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Zusammenfassung Die Akteure:
Wer ist beteiligt?
Die Prozesse:
Wann und wie wird beteiligt?
Die Rahmenbedingungen: Was fördert / behindert wirkungsvolle Beteiligung? Gesamtbewertung Service

Ghana

 
Ghana GHANA
 
1. Zusammenfassung Zum Seitenanfang

Ghana hat 2002 das Full-PRSP vorgelegt und ist gegenwärtig (II. Quartal 2005) dabei, die Strategie einer Revision (bzw. einem "update") zu unterziehen. Das ghanaische PRS (GPRS) wird stark von der engen Kooperation zwischen Regierung und Gebern geprägt. Zivilgesellschaftliche Akteure sind bislang nur in geringem Maße eingebunden. Dies liegt einerseits an der starken Dominanz der Regierung, andererseits auch an der schwachen Netzwerkbildung von zivilgesellschaftlichen Organisationen, die eine Mitarbeit am GPRS-Prozess bisher nur Einzelorganisationen überlässt.

2. Die Akteure: Wer ist beteiligt? Zum Seitenanfang

2.1 Staatliche Institutionen: Regierung und Parlament

Die Regierung, die nach demokratischen Wahlen im Jahr 2001 gebildet wurde und aus den Wahlen im November 2004 gestärkt hervor ging, sieht das GPRS eindeutig als ihr Instrument zur Entwicklung des Landes an. Präsident Kufour identifiziert sich mit der Strategie und bezieht sich in seinen Entscheidungen sowie öffentlichen Äußerungen häufig darauf. Die ihm direkt unterstellte National Development Planning Commission (NDPC) ist für die Koordination von Entwicklung und Implementierung der GPRS verantwortlich. Die ownership in den Linienministerien ist schwächer. Selbst im Finanzministerium, das in anderen Ländern klassischerweise die Führungsaufgabe in den PRS-Prozessen übernommen hat, steht gelegentlich abseits.

Ghana ist vergleichsweise weitgehende dezentralisiert, allerdings mit starken zentralen Eingriffsmöglichkeiten: Der District Chief Executive (DCE), der vom Präsidenten ernannt wird, hat die zentrale Machtposition der Verwaltung auf Distriktebene inne. Gleichwohl hat die Distriktversammlung, die mehrheitlich gewählt wird, eine wichtige Funktion auch für die Entwicklungsplanung: Sie beschließt nicht nur über die jährlichen Haushalte (und z.B. über Ausgabenprioritäten), sondern auch über mittelfristige Distriktentwicklungspläne. Diese sind in den vergangenen Jahren eindeutig auf das nationale GPRS bezogen worden, d.h. sie verstehen sich als lokale Ausführungspläne der nationalen Armutsstrategie.

Auf nationaler Ebene hat das Parlament dagegen keine nennenswerte Rolle im PRS-Prozess gespielt. Ein speziell für PRS-Fragen gebildeter Unterausschuss war in der vergangenen Legislaturperiode (bis Ende 2004) weitgehend untätig - nach Ansicht von Beobachtern lag dies an den schwachen Parlamentariern, die den Ausschuss bildeten. Auch in den Haushaltsberatungen hat das Parlament die bestehenden Möglichkeiten, auf das PRS Bezug zu nehmen, bisher nicht genutzt.

Die Unterstützung des Parlaments mit dem Ziel, seine Funktionen im PRS-Prozess zu stärken, wird im Fortschrittsbericht 2003 der Regierung zur Umsetzung der PRS als wichtiger Teil des National Governance Programmes bezeichnet (GoG 2004, S.14, 101 f.).

2.2 Zivilgesellschaft

In Ghana existieren nach Angaben der Regierung mehr als 4000 nichtstaatliche Organisationen, die sich in zahlreichen Sektoren engagieren, insbesondere im sozialen Bereich (Bildung, Gesundheit). Zu unterscheiden sind landesweit bzw. überregional tätige Organisationen (z.B. die Gewerkschaften, Kirchen oder auch einige große NRO) von regionalen bzw. lokalen Organisationen (z.B. lokalen Frauen- oder Jugendgruppen).

460 Organisationen sind Mitglied des Netzwerkes Ghana Private Voluntary Organizations in Development (GAPVOD). Daneben gibt es andere sektoral organsierte Netzwerke oder Koalitionen, z.B. im Bildungs- oder Umweltbereich, sowie regionale Netzwerke. Die Netzwerke sind im PRS-Prozess bislang nur schwach oder gar nicht vertreten. GAPVOD bemüht sich, stärker Einfluss zu nehmen; die internen Schwächen der Organisation verhindern dies jedoch bislang.

