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Zusammenfassung Die Akteure:
Wer ist beteiligt?
Die Prozesse:
Wann und wie wird beteiligt?
Die Rahmenbedingungen: Was fördert / behindert wirkungsvolle Beteiligung? Gesamtbewertung Service

Gambia

 
Gambia GAMBIA
 
1. Zusammenfassung Zum Seitenanfang

Der PRS-Prozess in Gambia knüpft an die erste Strategie zur Armutsbekämpfung aus dem Jahr 1994 (Strategy for Poverty Alleviation - SPA I) an, die schon unter Beteiligung der Zivilgesellschaft erstellt wurde.
Bereits im Oktober 2000 präsentierte die Regierung von Gambia ihr Interim-PRSP (I-PRSP) und im April 2002 das Full-PRSP (SPA II), das mit deutlich erkennbarer zivilgesellschaftlicher Beteiligung erstellt wurde. Gambias erster Fortschrittsbericht (PRSP / SPA II - Annual Progress Report) wurde im Oktober 2004 veröffentlicht. Er nimmt Bezug auf die ersten 18 Monate der SPA II-Implementierung von Juli 2002 bis Dezember 2003.
Über die Intensität der zivilgesellschaftlichen Einbeziehung in den einzelnen Phasen existieren nur wenige unabhängige Stellungnahmen. Den verfügbaren Informationen zu Folge wurden zivilgesellschaftliche Vertreter in allen bislang durchlaufenen Phasen (auch im Kontext der I-PRSP-Erstellung), meist über die Teilnahme an Workshops, einbezogen. Hinsichtlich zivilgesellschaftlicher Partizipation im gambischen PRS-Prozess ist interessant, dass eine vom NRO-Dachverband TANGO partizipativ erarbeitete Evaluation der ersten Armutsstrategie aus den 1990er Jahren als eine wesentliche Grundlage für die Erstellung des PRSP verwendet wurde.
Obgleich noch erheblicher Spielraum für die Regierung besteht, die Partizipationsmöglichkeiten weiter auszubauen und zu institutionalisieren, ist in der Prozess-Rückschau eine Verbesserung der Beteiligungsmöglichkeiten der zivilgesellschaftlichen Akteure festzustellen.

2. Die Akteure: Wer ist beteiligt? Zum Seitenanfang

2.1 Staatliche Institutionen: Regierung und Parlament
Verantwortlich für den PRS-Prozess in Gambia ist das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft (Department of State for Finance and Economic Affairs - DOSEFA) unter der Leitung des Ständigen Sekretariats. Von DOSEFA wiederum wurde das Strategy for Poverty Alleviation Coordination Office (SPACO) für die Koordinierung und Durchführung des Konsultationsprozesses eingerichtet, in dem auch NRO vertreten sind. Alle am PRS-Prozess partizipierenden nationalen Agenturen sind aufgefordert, einen permanenten Dialog mit SPACO aufrecht zu erhalten.
Zwecks effektiver Koordination der Monitoringprozesse wurde ein organisatorischer Rahmen geschaffen, in dem das so genannte High Level Economic Committee (HILEC) die Leitlinien für institutionelle Beratung und politische Führung in der Implementierung festlegt. Den Vorsitz des HILIC hat der Vizepräsident. Dem Komitee obliegt auch, dem Kabinett über Fortschritte bei der Umsetzung der PRS zu berichten.
Darüber hinaus wurden zur Beaufsichtigung des Implementierungsprozesses weitere Institutionen geschaffen. Das abteilungsübergreifende Steuerungskomitee (Inter-Departmental Steering Committee - IDSC), welches der Abteilung des Finanz- und Wirtschaftsministeriums untersteht, ist seit 2004 damit betraut, einen adäquaten Informationsfluss zwischen den Regierungsabteilungen zu gewährleisten. Weiterhin wurden weitere Arbeitsgruppen zu spezifischen Themenschwerpunkten gegründet (Koordination der Implementierung; Koordinierung der Hilfe, Planung und Budgetierung; Partizipation und partizipativen Prozessen; Monitoring und Evaluierung). Neben der Überwachung der laufenden Implementierung koordinieren die thematischen Arbeitsgruppen die Aktivitäten des Armutsmonitoring im Rahmen ihres spezifischen Bereiches und leisten u.a. einen Beitrag zu den halbjährlichen PRS-Reporten.
Die Regierungsagentur NGO Affairs, die für die Registrierung, Koordinierung, das Monitoring und die Evaluierung von NRO-Aktivitäten zuständig ist, ist politisch gehalten, ein für die Zivilgesellschaft förderliches Klima zu schaffen, so dass die Basisarbeit der NRO gemäß der in dem PRSP festgeschriebenen Ziele reibungslos verlaufen kann.
Das Parlament scheint eher spärlich in den PRS-Prozess involviert zu sein: Das Parlament als Institution war an der Erstellung des PRSP nach vorliegenden Informationen nicht beteiligt (Eberlei / Henn 2003, S. 18). Allerdings sind einzelne Parlamentsmitglieder seither bspw. in der SPA Stakeholder Monitoring Group vertreten.

