LÄNDERPROFILE SUCHE   
Zusammenfassung Der Prozeß Zivilgesellschaft Service  
 
Guyana GUYANA
 
 
Guyana
Kurzdarstellung

1. Zusammenfassung Zum Seitenanfang

Im Jahr 2000 erarbeitete die Regierung Guyanas eine vorläufige Armutsbekämpfungsstrategie (Interim-PRSP). Zwei Jahre später (also 2002) legte sie die Vollversion der PRS vor. In 2004 erarbeitete sie dann einen ersten Fortschrittsbericht zur Implementierung, dem 2005 ein weiterer folgte.

Bei der Erarbeitung des I-PRSP scheinen zivilgesellschaftliche Akteure nicht oder nur marginal einbezogen worden zu sein. Im Kontext der Entwicklung des PRSP hat sich dies anders dargestellt: IWF und Weltbank sprechen von einem extensiven partizipativen Prozess, der alle zehn Regionen und mehr als 8.000 Menschen einbezogen hat (IMF / Worldbank 2002, S. 2). Eine gründliche Durchführung der Konsultationen wird auch von unabhängiger Seite durch das Social Justice Committee (MacCuish 2005, S. 6) als allgemein anerkannt bestätigt. Allerdings hat der überwiegende Teil der im Konsultationsprozess geäußerten Prioritäten keine Übersetzung in Politikvorschläge für das PRSP gefunden (Booth / Curran 2005, S. 13). Nach Angaben des Social Justice Committees (MacCuish 2005, S. 8) ist der Dialog mit der Zivilgesellschaft nach der Annahme des PRSP durch IWF und Weltbank abgerissen.

2. Der Prozeß Zum Seitenanfang

Das I-PRSP selbst sagt nichts darüber aus, ob zivilgesellschaftliche Akteure an seinem Entstehen mitgewirkt haben. IWF und Weltbank gehen davon aus, dass in dieser Prozessphase wenn überhaupt, nur eine geringe Beteiligung ermöglicht wurde (IMF / IDA 2002, S. 2).

Der Prozess der zur Erarbeitung des PRSP geführt hat, basierte Regierungsangaben zufolge auf einem Partizipationsplan (Participation Action Plan), der im Vorfeld des Konsultationsprozesses auf partizipative Weise erstellt wurde. Darüber hinaus wurden Resource Teams vor Beginn des Konsultationsprozesses für die Durchführung von Gemeindekonsultationen trainiert (RoG 2002, S. 2, 15; IMF / IDA 2002, S. 2, 3). Der Konsultationsprozess, der am 18. Juni 2001 gestartet und im Oktober desselben Jahres abgeschlossen wurde, basierte gemäß IWF und Weltbank auf einer gut durchdachten Struktur. Diese schloss eine Geber-Koordinationseinheit (Donor Coordination Unit), ein Steuerungskomitee (PRS Steering Committee), ein Sekretariat (PRS Secretariat) und acht Resource Teams ein (ebd., S. 2). Das Steuerungskomitee umfasste auch zehn Repräsentanten der Zivilgesellschaft (Mitglieder von NRO, Gewerkschaften, religiösen und indigenen Gruppen, Jugendliche und Frauen) (RoG 2002, S. 15). Die Komiteemitglieder haben im Vorfeld der Konsultationen an der Bekanntmachung des Prozesses und später bspw. an der Analyse von Berichten, die als Ergebnisse der Konsultationen entstanden, mitgewirkt (ebd.). Nach Regierungsangaben wurden im Zuge dieses Konsultationsprozesses mehr als 8.400 Teilnehmer aus allen Regionen des Landes involviert. Der Prozess schloss vier Konsultationstypen ein:

