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Zusammenfassung Die Akteure:
Wer ist beteiligt?
Die Prozesse:
Wann und wie wird beteiligt?
Die Rahmenbedingungen: Was fördert / behindert wirkungsvolle Beteiligung? Gesamtbewertung Service

Burkina Faso

 
Burkina Faso BURKINA-FASO
 
1. Zusammenfassung Zum Seitenanfang

Burkina Faso zählt zu den PRS-Pionieren. Schon im Mai 2000 - also wenige Monate nach Einführung des neuen Ansatzes - ist die PRSP-Vollversion des Landes vorgelegt und wenig später von IWF und Weltbank akzeptiert worden. Im April 2003 wurde der Prozess der Evaluierung und Neuformulierung der Strategie (Review) gestartet. Im Juli 2004 legte Burkina Faso sein PRSP II für den Zeitraum 2004 - 2006 vor, das von IWF und Weltbank akzeptiert wurde. Damit gehört Burkina Faso zu den ersten Ländern, die einen zweiten PRS-Zyklus starteten. Zivilgesellschaftliche Partizipation hat im bisherigen PRS-Prozess des Landes eine sehr schwache Rolle gespielt. Von organisierter oder gar institutionalisierter Beteiligung kann keine Rede sein. Während jedoch in der Vorbereitung des ersten PRSP lediglich einige wenige konsultative Workshops durchgeführt wurden, hat die Regierung für den Review-Prozess einen etwas umfangreicheren konsultativen Prozess durchgeführt. Die Zivilgesellschaft, die in Burkina Faso recht schwach ausgeprägt ist, war in die Überarbeitung des PRSP etwas stärker eingebunden als in die Ausarbeitung des ersten PRSP und scheint sich inzwischen auch in höherem Maße für Fragen der strategischen Armutsbekämpfung zu interessieren.

2. Die Akteure: Wer ist beteiligt? Zum Seitenanfang

2.1 Staatliche Institutionen: Regierung und Parlament

In Abstimmung mit (einigen) Gebern dominiert die Regierung den PRS-Prozess. Das Secrétariat Technique pour la Coordination des Programmes de Développement Economique et Social (STC-PDES) innerhalb des Ministeriums für Wirtschaft und Entwicklung koordiniert den Prozess. Es ist nicht nur zuständig für die Prozessüberwachung und -auswertung, sowie die Vorbereitung von Zwischenberichten, sondern soll auch den Dialog mit anderen TeilnehmerInnen organisieren. Dem Parlament ist das PRSP zur formalen Verabschiedung vorgelegt worden. Die jährlich vorgelegten Fortschrittsberichte wurden dort jedoch nicht diskutiert (Eberlei / Henn 2003, S. 27 ff.).

2.2 Zivilgesellschaft

Nach einer Auflistung der Regierung werden folgende zivilgesellschaftliche Gruppen in den PRS-Prozess einbezogen: (1) Frauenorganisationen, (2) Forschungsinstitute, (3) Gewerkschaften, (4) religiöse Organisationen, (5) Menschenrechtsorganisationen, (6) private Medien, (7) NRO und andere Verbände der Entwicklungspolitik, (8) Jugendverbände, (9) "marginalisierte Personen", (10) Bauernverbände und (11) kulturelle / künstlerische Gruppen (GoBF 2003, S. 78). Über diese allgemeine Auflistung hinaus macht die Regierung aber in keinem ihrer drei bislang vorgelegten PRS-Fortschrittsberichte nähere Angaben über beteiligte zivilgesellschaftliche Gruppen. Die NRO-Dachorganisation in Burkina Faso, das Secrétariat Permanent des ONG (SPONG), die 80 Mitglieder hat, war in der ersten PRS-Phase kaum am Prozess beteiligt (Swiss Coalition 2003, S. 5); hat aber am Review-Prozess 2003 - 2004 mitgewirkt (GoBF 2004a, S. 8). Dagegen hat sich das Réseau de Communication d'Information et de Formation des Femmes dans les Organisations Non Gouvernementale au Burkina Faso (RECIF / ONG), der Dachverband von 46 Frauenorganisationen, zumindest nach Erstellung des ersten PRSP, aktiv für die Ausweitung dessen Bekanntheitsgrades eingesetzt. Nachdem eine Umfrage unter den Mitgliedern ergab, dass das Dokument den meisten völlig unbekannt war, startete die Organisation zwischen Juni und August 2001 eine Aufklärungskampagne. Sie erstellte dabei unter anderem einfache Versionen des PRSP in drei nationalen Sprachen, die mangels Kapazität aber nur in begrenztem Umfang verteilt werden konnten und schulte 20 VermittlerInnen, die bei den Organisationsmitgliedern Aufklärungsarbeit in Sachen PRSP leisteten (Danida 2002, S. 25).