2.2 Zivilgesellschaft
In Gambia werden zivilgesellschaftliche Repräsentanten (NRO, NRO-Dachverbände, Wissenschaftler, Gewerkschaften, Religionsgemeinschaften, Medien, Jugendverbände und Selbsthilfeorganisationen) seit Einführung der PRS in den Prozess einbezogen.
Besonders hervor zu heben ist in diesem Kontext der NRO-Dachverband TANGO (The Association of Non-Governmental Organisations). TANGO und seine 62 nationalen und internationalen NRO-Mitgliedsorganisationen engagieren sich im Bereich Landwirtschaft und zur Erhöhung der Lebensstandards von armen und marginalisierten Bevölkerungsgruppen Gambias.
IMF / IDA gehen davon aus, dass das gambische PRSP die Position vieler Interessensgruppen widerspiegelt. Ihrer Einschätzung nach ist das Partizipationskonzept Gambias angemessen entwickelt und geht über eine reine Informationsbündelung hinaus. Es sei zur Übernahme von Verantwortung, zum Empowerment und gemeinsamer Entscheidungsfindung geeignet (IMF / IDA 2002, S. 3).
Dass sich die Teilhabemöglichkeiten der Akteure inzwischen im Vergleich zu früheren Prozessen erkennbar verbessert haben, wird auch durch eine wissenschaftliche Studie von Falk und Eberlei (2003) attestiert (Falk / Eberlei 2003, S. 8).
Allerdings wird seitens der Planning Unite of the Ministry of Education und EFA Campaign Network angeführt, die zivilgesellschaftlichen Organisationen Gambias seien eher schwach entwickelt (vor allem in den Bereichen Politik und Anwaltschaft). Ihnen wird nachgesagt, eine starke Affinität für Basisprogramme zu haben und sich überwiegend auf die Erbringung von Dienst- und Unterstützungsleistungen zu konzentrieren. Die TANGO Mitgliedsorganisationen seien untereinander schlecht vernetzt, und ebenso stelle sich dies in Bezug auf die einzelnen Mitglieder und das Sekretariat dar (Planning Unite of the Ministry of Education / EFA Campaign Network 2003, S. 3).
Im Zuge der Thematisierung von Schwächen zivilgesellschaftlicher Organisationen darf jedoch nicht übersehen werden, dass zivilgesellschaftliches Engagement in Gambia mitunter ein existentielles Risiko darstellen kann: Das Auswärtige Amt weist auf die Ermordung des bekannten regionalen Journalisten Deyda Hydara im Dezember 2004 hin. Dieser wurde getötet, nachdem er ein neues Mediengesetz angeprangert hatte, dem zu Folge Journalisten für das Schreiben eines "verleumderischen Artikels" zu einer Haftstrafe von mindestens sechs Monaten verurteilt werden können. Der Umstand seines Todes wurde bislang nicht aufgeklärt (Auswärtiges Amt 2005; Wikipedia 2005).

2.3 Weitere gambische Akteure
Auch Vertreter des Öffentlichen Sektors und des Privatsektors sind in Gambias PRS-Prozess einbezogen. Sie haben sich z.B. an den partizipativen Prozessen zur Erstellung des Fortschrittsberichts eingebracht.