  • 109 Gemeindekonsultationen, bei denen die Teilnehmer Probleme identifizierten, die ihrer Einschätzung nach auf den unterschiedlichen Ebenen (Zentralregierung, regionalen Administration und Gemeinde- bzw. Individualebene) zur Armutsminderung angegangen werden müssten (ebd., S. 15 f.).
  • 98 Zielgruppenkonsultationen, zu denen organisierte Gruppen eingeladen wurden, um das I-PRSP und die damit verbundenen Themen zu diskutieren. Durchgeführt wurden die Konsultationen von zivilgesellschaftlichen Gruppen - der überwiegende Teil (84) von religiösen Vereinigungen; es wurden aber auch Konsultationen von Gruppen von Menschen mit Behinderungen, Jugendlichen und Farmern geleitet (ebd., S. 16). Konsultationen wurden zudem in Gegenden durchgeführt, in denen die "Amerindian" leben (IMF / IDA 2002, S. 3), eine der Bevölkerungsgruppen, die in Guyana als exkludiert angesehen werden muss. Insgesamt entstanden zehn Berichte (einer für jede Region), welche die Ergebnisse der Gemeinde- und Zielgruppenkonsultationen zusammenfassten (RoG 2002, S. 16). Zivilgesellschaftliche Akteure machen darauf aufmerksam, dass im Zuge der Konsultationen insbesondere der hohe Grad der Unzufriedenheit der Menschen mit ihren lokalen Regierungen offensichtlich wurde (McCuish 2005, 7).
  • Zehn regionale Konsultationen wurden abgehalten, um diese Ergebnisse hinsichtlich ihrer Priorität zu bewerten. Daraufhin wurde der PRS-Entwurf unter Rückgriff auf die Konsultationsergebnisse verfasst und zur Vorbereitung auf eine abschließende Debatte an "Schlüsselgruppen" übermittelt (ebd.).
  • Um auch den am Erarbeitungsprozess beteiligten Akteuren der Regionen und Gemeinden Rückmeldungen über das endgültige PRSP zu ermöglichen, wurden in den Regionen jeweils fünf Vertreter für die abschließende nationale "Review-Konferenz" im Oktober 2001 gewählt. Ziel der Veranstaltung war - neben der Demonstration der Regierung, auch regionale Prioritäten ins PRSP aufgenommen zu haben - u.a. Mechanismen für die Umsetzung, das Monitoring und die Evaluierung zu diskutieren (ebd., S. 16 f.).

Laut Fortschrittsbericht (2004) hat die Regierung in 2003 sechs regionale Konsultationen in fünf Regionen durchgeführt. Die Veranstaltungen trugen vor allem dazu bei, bei den Teilnehmern ein besseres Verständnis in Bezug auf Aktivitäten des Monitoring zu schaffen (RoG 2004, S. 35). Um in dieser Prozessphase eine breite Beteiligung zu ermöglichen, wurden 400 Kopien des Fortschrittsberichtsentwurfs an Ministerien, Geber, zivilgesellschaftliche Organisationen und Einzelpersonen weitergeleitet (ebd., S. 37). Flugblätter zu acht Aspekten des Armutsbekämpfungsprogramms (z.B. Regierungsführung, M&E) wurden erstellt und verteilt, um fokussierte Diskussionen zu diesen Themen zu fördern. Vier "Review Meetings" wurden veranstaltet, um Rückmeldungen zum Entwurf des Fortschrittsberichts einzuholen. Zusätzlich wurden Einschätzungen zum Inhalt des Berichts über einen Fragebogen ermittelt. Feedback war ferner via E-Mail möglich (ebd., S. 37, 43). Vorschläge, die im Partizipationsprozess gemacht wurden, sind im Bericht (S. 40 ff.) aufgelistet. Von zivilgesellschaftlicher Seite wurde bspw. Kritik an der komplexen Sprachform des Berichtes geäußert. Die Regierung räumte ein, dass auch der späte Emp-fang des Dokuments die Handlungsfähigkeit zivilgesellschaftlicher Akteure zur Besprechung des Papiers beschnitten habe.

Im Zuge der Erarbeitung des 2005er Fortschrittsberichts wurden acht regionale Konsultationen durchgeführt, um den Teilnehmern die Möglichkeit zu geben, den Entwurf des Dokuments zu kommentieren (RoG 2005, S. 56). Außerdem wurden Konsultationen auf nationaler Ebene abgehalten: Eine Veranstaltung fand statt, die Parlamentariern Rückmeldungen zum abschließenden Berichtsentwurf ermöglichte (ebd., S. 57). Im Vorfeld des Konsultationsprozesses wurden 500 Kopien des Entwurfs und mehr als 12.000 Flugblätter (die auf spezielle Sektoren Bezug genommen haben sollen) verteilt (ebd.). Neben der Teilnahme an den Konsultationen war Feedback über E-Mail bzw. konventionelle Post möglich (ebd., S. 58). Im Zuge der Entwurfskommentierung kritisierten Vertreter des UNDP in Guyana bspw., dass die Betonung des Wirtschaftswachstums als Mittel der Armutsreduzierung im PRSP übertrieben sei. Wirtschaftswachstum sei zwar notwendig, aber nicht hinreichend; vielmehr müssten zusätzlich pro-poor Politiken in den makroökonomischen Rahmen integriert werden. Bemängelt wurde außerdem, dass Themen der Regierungsführung nur oberflächlich behandelt werden (Tennassee 2005, S. 3).

