds
http://www.imf.org/external/np/prsp/prsp.asp
Liste mit Informationen und z. T. Links zu NRO in Guyana
http://www.sdnp.org.gy/csoc/ngos/listing.html
Poverty Reduction Strategy Secretariat
http://www.povertyreduction.gov.gy/povred/about.html
Weltbank
http://www.worldbank.org/poverty/strategies/index.htm
b. Entschuldung
Deutsche Erlassjahrkampagne
http://www.erlassjahr.de
Jubilee 2000
http://www.jubilee2000uk.org/hipc/hipc_news/imf191203.htm
Pariser Club
http://www.clubdeparis.org
c. allgemeine Links, die auch Informationen zum Land bieten
Auswärtiges Amt
http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?type_id=2&land_id=56
Fischer Weltalmanach
http://www.weltalmanach.de/staat/staat_detail.php?staat=guyana
Guyana Chronicle
http://www.guyanachronicle.com/
Reuters AlertNet
http://www.alertnet.org/thefacts/countryprofiles/216155.htm
Spiegel Online - Länderlexikon
http://www.spiegel.de/jahrbuch/0,1518,GUY,00.html
Stabroek News
http://www.stabroeknews.com/
www.prsp-watch.de (Mai 2007)
Verantwortlich: Nina Schröder
E-Mail: nina.schroeder@fh-duesseldorf.de
© VENRO und Fachhochschule Düsseldorf
(Forschungsstelle Dritte Welt; Leitung Prof. Dr. Walter Eberlei)
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