2.4 Externe Akteure / Geber
Die gambische Regierung hat im Kontext der Umsetzung des PRSP mit etlichen Entwicklungspartnern zusammengearbeitet. Zu den bedeutendsten zählen bspw. die African Development Bank (AfDB), das Department for International Development (DFID), die Europäische Union (EU), die International Development Association (IDA), der International Monetary Fund (IMF), mehrere UN-Agenturen.
Besonders engagiert zeigt sich die UN-Organisation UNFPA (United Nations Population Fund, ursprünglich United Nations Fund for Population Activities). UNFPA war Mitglied der National Task Force, einer hoch entwickelten Dachorganisation, die die Erstellung des I-PRSP und des PRSP zusammen mit dem Strategy for Poverty Alleviation Coordination Office (SPACO) leitete. UNFPA partizipiert inzwischen aktiv an der SPA Stakeholders Monitoring Group, die ebenfalls mit SPACO zur Evaluierung des laufenden Prozesses kooperiert. UNFPA nimmt ferner an der Entwicklung des Poverty Reduction Dialogue Forums (PRDF) teil (UNFPA o.J., o.S.), dessen Implementierung bereits im 2002er Regierungsdokument (PRSP) angekündigt wurde. IMF / IDA fordern dies bereits ein (IMF / IDA 2005, S. 6).
Im September 2002 fand in Genf eine Konferenz der gambischen Regierung und ihren Entwicklungspartnern statt, die sich mit dem Programm und der sich aus dem PRSP ergebenden erforderlichen technischen Unterstützung befasste. Die Gebergemeinschaft sicherte in diesem Kontext umfassende Hilfe zu. Darüber hinaus hat es weitere ausgedehnte Treffen mit Partnern gegeben - die Partner werden hier allerdings nicht näher benannt (The Republic of the Gambia 2004, S. 8f.).

3. Die Prozesse: Wann und wie wird beteiligt? Zum Seitenanfang

3.1 Partizipation in Analyse und Strategieentwicklung
Im Rahmen der Erstellung des I-PRSP wurden in allen sechs Verwaltungsbezirken jeweils sechs Workshops durchgeführt. Seitens der Zivilgesellschaft nahmen Vertreter von Basisorganisationen, Frauenräten, Jugendorganisationen und Dorfentwicklungskomitees teil (The Gambia PRSP Team 2001, S. 3f.).
Der Konsultationsprozess zum PRSP (SPA II) wurde mit einem nationalen Workshop im November 2000 eröffnet, in dessen Rahmen das I-PRSP veröffentlicht wurde. Basis des PRSP ist eine partizipative Evaluation der Strategy for Poverty Alleviation (SPA I) aus dem Jahr 1994, die vom NRO-Verband TANGO durchgeführt wurde. TANGO organisierte im Mai 2001 im ganzen Land Fokusgruppendiskussionen und veröffentlichte die Ergebnisse im Bericht "Assessment of SPA I" (The Republic of the Gambia 2002, S. 8, 73). TANGO konsultierte in der Folgezeit NRO und führte in allen sechs Verwaltungsbezirken Workshops durch, an denen insgesamt 6.000 Menschen teilnahmen. Ziel dieser Konsultationen war der Abgleich zwischen der Kritik an SPA I und den Vorschlägen für SPA II. In einer dritten Runde wurden dann Konsultationen auf Sektorebenen organisiert, die stärker lösungsorientiert waren. Die Regierung bildete in dieser Zeit 35 Moderatoren aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen in der Methode des Strategic Planning Process (SPP) aus. Von Oktober bis Dezember 2001 leiteten diese 20 Diskussionsgruppen, an denen fast 900 Menschen teilnahmen. Insgesamt wurden laut PRSP einfache Bürger, NRO, Basisorganisationen, Presse, Gewerkschaften, religiöse Repräsentanten, Ältestenvertreter, Jugend- und Frauengruppen, Menschenrechtsinstitutionen, Vertreter des Privatsektors sowie Landwirtschaftsverbände am PRS-Prozess beteiligt. Zur weiteren Institutionalisierung von Partizipation plant die Regierung die Entwicklung von Instrumenten zur Beteiligung der Zivilgesellschaft an der Prioritätensetzung und Analyse des Budgets sowie am Monitoring der Qualität des öffentlichen Sektors. Dazu hat das Finanzministerium in 2001 bereits drei Workshops durchgeführt. Weiterhin soll ein Poverty Reduction Dialogue Forum (PRDF) als regelmäßiges Diskussionsforum gegründet werden.
Unabhängige Stellungnahmen zum PRSP und dem Partizipationsprozess liegen bisher kaum vor. NRO kritisieren laut PRSP insbesondere, dass sie nicht zu makroökonomischen Themen konsultiert wurden (The Republic of the Gambia 2002, S. 73).
Nach Regierungsangabe wurden als Ergebnis der Konsultationen Strategien und Perspektiven im Bezug auf die übergreifenden Themen Gender, Ernährung, Bevölkerung, HIV / Aids, Wasser und Abwassersystem, in das PRSP integriert. Diese Integration wurde zuvor von IMF / IDA eingefordert: "Feedback from national stakeholder workshop still needs to be incorporated into the document" (IMF / IDA 2002, S. 1). Auch von zivilgesellschaftlichen Repräsentanten erntete die Regierung in diesem Punkt bereits Kritik. In einem Artikel der Zeitschrift für Entwicklung und Zusammenarbeit (E+Z) wird diesbezüglich konstatiert: "Ob in Gambia, Malawi oder Sambia: In vielen Ländern klagen Vertreter der Zivilgesellschaft, dass ihre Beiträge, in denen auf die Lebensumstände und Benachteiligungen von Frauen eingegangen wird, keinen Eingang in die Papiere finden" (Rodenberg in: Zeitschrift für Entwicklung und Zusammenarbeit (E+Z) vom 02/04).
IMF / IDA loben die qualitativ gute Armutsanalyse des PRSP. Allerdings seien Genderaspekte zu schwach ausgearbeitet, insbesondere das Thema des Zugangs zu Landbesitz für Frauen. Weiterhin seien detailliertere Ausarbeitungen zu Umwelt- und Dezentralisierungsfragen nötig (IMF / IDA 2002, S. 2, 4, 9).