3. Die Zivilgesellschaft Zum Seitenanfang

Seit 1992 hat es in Guyana einen deutlichen Anstieg nicht-staatlicher Organisationen gegeben, die vor allem in der Bekämpfung von HIV / Aids aktiv sind. Diese Organisationen sind überwiegend dienstleistungsorientiert (Tennassee 2005, S. 2), d.h. sind nicht in starkem Maße in politische Prozesse involviert. Dennoch wirkten viele dieser Organisationen im Zuge der PRSP-Erstellung mit.

Nach Angaben des Social Justice Committees (McCuish 2005, S. 6) wurde das Konsultationsangebot der Regierung zunächst von vielen NRO begrüßt. Allerdings hat es ebenso NRO gegeben, die es aus grundsätzlichen Erwägungen vorzogen, nicht am PRS-Prozess zu partizipieren (ebd., S. 6). So hat bspw. die Guyana Human Rights Association (GHRA) den Prozess boykottiert (ebd., S. 7). In einer Reihe von Informationspapieren hob die GHRA hervor, die Geber legten Wert auf "(...) technical solutions rather than good governance (...)" (Civil Society Forum on Solidarity and Inclusiveness 2002 zit. nach: Tennassee 2005, S. 3); sie seien intern niemandem gegenüber rechenschaftspflichtig. Außerdem kritisierte die GHRA, dass die Regierung, gegenüber den Gebern aufgrund deren Finanzkraft deutlicher Rechenschaft ablege als gegenüber den Steuerzahlern. Ferner beklagte die GHRA, "(...) that market forces, the engine of the system, allow no space for considerations of equity, justice or other values that imply regulation, moderation or control" (ebd. zit. in Tennassee). Kontrastierend hierzu wird das hohe Engagement von Repräsentanten einer marginalisierten Bevölkerungsminderheit (der "Amerindian") im Rahmen des PRS-Prozesses betont (Booth / Curran 2005, S. 8). Sie führten Konsultationen durch, die erheblich umfassender als erwartet waren. So war der Prozess, der zur Entwicklung des PRSP initiiert wurde, ungewöhnlich stark durch die Artikulation von Perspektiven und Prioritäten dieser Bevölkerungsgruppe geprägt. Allerdings fand der überwiegende Teil der im Konsultationsprozess geäußerten Prioritäten keine Umsetzung in Politikvorschläge für das PRSP (ebd., S. 8). Infolgedessen machte sich auf Seiten der Zivilgesellschaft Enttäuschung und Frustration breit (ebd., S. 13; McCuish 2005, S. 7). Letzten Endes empfinden viele das PRSP als hastig zusammengeschustertes, oberflächliches Dokument, das an den dringlichsten Themen vorbei geht (McCuish 2005, S. 6). Darüber hinaus wird von zivilgesellschaftlicher Seite beklagt, dass das Steuerungskomitee, in dem auch zivilgesellschaftliche Repräsentanten mitwirken, keine Unterstützung durch die Regierung erfahren hat und daher bei der Ausübung seiner Aufgaben scheiterte.

Auch die Einberufung der Monitoring und Evaluation Unit sei verspätet gewesen; zudem habe diese Einheit in der Folge mit Problemen geringer Legitimität und Effektivität zu kämpfen gehabt: Monatelang habe sich die Regierung gesträubt, die Monitoringeinheit einzurichten, bis IWF und Weltbank eingewilligt hätten, dass diese Teil des Präsidentenbüros sein könne. Die Einstellung eines jungen, unerfahrenen Mitarbeiters für die Leitung des Büros sehen viele NRO als problematisch an. Einige vermuten dahinter die Bemühung des Präsidenten, die Kontrolle über das Büro zu sichern (ebd., S. 8). Unter zivilgesellschaftlichen Organisationen herrscht die Meinung vor, die Regierung habe das PRSP angefertigt, um Schuldenerlasse zu erhalten, sei aber nicht wirklich engagiert, die Strategie zu implementieren (Tennassee 2005, S.).

4. Service Zum Seitenanfang

4.1 Statistik

a. Entwicklung

allgemeine Indikatoren

UNDP-Index der menschlichen Entwicklung: 0,719 (Rang 103 von 177)

b. Verschuldung

Im November 2000 erreichte Guyana den decision point der HIPC-II-Initiative. Zusätzlich zum Erlass des Schuldendienstes unter HIPC-I in Höhe von 440 Millionen US-Dollar werden dem Land nun von den Gebern weitere 590 Millionen US-Dollar Schuldendienst erlassen. IDA verzichtet damit jetzt auf insgesamt 131 Millionen und IWF auf insgesamt 95 Millionen US-Dollar. Ende 2003 erreichte Guyana den completion point.

c. weitere statistische Quellen

Human Development Reports
http://hdr.undp.org/reports/

UNDP Büro in Guyana
http://www.undp.org.gy/

Weltbank Statistiken
http://www.worldbank.org/cgi-bin/sendoff.cgi?page=%2Fdata%2Fcountrydata%2Faag%2Fguy_aag.pdf