Auffällig ist, dass sich in den vergangenen zehn Jahren eine Reihe von sehr professionell tätigen nicht-staatlichen Organisationen in der Hauptstadt gebildet haben, die sich vor allem auf politischer Ebene engagieren. Diese Institutionen sind vielfach von Akademikern gegründet worden und werden zumeist aus ausländischen Quellen (z.B. amerikanischen Stiftungen, internationalen NGOs) und durch Beratungstätigkeiten für Geberorganisationen finanziert. Einige dieser Organisationen haben sich auch im PRS-Prozess engagiert (z.B. ISODEC, Institute of Economic Affairs). Auch spielen die ghanaischen Sektionen einiger internationaler NRO eine Rolle im PRS-Kontext (z.B. ActionAid und CARE).

Zahlreiche ghanaische zivilgesellschaftliche Organisationen waren bzw. sind in den Prozess bisher nicht eingebunden. Teilweise liegt dies an der selektiven und häufig auch wenig systematischen Einladungspraxis der Regierung, teilweise aber auch daran, dass Organisationen dem PRS-Prozess aus politischen oder praktischen Gründen fern bleiben. Die generell vorhandene Skepsis vieler NRO gegenüber einer
Zusammenarbeit mit staatlichen Institutionen kommt zum Beispiel bei Frauenorganisationen besonders deutlich zum Ausdruck (Rodenberg 2001: 24). Viele Organisationen sind aber auch so beschäftigt, ihr institutionelles Überleben zu organisieren, dass für politische Aufgaben, die nicht direkt finanziert werden, kein Raum ist.

Die öffentliche Debatte, z.B. über Fragen der armutsorientierten Politik der Regierung, ist in Ghana relativ stark ausgeprägt. Durch eine freie Presse wird dies stark gefördert. Doch auch die Regierung bemüht sich, durch eine aktive Öffentlichkeitsarbeit zum öffentlichen Diskurs beizutragen, z.B. mit öffentlichen Foren (vgl. GoG 2004, S.14).

2.3 Weitere Akteure

Eine wichtige Sonderrolle - manche sagen: die entscheidende Rolle - in der ghanaischen Politik spielen traditionelle Autoritäten. Insbesondere das Königreich Ashanti verfügt nicht nur über eine jahrhundertealte kulturelle Tradition, sondern auch über eine straff hierarchische politische und administrative Organisation. Die Elite des Königreichs, dem nahezu die Hälfte der Bevölkerung zugerechnet wird, ist traditionell exzellent ausgebildet und nimmt daher auch aus diesem Grund vielfach Schlüsselpositionen in Politik und Wirtschaft ein. Durch den Regierungswechsel 2001 (von Rawlings zu Kufour) ist der Einfluss von Ashanti noch gestiegen, da Kufour und viele seiner Minister ebenfalls dieser Bevölkerungsgruppe angehören. Der Einfluss der traditionellen Autoritäten ist vor allem auf lokaler und regionaler Ebene stark: An den regionalen Paramount-Chiefs und den lokalen Chiefs kommt kaum eine Entscheidung vorbei. Im ghanaischen PRS-Prozess haben diese Autoritäten gleichwohl keine klare und transparente Rolle gespielt; sie dürften die Konsultationen auf lokalen und regionalen Ebenen gleichwohl stark beeinflusst haben.

Ferner ist unter weiteren Akteuren auch der Privatsektor zu nennen. Die Regierung Kufour gilt als außerordentlich unternehmerfreundlich. Viele Regierungsmitglieder sind selber Geschäftsleute. In den PRS-Prozessen sind Vertreter des Privatsektors auch explizit repräsentiert.

2.4 Externe Akteure / Geber

Die internationalen Geber unterstützen Ghanas Armutsminderungsstrategie intensiv. Neben der üblichen Entwicklungshilfe haben sich in Ghana inzwischen mehrere neue Instrumente durchgesetzt. So hat Ghana mit der Weltbank einen sogenannten Poverty Reduction Support Credit (PRSC) vereinbart, der - ebenso wie der Multi Donor Budget Support (MDBS) von neun bilateralen Gebern - reine Budgethilfe leistet. In 2005 kann Ghana bis zu 300 Millionen US-Dollar - ein Drittel der gesamten Entwicklungshilfe für das Land - als Budgethilfe erhalten.

Ghana hat überdies von einem Schuldenerlass im Rahmen der HIPC-Initiative profitiert. Diese verschiedenen Formen der Unterstützung durch die internationalen Geber ist allerdings auch mit starkem Einfluss auf die Politik des Landes verbunden. Der 2. Fortschrittsbericht Ghanas zur Umsetzung des PRSP (GoG 2004) verweist an vielen Stellen auf enge Abstimmungen mit Gebern.