2.3 Externe Akteure / Geber

Einige Geber haben sich zum Zweck der abgestimmten Unterstützung des PRS-Prozesses in Burkina Faso zu einer gesonderten Arbeitsgruppe zusammen geschlossen, darunter Dänemark, die Europäische Kommission, Frankreich, die Niederlande, die Schweiz und Schweden (für Details s. u., 6.2 b). Im Formulierungsprozess des PRSP waren einige Geber aktiv über Berater beteiligt, was das country-ownership-Prinzip schwächt. Insbesondere IWF und Weltbank nehmen starken Einfluss auf inhaltliche Aspekte des PRSP. Teilweise finden sich wortgleiche Formulierungen zu Aspekten der Makroökonomie im PRSP und in Abkommen zwischen IWF und der Regierung von Burkina Faso, die kurz vor der Verabschiedung des PRSP geschlossen worden waren (Eberlei / Siebold 2002, S. 14). Burkina Faso zählte zu den ersten Ländern, die von der Weltbank einen Poverty Reduction Support Credit (PRSC) erhalten haben, zuletzt im April 2005 den PRSC-5 (IMF 2005 b). Inzwischen haben über 20 Länder einen oder mehrere PRSC erhalten. Die Kredite sollen die Implementierung der PRSP unterstützen.

3. Die Prozesse: Wann und wie wird beteiligt? Zum Seitenanfang

3.1 Partizipation in Analyse und Strategieentwicklung

Der konsultative Prozess zur Erstellung des PRSP begann im November 1999 und fand innerhalb weniger Monate statt. Die Dokumente erwähnen die Beteiligung von Gewerkschaften, Genossenschaften, Menschenrechtsorganisationen, anderen Entwicklungs-NRO, Kirchen, Medien und verschiedenen Basisorganisationen. Die Regierung betont im PRSP, dass der konsultative PRS-Prozess auf partizipativen Vorarbeiten seit Mitte der 1990er Jahre aufbaute, also nicht bei Null beginnen musste. Der 1995 verabschiedete Letter of Intent for Sustainable Human Development (LISHD) war Grundlage der PRS-Beratungen. Gesteuert wurde der Prozess von einem interministeriellen Komitee, das seinerseits in vier Arbeitsgruppen unterteilt war. VertreterInnen der Zivilgesellschaft waren aber nicht in diese Arbeitsgruppen eingebunden; sie wurden stattdessen sehr komprimiert - in Form einer Workshop-Reihe - auf nationaler bzw. regionaler Ebene konsultiert. Die Regierung begann die Zivilgesellschaft im Februar 2000 mit einem Workshop in der Hauptstadt Ouagadougou, gefolgt von je einem regionalen Workshop im Norden (Ouahigouya) und Westen (Bobo-Doiulasso) des Landes, zu konsultieren.

Das African Forum and Network on Debt and Development (AFRODAD) kritisiert, dass der Konsultationsprozess zu schnell verlaufen sei und keine Zeit für eine intensive Auseinandersetzung der Zivilgesellschaft ließ. So wurden die meisten Workshops mit VetreterInnen der Zivilgesellschaft nur in französischer Sprache abgehalten, so dass es zu Verständigungsproblemen kam. Kritisiert werden ferner die sehr spärliche Informationsverbreitung und der fehlenden Informationsrückfluss an die TeilnehmerInnen der Workshops. Einladungen zu den Workshops seien meist viel zu spät abgeschickt worden, viele interessierte NRO hätten gar keine erhalten. Teilweise seien NRO-VertreterInnen nur handverlesen eingeladen worden (AFRODAD 2002, S. 20 ff).

Selbst einzelne MitarbeiterInnen von IWF und Weltbank kritisierten die mangelhafte Partizipation im Entstehungsprozess. So heißt es in einer für den IWF angefertigten Studie: "The PRSP was drafted by a small group in government with assistance of a few donors (...). Both the Bank and the Fund Boards discussed whether Burkina Faso's PRSP should be considered as an interim rather than a full PRSP on the grounds of limited participation" (Robb / Scott 2001, S. 28).

3.2 Partizipation in der Implementierung der PRS

Ein wichtiges Instrument zur Umsetzung politischer Strategien ist der nationale Haushalt, der jährlich verabschiedet wird sowie die mittelfristige Finanzplanung, die für einen Dreijahres-Zeitraum Prioritäten und Trends festschreibt. Burkina Faso hat seit dem Jahr 2000 einen solchen "Mittelfristigen Finanzrahmen". Ein weiteres Planungsmittel ist das Priority Action Program (PAP). Dabei handelt es sich um den PRS-Implementierungsplan der Regierung für den Zeitraum 2004 - 2006. Die Ziele dieses Implementierungsplans wurden jedoch von der Regierung weitgehend hinter verschlossenen Türen festgelegt. Dies wird von einer BMZ / GTZ-Studie bestätigt (GTZ 2004, S. 6). Hier heißt es, dass das PAP fast ausschließlich vom Ministerium für Wirtschaft und Entwicklung erstellt wurde, ohne dass zivilgesellschaftliche AkteurInnen auch nur darüber informiert gewesen wären.