3.2 Partizipation in der Implementierung der PRS
Grundvoraussetzung für eine wirkungsvolle Beteiligung in der Umsetzungsphase ist zunächst die umfassende Verbreitung der Strategie und ihres Umsetzungsstands.
Zur Unterrichtung der Partner über die Inhalte der Strategie hat die Regierung Veranstaltungen organisiert, die laut Strategy For Poverty Alleviation Co-Ordination Office (SPACO) umfassender Natur waren. Ferner heißt es im Regierungspapier, der Fortschrittsbericht habe regionale Interessensgruppen und Partner über alle Themenbereiche im Kontext der Implementierung informiert. Sering Falu Njie von SPACO verweist zudem darauf, dass vereinfachte Versionen des PRSP angefertigt wurden (Sering Falu Njie / SPACO o.J., S. 3) - in welchen Sprachen diese publiziert wurden bleibt allerdings offen.
IMF / IDA scheinen die Anstrengungen in diesem Bereich nicht für ausreichend zu erachten. In ihrer Stellungnahme zum Fortschrittsbericht merken sie an: "The next steps should include wide public dissemination of the APR, including through regional workshops, and its submission to the national assembly" (IMF / IDA 2005, S. 2).
Auch seitens der Regierungsorganisation SPACO (s. dazu 2.1) wird eingeräumt, es seien noch erhebliche Bemühungen notwendig, um dem Dialog entsprechenden Raum zu gewähren. Vor allem sei der unzureichende Dialog mit den Linienministerien im Hinblick auf die Stärkung von ownership zu kritisieren. Schließlich seien gerade diese Institutionen elementar für die Implementierung der wichtigsten Aktionen (Sering Falu Njie o.J., S. 5).
Positiv zu bewerten ist, dass die Regierung im Rahmen der Beratungen über den Regierungshaushalt 2002 einen offenen Konsultationsprozess im Bereich öffentlicher Ausgaben eingeführt und gemäß dem ersten Fortschrittsbericht weiter ausgebaut hat. Dieser Prozess bezieht sowohl gesellschaftliche Gruppen, lokale Gemeinden als auch Gemeindeverwaltungen in die Budgetformulierung und -vergabeüberlegungen mit ein. Im Kontext der so genannte DOSFEA-Initiative zu Budget-Konsultationen wurden die Sektorministerien explizit aufgefordert, ihre Budget- und Mittelvergabepläne noch vor der Vorlage bei der Abteilung des Finanz- und Wirtschaftsministeriums mit Interessensvertretern (Versorgungsempfängern, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Gebern) zu diskutieren.
Ferner weist die Regierung darauf hin, im Sinne des angestrebten Ausbaus der Dezentralisierung ein neues Gemeindeverwaltungssystem eingeführt zu haben. Die beiden Dokumente (the local government Act 2002 und the local government Finance and Audit Act 2004), die den Weg für diese Umstrukturierung ebneten, wurden auf der Grundlage umfassender Konsultationen mit allen Bereichen der gambischen Gesellschaft formuliert. In dem neu etablierten System kommt den Bezirksräten, in denen Interessensvertreter eingebunden sind, nach Regierungsaussage eine wichtige Rolle zu (The Republic of the Gambia 2004, S. 42). Erläuterungen zu den zu erfüllenden Aufgaben bleiben hier ebenso aus wie hinsichtlich deren Relevanz.