Zentrales Instrument für den "Dialog" zwischen Regierung und Gebern sind die Arbeitsgruppen für den Budgetsupport. Hier wird auf der Basis von klar festgelegten Kritierien die Performance der Regierung diskutiert, d.h. ihre Leistung. Davon abhängig ist unter anderem der zweite Teil der Budgethilfe: Während eine erste Rate jeweils zu Beginn des Haushaltsjahres ausgezahlt wird, ist die zweite Rate von der Leistungsbewertung durch die Geber abhängig. Hier wird also zentral in die konkrete Regierungsarbeit eingegriffen. Zivilgesellschaftliche Akteure sind zu den Arbeitsgruppen nicht eingeladen, auch Medienvertreter oder Parlamentarier sind ausgeschlossen.

Ein interessantes und potenziell einflussreiches neues Instrument von IWF und Weltbank - das Poverty and Social Impact Assessment (PSIA) - ist in Ghana mehrfach angewendet worden (siehe Informationen im Anhang von GoG 2004). PSIA soll die potenziellen Folgen von Reformpaketen für Arme im voraus einschätzen und armutsorientierte Korrekturmaßnahmen empfehlen. Während Geber an den PSIA-Aktivitäten intensiv beteiligt waren, gilt dies für die Zivilgesellchaft nicht (siehe Tabelle in GoG 2004, S.25).

3. Die Prozesse: Wann und wie wird beteiligt? Zum Seitenanfang

3.1 Partizipation in Analyse und Strategieentwicklung

Dem Partizipationsprozess zur Erstellung des ersten PRS (GPRS-I), verabschiedet 2002, werden überwiegend schlechte Noten ausgestellt. Zwar waren zivilgesellschaftliche Organisationen, zumeist die bereits erwähnten professionellen NGOs der Hauptstadt, zu verschiedenen Foren und Workshops eingeladen. Eine systematische Beteiligung der vielfältigen Zivilgesellschaft in Ghana, auch auf regionalen und lokalen Ebenen, erfolgte jedoch nicht. Die in vielen Ländern beklagten Rahmenbedingungen - hoher Zeitdruck, Informationsmangel, schlechte Organisation (z.B. stets verspätete Einladungen zu Sitzungen), Intransparenz der Entscheidungen, mangelnde strukturelle Verankerung und andere mehr - wurden auch für den ghanaischen Prozess konstatiert (vgl. Abugre 2001b: 6; Abugre/Killick 2001d: 30f; Abugre/Killick 2001c: 23; McGee 2002: 35-38; Rodenberg 2001: 21f., 35).

3.2 Partizipation in der Umsetzung der Strategien

In der Umsetzung der GPRS haben zivilgesellschaftliche Akteure in den Jahren 2002 bis 2005 faktisch keine Rolle gespielt. Wie oben dargelegt, ist dagegen der Einfluss der Geber massiv. Allerdings weiß sich die selbstbewußte Regierung durchaus auch zu behaupten. Die Implementierung der GPRS ist daher eine reine Angelegenheit zwischen Regierung und Gebern. Als Ausnahme wird die Zusammenarbeit von Staat und Zivilgesellschaft im Bereich der HIV/AIDS-Bekämpfung hervorgehoben (GoG 2004, S.16).

3.3 Partizipation im Monitoring

Die National Intra-Agency Poverty Monitoring Groups (NIPMGs) stellen das zentrale institutionelle Geflecht für PRS-Monitoring dar (GoG 2004, S.22 f.). Sie sind auch in die Erstellung der jährlichen Fortschrittsberichte eingebunden und kommentieren diese. Obwohl die Regierung betont, das institutionelle System solle die Beteiligung aller Interessengruppen sicherstellen, muss sie im Fortschrittsbericht 2003 doch konstatieren, dass der Prozess zur umfassenden Einbeziehung der Zivilgesellschaft in dieses System noch immer nur "auf dem Wege" sei (GoG 2004, S.22). Die dort aufgeführte Tabelle mit Mitgliedern der Monitoringgruppen enthält, soweit erkennbar, auch keine zivilgesellschaftlichen VertreterInnen. Die Regierung wolle aber die Anstrengungen verstärken, die Zivilgesellschaft hier zu beteiligen (ebd., S.23).

In der Tat führten diese Anstrengungen schließlich im August 2004 (immerhin mehr als zwei Jahre nach Vorlage der PRS) zu einem Treffen zwischen NDPC und zivilgesellschaftlichen Gruppen. Es sollen 40 Organisationen eingeladen gewesen sein, tatsächlich nahmen aber nur 12 daran teil. Diese Organisationen benannten je zwei Vertreter für die NIPMGs, darunter den Gewerkschaftsverband TUC und die NRO ActionAid, Care sowie Center for Democratic Development.