4.2 Wichtige Dokumente

a. PRSP-Dokumente

Republic of Guyana [RoG] (2005): Guyana Poverty Reduction Strategy. Progress Report 2005
http://siteresources.worldbank.org/INTPRS1/Resources/Guyana_PRSP(August31-2006).pdf [Zugriff 02.04.2007]

IMF / IDA (2004): Guyana - Joint Staff Advisory Note on the Poverty Reduction Strategy Paper. Second Annual Progress Report.
http://siteresources.worldbank.org/INTPRS1/Resources/Guyana_APR2-JSAN(April5-2006).pdf [Zugriff 02.04.2007]

Republic of Guyana [RoG] (2004): Guyana Poverty Reduction Strategy.
http://www1.worldbank.org/prem/poverty/strategies/cpapers/cr04407.pdf [Zugriff 02.04.2007]

IMF / IDA (2002): Poverty Reduction Strategy Paper - Joint Staff Assessment.
http://povlibrary.worldbank.org/files/Guyana_JSA_of_PRSP.pdf [Zugriff 02.04.2007]

Republic of Guyana [RoG] (2002): The Guyana Poverty Reduction Strategy Paper
http://poverty.worldbank.org/files/Guyana_PRSP_main_text.pdf [Zugriff 02.04.2007]

Republic of Guyana [RoG] (2000): Interim Poverty Reduction Strategy Paper
http://povlibrary.worldbank.org/files/guyana%20iprsp.pdf [Zugriff 02.04.2007]

4.3 Berichte und Analysen

a. Publikationen, die sich mit dem PRSP befassen

Booth, David / Curran, Zaza (Overseas Development Institute - ODI) (2005): Developing the empirical evidence for DFID's strategy on exclusion. Aid instruments and exclusion.
http://www.odi.org.uk/rights/Publications/CurranBooth_Aid&Exclusion.pdf [Zugriff 10.04.2007]

Guyana Human Rights Association (GHRA) & Others (2002): Civil Society Forum on Solidarity and Inclusiveness / Background Briefing Papers 1 - 4 December 2002. Georgetown, Guyana.

MacCuish, Derek (The Social Justice Committee) (2005): Guyana: Experience of Economic Reform.
http://www.halifaxinitiative.org/updir/Guyana.pdf [Zugriff 10.04.2007]

Tennassee, Paul N. (2005): The United Nations and Civil Society. U.N. 58th Annual DPI / NGO Conference. Our Callenge: Voices of Peace, Partnership and Renewal. Sept. 7-9th, 2005. Presentation on behalf of WCL / ICFTU.
http://www.guyanajournal.com/uncivilsociety.html [Zugriff 03.04.2007]

b. Hintergrundinformationen

Guyana-Linkliste
http://www.burks.de/guyana.html [Zugriff 10.04.2007]

Hintergrundinformationen zu Guyana des Auswärtigen Amtes
http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Guyana/Innenpolitik.html
http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Guyana/Wirtschaft.html
[Zugriff 10.04.2007]

4.4 Links

a. PRSP

Internationaler Währungsfonds
http://www.imf.org/external/np/prsp/prsp.asp

Liste mit Informationen und z. T. Links zu NRO in Guyana
http://www.sdnp.org.gy/csoc/ngos/listing.html

Poverty Reduction Strategy Secretariat
http://www.povertyreduction.gov.gy/povred/about.html

Weltbank
http://www.worldbank.org/poverty/strategies/index.htm

b. Entschuldung

Deutsche Erlassjahrkampagne
http://www.erlassjahr.de

Jubilee 2000
http://www.jubilee2000uk.org/hipc/hipc_news/imf191203.htm

Pariser Club
http://www.clubdeparis.org

c. allgemeine Links, die auch Informationen zum Land bieten

Auswärtiges Amt
http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?type_id=2&land_id=56

Fischer Weltalmanach
http://www.weltalmanach.de/staat/staat_detail.php?staat=guyana

Guyana Chronicle
http://www.guyanachronicle.com/

Reuters AlertNet
http://www.alertnet.org/thefacts/countryprofiles/216155.htm

Spiegel Online - Länderlexikon
http://www.spiegel.de/jahrbuch/0,1518,GUY,00.html

Stabroek News
http://www.stabroeknews.com/

 

www.prsp-watch.de (Mai 2007)
Verantwortlich: Nina Schröder

E-Mail: nina.schroeder@fh-duesseldorf.de

© VENRO und Fachhochschule Düsseldorf
(Forschungsstelle Dritte Welt; Leitung Prof. Dr. Walter Eberlei)

Zum Seitenanfang