3.3 Partizipation in Monitoring und Evaluierung (M&E)
Geleitet wurde der M&E-Entwicklungsprozess von der Monitoring- und Evaluierungsarbeitsgruppe, die sich mehrfach zur Bewertung der Monitoring- und Evaluierungsstrategieentwürfe zusammengefunden hat. Neben dieser Arbeitsgruppe hat sich bislang lediglich eine weitere Gruppe als besonders aktiv hervor getan: Die Arbeitsgruppe zu Partizipation und partizipativen Prozessen hat die thematisch unterteilten Workshops geleitet.
Im Einzelnen setzt sich die SPA Stakeholder Monitoring Group aus Repräsentanten der Gebergemeinschaft, zivilgesellschaftlichen Vertretern, Wissenschaftlern, Medienvertretern,
Akademikern, Repräsentanten der Zentralregierung und der Gemeindeverwaltung, Parlamentariern, Interessensvertretern der Industrie sowie von Organisationen, die sich explizit für die Belange von Armen einsetzen, zusammen (Schnell 2003, S. 20).
Der Fortschrittsbericht wurde basierend auf Konsultationen mit Vertretern des Öffentlichen Sektors, des Privatsektors und der Zivilgesellschaft angefertigt (IMF / IDA 2005, S. 2).

3.4 Partizipation in der Überarbeitung der Strategien (Review)
Der theoretisch drei Jahre nach Vorlage des PRSP fällige Review-Prozess zur Überarbeitung der Strategie hat in Gambia noch nicht begonnen. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird die gambische Regierung den angestrebten Zeitplan nicht einhalten, da ihr erster Fortschrittsbericht bereits eine sechsmonatige Verzögerung aufweist. Über eine Beteiligung der Zivilgesellschaft im Rahmen der bevorstehenden Prozesse ist bislang noch nichts bekannt.

4. Die Rahmenbedingungen: Was fördert / behindert wirkungsvolle Beteiligung? Zum Seitenanfang

4.1 Strukturelle Verankerung gesellschaftlicher Partizipation
Die Institutionalisierung von Partizipation wurde im bisherigen Prozess z.B. durch die Ausbildung von Moderatoren aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen in der Methode des Strategic Planning Process (SPP), die Entwicklung von Instrumenten zur Beteiligung der Zivilgesellschaft an der Prioritätensetzung und Analyse des Budgets sowie am Monitoring der Qualität des öffentlichen Sektors und die Installierung der thematischen Arbeitsgruppen vorangetrieben.
Nichts desto trotz ist Gambia weiterhin zentralistisch organisiert. Der 2004er Fortschrittsbericht weist auf Verzögerungen des Dezentralisierungsprozesses hin, die auch von IMF / IDA moniert werden (The Republic of the Gambia 2004, S. 9; IMF / IDA 2005, S. 6).

4.2 Rechtliche Basis partizipativer Prozesse
Erst die Garantie einiger grundlegender Rechte und Sicherheiten (wie Meinungs- und Pressefreiheit, die Akzeptanz von Grundsätzen der Gewaltenteilung, etc.) erlaubt das Zustandekommen nachhaltig wirksamer Partizipation. Diese Bedingungen sind in Gambia nur unzureichend gegeben. Nach Einschätzung des Auswärtigen Amtes bedarf (2005) die Wahrung der Menschenrechte in Gambia ebenso wie die Frage der guten Regierungsführung im Sinne von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie nach wie vor der genauen Beobachtung. Das System der Gewaltenteilung ist unzureichend ausgeprägt. Entsprechend bestehen seitens der Exekutive Tendenzen, individuelle Freiheitsrechte und die Unabhängigkeit der Justiz zu beschränken. Verwiesen wird auf Diskriminierung und Einschüchterung der Opposition im Kontext der letzten Wahlen und auf Beschneidungen der Pressefreiheit (Auswärtiges Amt 2005).

4.3 Legitimität beteiligter zivilgesellschaftlicher Akteure
Der hohe Anteil nationaler NRO an der Gesamtheit der TANGO-Mitgliedsorganisationen spricht für eine breite Vertretung der Zivilgesellschaft. Auch die dezentralen Standorte der einzelnen Organisationen sind hinsichtlich der Legitimität positiv zu bewerten (TANGO NRO Directory o.J., o.S.). Weiter gestärkt würde die Legitimität durch die Einrichtung des Poverty Reduction Dialog Forum (PRDF).
Mit einem verstärkten Engagement der NRO im konzeptionellen und politischen Bereich kämen diese dem an sie gerichteten Anspruch nach, die zivilgesellschaftliche Perspektive deutlicher in die politische Debatte einzubringen.
Das Parlament als demokratisch gewählte Volksvertretung wäre naturgegebener Maßen legitimiert, sich in den PRS-Prozess einzubringen. In Anbetracht der bislang eher spärlichen Beteiligung sind hier Defizite auszugleichen.