Ein von der Regierung anberaumtes Treffen aller fünf NIPMGs im Oktober 2004 fand erneut wenig Interesse der Zivilgesellschaft: Nur die beiden internationalen NRO Care und ActionAid waren vertreten. Auch in den Folgemonaten kann nicht davon gesprochen werden, dass die Zivilgesellschaft bei den gelegentlichen Treffen der Monitoringgruppen signifikant vertreten waren.

Diese schwache Beteiligung spiegelt sich auch in der Vorbereitung der jährlichen Fortschrittsberichte. Die von der Regierung anberaumten Sitzungen werden selten von NRO wahrgenommen. Die Zivilgesellschaft klagt über schlechte Informationspolitik der Regierung und häufig ad-hoc einberufene Sitzungen. Diese Kritik scheint zutreffend zu sein - allerdings ist andererseits keinerlei proaktives Agieren der Zivilgesellschaft zu erkennen. Bei eigenem Interesse wären viele der Informationsdefizite leicht auszugleichen, wie auch NRO-VertreterInnen selbstkritsch anerkennen.

Einige NRO (ISODEC, SEND Foundation) versuchen, die Aufstellung des jährlichen Regierungsbudgets - ein zentrales Instrument zur Umsetzung einer PRS - zu beeinflussen, u.a. durch unabhängiges Monitoring der Ausgabenseite. Es ist aber nicht zu erkenenn, dass dies bislang stärkeren Einfluss gehabt hat.

Über die Nutzung der Mittel aus dem Schuldenerlass berichtet die Regierung in ihren PRS-Fortschrittsberichten (siehe z.B. GoG 2004, S.117-123). Einige zivilgesellschaftliche Organisationen, z.B. die SEND Foundation, beobachten und kommentieren die Verwendung der Mittel. Siehe ausführliche Berichte: www.sendfoundation.org/watch/

3.4 Partizipation im Review-Prozess

Der nach drei Jahren Implementierung anstehende Review-Prozess hat in Ghana bereits im September 2004 mit der Einsetzung von thematischen Arbeitsgruppen begonnen. Der Review wird von der Regierung allerdings nicht sehr umfassend gesehen, er wird entsprechend auch nur als "update" bezeichnet. Die Regierung geht nicht davon aus, dass sich wesentliche Änderungen ergeben könnten. Zivilgesellschaftliche Gruppen sind gezielt eingeladen worden, in den thematischen Gruppen mitzuarbeiten. Nach Angaben der NDPC wurde das Netzwerk GAPVOD gebeten, Repräsentanten zu benennen. Dies erfolgte offenbar nicht. Darüber hinaus sprach die Regierung einige NRO direkt auf die Mitarbeit an (z.B. Care), die teilweise auch an den Sitzungen der Arbeitsgruppen teilnahmen.

Im April 2005 zeigten sich VertreterInnen einiger zivilgesellchaftlicher Organisationen überrascht darüber, dass die Regierung die Vorbereitungen der neuen Strategie (GPRS-II) schon weit vorangetrieben hatte und einen Abschluss bis Juli 2005 anstrebt. Auf gemeinsame Initiative von GAPVOD sowie einiger internationaler NRO wie Care und ActionAid soll nun eine gemeinsame Stellungnahme für die GPRS-Konsultationen entwickelt werden.

Die Regierung plant, den Entwurf von GPRS-II in national und regional organisierten Workshops zu präsentieren und zu diskutieren (Mai / Juni 2005).

4. Die Rahmenbedingungen: Was fördert / behindert wirkungsvolle Beteiligung? Zum Seitenanfang

Strukturelle Verankerung gesellschaftlicher Partizipation: Die verfassungsmäßig zentrale Struktur gesellschaftlicher Partizipation - das Parlament - spielt im ghanaischen PRS-Prozess keine Rolle (dabei dürfte das mangelnde Interesse der Parlamentarier an diesem Instrument der Regierung ein wichtiger Grund sein). Für die zivilgesellschaftliche Partizipation im PRS-Prozess sind die Monitoringgruppen sowie die thematischen Arbeitsgruppen des Review-Prozesses zu nennen. In beiden Fällen kann aber noch nicht von einer Institutionalisierung gesprochen werden. Die Regierung hat erst 2004 ernsthaft versucht, zivilgesellschaftliche Akteure einzubinden, was bis heute - auch aus Gründen, die die Zivilgesellschaft zu verantworten hat - nicht nachhaltig gelungen ist.

Eine wichtige Struktur für Beteiligung könnte in Zukunft noch die voranschreitende Dezentralisierung werden, die auch als lokale Demokratisierung angesehen wird (GoG 2004, S.102 ff., 115 ff.). Die Regierung will dies offenbar nicht nur auf die Distriktversammlungen begrenzen, sondern auch über weitere lokale Beteiligungsmöglichkeiten nachdenken (ebd., S. 96). Die sich inzwischen verstärkende Kooperation zwischen den Distriktversammlungen und der Zivilgesellschaft im Bereich der HIV/AIDS-Bekämpfung (GoG 2004, S.104) kann dafür ein gutes Beispiel geben.

Rechtliche Basis partizipativer Prozesse: Ghana verfügt über eine demokratische Verfassung (http://www.ghanareview.com/parlia/Gconst6.html), die zahlreiche Beteiligungsrechte absichert. Für die Partizipation seiner Bürgerinnen und Bürger sind die Grundrechte in Artikel 21, aber auch der Artikel 37, Absatz 2a, von Bedeutung, letzterer garantiert Partizipationsrechte und die dazu notwendige Gründung von Organisationen. Einige Gesetze, die z.B. die Dezentralisierung regeln, bieten weitere rechtliche Absicherungen von Partizipation. Ein Verwaltungsrecht, das z.B. explizite Anhörungsrechte für BürgerInnen böte, gibt es aber nicht. Allerdings meinen BeobachterInnen, dass die Praxis hier oft weiter reiche als die rechtliche Basis es vorschreibe bzw. ermögliche.

Eine interessante Ausweitung von Beteiligungsrechten könnte sich durch ein geplantes Freedom of Access to Information Law ergeben. Ein Entwurf liegt vor, zahlreiche Stellungnahmen wurden abgegeben, die Verabschiedung könnte in absehbarer Zeit erfolgen und zusätzliche Räume für Informationszugänge schaffen. Allerdings fürchten einige BeobachterInnen, dass die Regierung das Gesetz auch nutzen könnte, unliebsame Fragen stärker einzuschränken.

Ebenfalls wichtig für den rechtlichen Rahmen von zivilgesellschaftlicher Tätigkeit wird eine NRO-Strategie der Regierung werden, die unter dem Titel National Policy For Strategic Partnership with NGO's in Arbeit ist. Zivilgesellschaftliche Akteure wie GAPVOD, The Ark Foundation oder Institute of Democratic Governance (IDEG) haben in einem mehrjährigen Prozess an der Erstellung mitwirken können. Es wird erwartet, dass das Kabinett die Policy noch im Jahr 2005 beschließt.

Im Kontext des PRS-Prozesses ist auf den Monitoring and Evaluation Plan der Regierung hinzuweisen (GoG 2003b). Er hält immerhin verbindlich fest, dass zivilgesellschaftliche Akteure an den Monitoringgruppen zu beteiligen sind und regelt die Aufgaben dieser Gruppen (siehe auch 3.3).

Insgesamt kann die rechtliche Absicherung von zivilgesellschaftlicher Beteiligung an politischen Prozessen in Ghana als vergleichsweise hoch angesehen werden.

Legitimität beteiligter gesellschaftlicher Akteure: Die legislativen Institutionen in Ghana - das Parlament auf nationaler Ebene, die Distriktversammlungen auf Distriktebene - sind aus demokratischen Wahlen hervorgegangen; sie besitzen entsprechend eine hohe Legitimität. In den Augen vieler Beobachter ist ihre Leistungsfähigkeit aber gering, entsprechend schwach ist die Output-Legitimität. Dies gilt offensichtlich auch für den PRS-Prozess, zumindest auf nationaler Ebene. Zivilgesellschaftliche Akteure können teilweise auf eine Mitgliederbasis verweisen, z.B. die Kirchen, die ihnen Legitimität verschafft. Die am PRS-Prozess beteiligten zivilgesellschaftlichen Organisationen sind aber in der Regel eher professionelle akademische Institutionen oder Consultingfirmen, die sich ausschließlich über ihre Leistungsfähigkeit zur Lösung gesellschaftlicher Probleme legitimieren können, nicht aber über eine breite Mitgliederbasis. So erscheint eine erhebliche Kluft zu bestehen zwischen den tatsächlich im PRS-Prozess beteiligten Akteuren und den armen Bevölkerungsschichten. Dass die Armen selber häufig nicht durch die bestehenden parlamentarischen oder auch zivilgesellchaftlichen Institutionen repräsentiert sind, wird in Ghana als Problem gesehen. So benennt die Regierung die Probleme von "voicelessness" und "powerlessness" der Armen immerhin (GoG 2004, S.15, 106) - Ansätze, dies wirkungsvoll zu verändern, gibt es aber weder auf Seiten der Regierung noch auf Seiten der organisierten Zivilgesellschaft.