4.4 Handlungsfähigkeit gesellschaftlicher Akteure
Die zuvor angeführten organisatorischen Schwächen der zivilgesellschaftlichen Organisationen (s. dazu Punkt 2.2) bedingen gleichsam eine eingeschränkte Handlungsfähigkeit ihrer Mitglieder. So ist eine schlechte Vernetzung, wie sie den TANGO-Mitgliedsorganisationen zumindest von der Planning Unite of the Ministry of Education und dem EFA Campaign Network attestiert wird, gleichbedeutend mit einem Informationsmangel der Mitglieder der einzelnen NRO. Die Kenntnis aktueller politischer Vorhaben und aller relevanten inhaltlichen Aspekte ist für diese jedoch elementar, um wirkungsvoll partizipieren zu können. Hier sind die NRO aufgerufen, ihre internen Mechanismen und die Zusammenarbeit untereinander weiter zu optimieren. Positiv ist in diesem Kontext heraus zu stellen, dass TANGO für Mitglieder bereits Angebote zur Stärkung der Handlungsfähigkeit durchgeführt hat.
Die Handlungsfähigkeit hängt grundsätzlich auch stark vom Handlungsspielraum und den Rahmenbedingungen ab. Dem eingeforderten politischen Engagement der NRO wiederum steht die latente Gefahr für Kritiker gegenüber (s. dazu Punkt 2.2). Hieraus ergibt sich die Forderung an die Regierung, die notwendigen Voraussetzungen für die Partizipation weiter zu verbessern.

5. Gesamtbewertung Zum Seitenanfang

Positiv zu bewerten ist, dass sich die Teilhabemöglichkeiten der Akteure im Vergleich zu früheren Prozessen inzwischen verbessert haben. Vor allem die Entwicklung und Einführung von Instrumenten zur Beteiligung zivilgesellschaftlicher Akteure an der Prioritätensetzung und Analyse des Budgets sind im Sinne des Ausbaus partizipativer Institutionalisierung hoch zu bewerten.
Bedauerlich ist in diesem Kontext hingegen, dass die geplante Implementierung des Poverty Reduction Dialogue Forum (PRDF), die bereits 2002 im PRSP festgeschrieben wurde, gegenwärtig (2006) noch nicht umgesetzt ist. Dieses Forum hätte die Institutionalisierung der Partizipation und somit die Teilhabemöglichkeiten weiter ausgebaut.
Auch das neu eingeführte Mediengesetz (s. unter Punkt 2.2) muss zweifelsohne als Hemmnis für partizipatives Engagement eingestuft werden.

6. Service Zum Seitenanfang

6.1 Statistik

a. Entwicklungsstand

Allgemeine Indikatoren
Mit einer Population von etwa 1,4 Millionen Menschen, ist Gambia das kleinste Land des afrikanischen Kontinents.

"Freedom in the World" country ratings (Freedom House) (2004)
http://www.freedomhouse.org/research/freeworld/2004/countryratings/gambia.htm
"Partly free"
Index of Economic Freedom (Wall Street Journal / Heritage Foundation) (2005)
http://www.heritage.org/research/features/index/countryFiles/Gambia.pdf
Rang 106 von 155
"Mostly Unfree"
Worldwide Press Freedom Index (Reporters without Boarders) (2004)
http://www.rsf.org/article.php3?id_article=11715
Rang 98 von167

Armut
Der HDI-Index der menschlichen Entwicklung liegt bei 0.470. Gambia befindet sich damit auf dem 155. von 177 Plätzen.
Das Pro-Kopf-Einkommen umfasste 2003 278 US $.