Handlungsfähigkeit gesellschaftlicher Akteure: Die Ressourcenbasis für zivilgesellschaftliche Organisationen ist insgesamt schwach. Wenig hauptamtliches Personal, eine viel zu knappe finanzielle Ausstattung, ein begrenzter Zugang zu Informationen - dies und anderes mehr beschränkt die Handlungsfähigkeit der Akteure. Dabei lassen sich noch drei Abstufungen erkennen: Einige internationale NGOs mit Büros in Accra (z.B. Care und ActionAid) sowie einige akademische Institute bzw. Consultingfirmen verfügen über eine relativ gute Ausstattung. Deutlich schlechter gestellt sind einheimische NRO und NRO-Netze, die zwar in den großen Städten präsent sind und sich gelegentlich an politischen Prozessen beteiligen, aber keine Ressourcenbasis für kontinuierliche Arbeit besitzen (das Netzwerk GAPVOD zählt z.B. dazu). Weitgehend begrenzt in ihrer Handlungsfähigkeit hinsichtlich politischer Prozesse sind die vielen kleinen ghanaischen Organisationen, die oft nur in einer lokalen Gemeinschaft verwurzelt sind und die keinerlei Ressourcenbasis haben, um sich an politischen Prozessen wie den PRS-Aktivitäten zu beteiligen.

5. Gesamtbewertung Zum Seitenanfang

Im Vergleich mit anderen afrikanischen Staaten hat der PRS-Prozess in Ghana eine erhebliche Dynamik entfaltet. Die Strategie ist ein wesentlicher Bezugsrahmen für die Politik der Regierung. Der Einfluss der Zivilgesellschaft ist jedoch bislang schwach - schwächer als in verschiedenen anderen afrikanischen Ländern wie z.B. Tansania, Uganda oder Sambia. Und dies, obwohl die rechtlichen wie auch allgemeinen politischen Rahmenbedingungen in Ghana einer zivilgesellschaftlichen Beteiligung deutliche Spielräume belassen. Diese werden aber nicht genutzt, was vor allem an der schwachen Netzwerkbildung zivilgesellschaftlicher Organisationen liegen dürfte. Hinzu kommt, dass die Regierung - im großen Einklang mit der Gebergemeinschaft - eine starke Ownership für den PRS-Prozess entwickelt hat und sich deshalb auch nur halbherzig darum bemüht, zivilgesellschaftliche Akteure in die Prozesse einzubinden. Dass die Geber - anders als in anderen Ländern - offenbar ebenfalls wenig Wert auf eine wachsende Beteiligung der Zivilgesellschaft legen, könnte damit zu tun haben, dass der Regierung eine armutsorientierte Politik zugetraut wird und ein zivilgesellschaftliches "Korrektiv" für nicht so wichtig erachtet wird wie in anderen Ländern. Dies wäre allerdings eine kurzsichtige Perspektive.

6. Service Zum Seitenanfang

6.1 Wichtige Dokumente

a. PRSP-Dokumente

Government of Ghana (GoG 2004): 2. Fortschrittsbericht / PRSP Progress Report
http://poverty2.forumone.com/files/Ghana_PRSP_APR.pdf

IMF / World Bank (2004): Joint Staff Assessment (JSA) of PRSP Progress Report
http://poverty2.forumone.com/files/Ghana_PRSP_APR_JSA.pdf

Government of Ghana (GoG 2003): 1. Fortschrittsbericht (für das Jahr 2002, von IWF und Weltbank nicht offiziell als Fortschrittsbericht angenommen)

Government of Ghana (GoG 2003a): Poverty Reduction Strategy Paper (PRSP)
http://poverty2.forumone.com/files/Ghana_PRSP.pdf

IMF / World Bank (2003): Joint Staff Assessment (JSA) of PRSP
http://poverty2.forumone.com/files/Ghana_PRSP_JSA.pdf

Government of Ghana (GoG 2003b): An Agenda for Growth and Prosperity. Ghana's Poverty Reduction Strategy 2003-2005. Monitoring and Evaluation Plan. Accra

Government of Ghana (GoG 2000): Interim Poverty Reduction Strategy Paper (I-PRSP)
http://poverty2.forumone.com/files/ghana%20iprsp.pdf

b. Weitere Dokumente

HIPC Completion Point Document
http://siteresources.worldbank.org/INTDEBTDEPT/CompletionPointDocuments/20250952/Ghana-E-Compl.pdf

World Bank: Country Assistance Strategy 2004-2007
http://siteresources.worldbank.org/GHANAEXTN/Resources/CASGhana.pdf

World Bank: Second Poverty Reduction Support Credit and Grant Project
http://www-wds.worldbank.org/servlet/WDSContentServer/WDSP/IB/2004/06/28/000012009_20040628172140/Rendered/PDF/2917702nd0corr.pdf

6.2 Literatur, Berichte und Analysen

Abugre, Charles, Integrated Social Development Center (ISODEC) (2001a):PRSP Monitoring and Information in Ghana
http://www.isodec.org.gh/Papers/prsp-monitoring-in-ghana.pdf

Abugre, Charles & Killick, Tony (2001b): Poverty-reducing Institutional Change and PRSP Processes: The Ghana Case, ODI London
http://www.isodec.org.gh/Papers/draft-final_report_prsp_in_ghana.pdf

Abugre, Charles & Killick, Tony: Institutionalising the PRSP approach in Ghana. In: Booth, David u.a. (Hrsg.) (2001c): PRSP Institutionalisation Study: Final Report, ODI London,
http://www.odi.org.uk/pppg/publications%5Cpapers_reports%5Cspa%5Cch3ghana.pdf

Buckle, Gilbert (2003): Do PRSP's Deliver? Ghana Case Study, o.O., Dezember.
http://www.wemos.nl/Prs/library/casestudy/Ghana_case_study.pdf

Cheru, Fantu (2002): The PRSP Process in Ghana, Second Meeting of the African Learning Group on the Poverty Reduction Strategy Papers, 18-22 November, Brussels, Belgium, Economic Commission for Africa.
http://www.uneca.org/prsp/docs/prsp_final/Ghana.PDF

Eberlei, Walter und Henn, Heike (2003): Parliaments in Sub-Saharan Africa: actors in poverty reduction?, Eschborn: GTZ, Dezember. (mit Beispielen aus Ghana)
http://inef.uni-duisburg.de/page/documents/Parliaments_(2003).pdf

Eberlei, Walter und Thomas Siebold (2002): Armutsbekämpfung in Afrika: Neue Ansätze oder alte Konzepte? INEF-Report Nr. 64/ 2002. Duisburg; mit Beispielen aus Burkina Faso, Ghana, Kenia und Sambia
http://inef.uni-duisburg.de/page/documents/report64.pdf?INEFSessID=a0fe6416de1bd0fc613d2193013d1df0

Foster, Mick und Zormelo, Douglas (2002): How, When and Why Does Poverty Get Budget Priority? Poverty Reduction Strategy and Public Expenditure Reform in Ghana, London: Overseas Development Institute (=ODI Working Paper, 164), April.
http://www.odi.org.uk/publications/wp164.pdf

Justitia et Pax (Hg.) (2004): Roter Faden Partizipation. Erklärungen und Untersuchungen zur Partizipationsorientierung der Poverty Reduction Strategy Prozesse und des Cotonou-Abkommens der AKP- und EU-Länder aus der Arbeit der Projektgruppe ‚Armenorientierung als entwicklungspolitische Strategie' 1999 - 2004, Bonn: Justitia et Pax (=Schriftenreihe Gerechtigkeit und Frieden, 105), Juli. (mit verschiedenen Bezugnahmen auf Ghana)
http://www.justitia-et-pax.de/justitia/dateien/Heft%20105.doc

McGee, Rosemary u.a. (2002): Assessing Participation in Poverty Reduction Strategy Papers: A Desk-Based Synthesis of Experience in Subsahara-Africa, (IDS Research Report, 52). Brighton
http://www.ids.ac.uk/ids/bookshop/rr/Rr52.pdf

Oxfam International (Hg.) (2004): From 'Donorship' to Ownership? Moving Towards PRSP Round Two, o.O. (=Oxfam Briefing Paper, 51). (Mit Ghana-Fallstudie)
http://www.oxfam.org.uk/what_we_do/issues/democracy_rights/downloads/bp51_prsp.pdf

Rodenberg, Birte (2001): Zur Integration von Gender in nationale Strategien zur Armutsbekämpfung. Das Beispiel Ghana, DIE (Gutachten und Berichte) Bonn.
http://www.die-gdi.de/die_homepage.nsf/6f3fa777ba64bd9ec12569cb00547f1b/2afbf571e27d95f3c1256e6e0059095e/$FILE/Rodenberg%20-%20Ghana.pdf

6.3 Links zu beteiligten Akteuren

Regierung und Parlament

Regierung
http://www.ghana.gov.gh/index.php
(Link ist nicht immer zugänglich, ggf. nach gescheitertem Versuch einen Tag später nochmals versuchen.)