Human Development Index (UNDP) (2003)
http://hdr.undp.org/statistics/data/countries.cfm?c=GMB

Im Hinblick auf die Erreichung der Millennium Development Goals (MDGs) muss inzwischen (2005) davon ausgegangen werden, dass Gambia die Halbierung der absoluten Armut (auf 38%) bis 2015 nicht erreichen, sondern die Zielvorgabe voraussichtlich weit verfehlen wird (The Republic of the Gambia 2004, S. 12).

b. Verschuldung
Die Auslandsverschuldung von Gambia lag 2003 bei 265.0 Millionen US $ und ist im Jahr 2004 auf 334.6 Millionen US $ angestiegen (World Development Indicators 2005).
http://devdata.worldbank.org/external/CPProfile.asp?PTYPE=CP&CCODE=GMB

Europäisches NGO-Netzwerk zur Entschuldung
http://www.eurodad.org/workareas/default.aspx?id=71 [Stand 09.2003]

Internationaler Währungsfonds
http://www.imf.org/external/np/prsp/prsp.asp [Stand 09.2003]

Weltbank
http://www.worldbank.org/hipc/country-cases/country-cases.html [Stand 09.2003]

Pariser Club
http://www.clubdeparis.org/en/countries/countries.php [Stand 09.2003]

Deutsche Erlassjahrkampagne
http://www.erlassjahr.de [Stand 09.2003]

Schuldenerlass
Im Dezember 2000 passierte Gambia den decision point der erweiterten HIPC-Initiative. Dem Land wurde ein Schuldenerlass von insgesamt 27 Prozent seiner Auslandsschulden zugesagt. Sein Schuldendienst soll damit bis zum Jahr 2005 um 43 Prozent und von 2006 bis 2015 um 25 Prozent verringert werden. Die IDA will mit insgesamt 32 Millionen US-Dollar über einen Zeitraum von 12 Jahren die Hälfte des fälligen Schuldendienstes erlassen. Der IWF wird 3 Millionen US-Dollar innerhalb eines Zeitraums von 9 Jahren erlassen.

6.2 Wichtige Dokumente

a. PRSP-Dokumente

IMF / IDA (2005): The Gambia. Poverty Reduction Strategy Paper - Annual Progress Report. Joint Staff Advisory Note. http://siteresources.worldbank.org/INTPRS1/Resources/Gambia_APR2_JSAN(April22-2005).pdf [Stand 31.01.2006]

Government of Gambia / Department of State for Finance and Economic Affairs (2004): PRSP / SPA II - Annual Progress Report.
http://siteresources.worldbank.org/INTPRS1/Resources/Gambia_APR2-PRSP(Dec2003).pdf [Stand 21.12.2005]

IMF / IDA (2002): Poverty Reduction Strategy Paper. Joint Staff Assessment.
http://povlibrary.worldbank.org/files/GambiaPRSPJSA.pdf [Stand 03.01.2006]

The Republic of the Gambia / Department of State for Finance and Economic Affairs (2002): Strategy for Poverty Alleviation (SPA II) (PRSP).
http://povlibrary.worldbank.org/files/12016_GambiaPRSP.pdf [Stand 21.12.2005]

IMF / IDA (2001): Joint Staff Assessment of the PRSP Preparation Status Report.
http://povlibrary.worldbank.org/files/Gambia_JSA_of_PRSP_Status_Report.PDF [Stand 03.01.2006]

The Republic of the Gambia / Department of State for Finance and Economic Affairs (2001): Status Report on Completition of full PRSP for the Gambia.
http://povlibrary.worldbank.org/files/Gambia_PRSP_Status_Report.PDF [Stand 03.01.2006]

The Republic of the Gambia / Department of State for Finance and Economic Affairs (2000): Interim Strategy for Poverty Alleviation II (Interim - SPA II)
http://povlibrary.worldbank.org/files/gambia%20iprsp.pdf [Stand 03.01.2006]

b. Geberdokumente

World Bank (o.J.): The PRSP Process in The Gambia.
http://info.worldbank.org/etools/docs/library/96260/gambiaprspprocess.pdf [Stand 02.02.2006]

6.3 Literatur, Berichte und Analysen

a. Publikationen die sich mit den PRSP befassen

Eberlei, Walter (2001): Institutionalisierte Partizipation in PRS-Folgeprozessen. Studie im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ).
http://inef.uni-duisburg.de/page/documents/Eberlei_(2001)_-_Partizipation_(dt.).pdf [Stand 24.01.2006]

Eberlei, Walter / Führmann, Bettina (2004): Die Bekämpfung von Armut und Korruption. Zur Verankerung von Korruptionsbekämpfung in den PRS-Analyse und Empfehlungen für die Entwicklungszusammenarbeit. GTZ-Studie im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Eschborn.
http://www.gtz.de/de/dokumente/de-korruption-und-armut.pdf [Stand 11.01.2006]

Eberlei, Walter / Henn, Heike (2003): Parlamente in Subsahara Afrika: Akteure der Armutsbekämpfung? Studie im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Eschborn.
http://www.gtz.de/de/dokumente/de-parlamente-akteure-armutsbekaempfung-2003.pdf [Stand 11.01.2006]