Parlament
http://www.parliament.gh/

Zivilgesellschaft

Structural Adjustment Participatory Review International Network
http://www.saprin.org/ghana/ghana.htm

Ghana Association of Private Voluntary Organizations in Development (GAPVOD), NRO-Dachverband
http://www.gapvod.kabissa.org/

31st December, Women's Movement of Ghana
http://www.dec31.org.gh/

Action Aid Ghana
http://www.actionaidghana.org/

CARE
http://www.careusa.org/ (siehe dort Informationen zur Arbeit in Ghana)

Christian Rural Aid Network (CRAN Ghana)
http://www.cran.org/

Response Ghana, Projekte für Straßenkinder mit Links zu weiteren NGOs, die mit Straßenkindern arbeiten
http://www.geocities.com/responseghana/index.html

Friends of the Nation (FoN), Umweltorganisation
http://www.fonghana.20m.com/aboutus1.htm

AKUAPEM Development Foundation
http://www.kabissa.org/

Agricultural and Rural Development Association (ARA)
http://www.spinnenwerk.de/ara/ara2.htm

Human Rights Watch Ghana
http://hrw.org/doc/?t=africa&c=ghana

Integrated Social Development Centre (ISODEC)
http://www.isodec.org.gh/

Internetseite mit weiteren Links zu ghanaischen NRO
http://www.dmoz.org/Regional/Africa/Ghana/Society_and_Culture/

Daily Graphik (größte Tageszeitung)
http://www.graphicghana.com/

Third World Network Africa
http://www.twnafrica.org/

Center for Democratic Development
http://www.cddghana.org/

Social Enterprise Development (SEND) Foundation
http://www.sendfoundation.org/contact.htm

The Ark Foundation
http://www.arkfoundationgh.org/

Politische Parteien

National Democratic Congress - Die größte Oppositionspartei
http://www.ndc.org.gh/

New Patriotic Party (NPP) - Die regierende Partei
http://www.nppghana.com/
(Webseite wird zur Zeit überarbeitet)

Im Land aktive Geber / internationale Akteure

IMF
http://www.imf.org/external/country/GHA/index.htm

World Bank
http://www.worldbank.org/afr/ (' Countries)

UNDP
http://www.undp-gha.org/ (z.Z. keine spezifischen Informationen zu Ghana)

Verzeichnis von Entwicklungsorganisationen (national / international)
http://www.devdir.org/files/Ghana.PDF

6.4 Allgemeine Länderinformationen

Menschliche Entwicklung
UNDP-Index der menschlichen Entwicklung: Der UNDP-Index der menschlichen Entwicklung Ghanas liegt bei 0,568 und damit deutlich über dem Durchschnitt in Subsahara Afrika (0,465). Ghana liegt damit auf dem 131. von 177 Plätzen, deutlich vor den meisten anderen afrikanischen Staaten.
Siehe: http://hdr.undp.org/reports/global/2004/pdf/hdr04_HDI.pdf

Verschuldung
Erst die 2001 gewählte Regierung Kufour konnte sich entschließen, an der HIPC-Initiative teilzunehmen (die Vorgängerregierung war skeptisch und befürchtete mehr Nachteile als Vorteile). 2004 erreichte das Land den HIPC Completion Point und erhielt einen erheblichen Schuldenerlass. Für Details siehe:
http://web.worldbank.org/WBSITE/EXTERNAL/TOPICS/EXTDEBTDEPT/....html

Unter http://www.eldis.org/africa/index.htm findet sich eine Liste mit ELDIS-Länderinformationen. Auf der jeweiligen Startseite können weitere Länderprofile, z.B. des CIA, IWF oder auch von UN-Organisationen angesteuert werden.

Ein weiterer Index mit zahlreichen Links kann hier eingesehen werden:
http://www-sul.stanford.edu/depts/ssrg/africa/guide3.html

Zahlreiche aktuelle Nachrichten über Ghana:
http://ghanareview.com/review/

6.5 Allgemeine Links, die auch Informationen zum Land bieten

Europäisches NGO-Netzwerk zur Entschuldung
http://www.eurodad.org/

Deutsche Entschuldungskampagne
http://www.erlassjahr.de

Internationaler Währungsfonds
http://www.imf.org/external/country/GHA/index.htm

UNDP
http://www.undp-gha.org/

UN Statistiken
http://unstats.un.org/unsd/

Weltbank
http://www.worldbank.org/

Weltbank Statistiken
http://www.worldbank.org/data/countrydata/countrydata.html
http://www4.worldbank.org/afr/poverty/databank/default.cfm

 


Verfasser: Dr. Walter Eberlei
Stand: April 2005
PRSP-Watch © INEF / VENRO, 2005

Basis des vorliegenden Profils sind die im Anhang aufgeführten schriftlichen Quellen
sowie eine Reihe von Interviews, die der Verfasser im April 2005 in Ghana führte.

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