Falk, Gertrud / Eberlei, Walter (2003): Beteiligung der Zivilgesellschaft an PRS-Prozessen: Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander. Beitrag in: VENRO (Hrsg.): PRSP - Chancen und Grenzen zivilgesellschaftlicher Beteiligung. Bonn / Berlin.
http://www.2015.venro.org/publikationen/dokumente/prsp/prsp.pdf [Stand 18.01.2006]

Schnell Sabine (GTZ) (2003): Partizipation in Monitoring and Evaluation of PRSPs. A Document Review of Trends and Approaches Emerging from 21 Full PRSPs. The Participation and Civic Engagement Group / Social Development Department - The World Bank (Hrsg.).
http://www.ideas-int.org/Documents/DraftPMEPRSPReviewMarch03.pdf [Stand 19.01.2006]

Sering Falu Njie / (SPACO) (o. J.): Overview of PRSP Formulation and Implementation in the Gambia.
http://info.worldbank.org/etools/docs/library/152791/May2a_Njie.ppt [Stand 01.02.2006]

The Gambia PRSP Team (2001): The PRSP Process in the Gambia, Vortrag gehalten beim "African Forum on Poverty Reduction Strategies" vom 10.-13. September 2001 in Dakar http://www.worldbank.org/wbi/attackingpoverty/activities/gambiaprspprocess.pdf [Stand 09.2003]

Rodenberg, Birte (2004) in: Zeitschrift für Entwicklung und Zusammenarbeit (E+Z) vom 02.04: Armutsbekämpfung muss ohne Beteiligung von Frauen scheitern.
http://www.inwent.org/E+Z/content/archiv-ger/02-2004/an-art4.html [Stand 15.01.2006]

6.4 Links zu beteiligten Akteuren

a. Zivilgesellschaft

Liste mit Links zu NRO und internationalen Organisationen in Gambia
http://gambianet.com/visitgambia/html/ngo.html [Stand 09.2003]

The Internet Society Gambia Chapter
http://www.isoc.gm/ [Stand 09.2003]

Familiy Care Gambia
http://familycare.gambianews.com/ [Stand 09.2003]

TANGO NRO Directory
http://www.africanculture.dk/gambia/ngo_toc.htm [Stand 07.02.2006]

TANGO, Verband gambischer NRO
Kontakt: tango@qanet.gm [Stand 09.2003]

Catholic Relief Service
http://www.catholicrelief.org/where_we_work/africa/the_gambia/ [Stand 09.2003]

FORUT, norwegische Entwicklungs-NRO mit Projekten in Gambia
http://www.forut.no/ [Stand 09.2003]

b. Geber / Internationale Akteure

AidHarmonization
http://www.aidharmonization.org/donors/ah-browser/index?advanced_view_p=f&reg_cnt=gm&btnSubmit=Go [Stand 24.01.2006]

Europäisches NGO-Netzwerk zur Entschuldung
http://www.eurodad.org/workareas/default.aspx?id=74 [Stand 09.2003]

Internationaler Währungsfonds
http://www.imf.org/external/np/prsp/prsp/asp [Stand 08.02.2006]

Pariser Club
http://www.clubdeparis.org

Weltbank
http://www.worldbank.org/hipc/country-cases/country-cases.html [Stand 08.02.2006]
http://www.worldbank.org/poverty/strategies/index.htm [Stand 08.02.2006]

6.5 Allgemeine Links die zusätzliche länderspezifische Informationen bereitstellen

Auswärtiges Amt
http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?type_id=10&land_id=48
[Stand 11.01.2006]

European Network on Debt and Development (Eurodad)
http://www.eurodad.org [Stand 18.01.2006]

Planning Unite of the Ministry of Education / EFA Campaign Network (2003): The Gambia in brief.
http://www.commonwealtheducationfund.org/gambia.html [Stand 18.01.2006]

Wikipedia
http://www.wikipedia.org/wiki/Gambia#Politik [Stand 24.01.2006]

World Bank - country brief (2005)
http://web.worldbank.org/WBSITE/...PK:351626,00.html [Stand 07.02.2006]

 

Verfasserin: Nina Schröder
Email: nina.schroeder@fh-duesseldorf.de
Stand: Februar 2006
PRSP-Watch © VENRO und Fachhochschule Düsseldorf
(Forschungsstelle Dritte Welt; Leitung: Prof. Dr. Walter Eberlei)


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