Berichten zufolge lädt die Regierung auch zivilgesellschaftliche VertreterInnen zu Workshops ein, in denen entsprechende Regierungsvorlagen vorgestellt und diskutiert werden. Änderungen ergaben sich daraus allerdings nur marginal (Jennes / de Groot 2003, S. 5, 8). Die Regierung selber erklärt, sie sehe gesellschaftliche Partizipation z.B. in den Prozessen der jährlichen und mittelfristigen Haushaltspolitik als wichtiges Prinzip an, dem Rechnung getragen werde (Dayo 2003, S. 9). Von zivilgesellschaftlicher Seite liegen dazu keine Informationen vor.

Das Parlament verabschiedet das Jahresbudget und die mittelfristige Finanzplanung zwar, allerdings in einem sehr formalisierten Sinne und ohne Änderungen vorzunehmen, teilweise sogar ohne die Vorlagen überhaupt erhalten zu haben (Eberlei / Henn 2003, S. 27 ff).

3.3 Partizipation in Monitoring und Evaluierung (M&E)

Das bestehende PRS-Monitoringsystem wird von zivilgesellschaftlichen AkteurInnen als nicht angemessen angesehen: Erstens seien die eigenen Mitwirkungsmöglichkeiten, auf sektorale Arbeitsgruppen beschränkt, die zudem kaum tagten. Ein Zugang zu den entscheidenden Komitees der Regierung bestehe nicht. Zweitens richtet sich die Kritik auf inhaltliche Aspekte: So wird z.B. moniert, dass die von der Regierung festgesetzten Indikatoren nicht genderspezifisch differenziert sind (Swiss Coalition 2003, S. 4).

Deshalb überrascht es nicht, dass es praktisch keinerlei Hinweise auf eine aktive Beteiligung zivilgesellschaftlicher AkteurInnen am PRS-Monitoring in Burkina Faso gibt. Für diese Umstand nennt eine Studie von Swiss Coalition (2003) mehrere Gründe: Äußerst schwache Ressourcen und Kapazitäten der Zivilgesellschaft dürften eine wesentliche Rolle spielen, der Zugang zu Informationen ist sehr begrenzt und schwierig, schließlich scheinen viele zivilgesellschaftliche Organisationen das PRS-Monitoring ausschließlich als Teil des Regierungssystems zu begreifen, an dem sie nicht Anteil nehmen wollen. Alternative Ansätze, z.B. partizipatives Monitoring von NRO außerhalb des Regierungssystems, gibt es aber auch nicht (ebd., S.11).

In ihrem Kommentar zum zweiten PRSP begrüßen IWF / IDA die dargelegten Maßnahmen als "stichhaltige Strategie zur Armutsbekämpfung", einschließlich des partizipativen Ansatzes und des Monitorings (IDA / IMF 2004, S. 2). Außerdem würdigen sie den Priority Action Plan (PAP) als Kernstück eines effektiveren Monitoring- und Evaluierungssystems (IDA / IMF 2004, S. 7). Argumente für diese positive Sichtweise werden jedoch nicht benannt.

Einen neuen Ansatz verfolgt das Centre d'Etude de Documentation et de Recherche Économique et Sociale (CEDRES) der Universität von Ouagadougou in Kooperation mit dem Canadian Center for International Studies and Cooperation (CECI) (BMZ / GTZ 2004, S. 13). Über diesen wird versucht, ein partizipatives Monitoring-System auf kommunaler Ebene zu etablieren. Dieses Pilotprojekt im Bezirk Yako ist Teil eines neuen Ansatzes im Rahmen des Monitoring. Seit 2003 werden in diesem Rahmen Befragungen von privaten Haushalten durchgeführt, anstatt ausschließlich statistische Kennzahlen wie Einkommen, Bildung, Zugang zu Wasser und Nahrung etc. auszuwerten. Bei diesen Erhebungen geht es vor allem um persönliche Einschätzungen des Zugangs zu, des Nutzens von und der Zufriedenheit mit kommunalen Serviceeinrichtungen.

3.4 Partizipation in der Überarbeitung der Strategie (Review)

Im dritten Fortschrittsbericht, veröffentlicht im Dezember 2003, wird einerseits die Implementierung in den Jahren 2000-2002 analysiert, andererseits werden Ansätze einer revidierten Armutsstrategie skizziert. Diese Ansätze wurden unter anderem auch in verschiedenen Workshops im Mai und Juni 2003 mit VertreterInnen der Zivilgesellschaft, der Privatwirtschaft und der Gebergemeinschaft diskutiert. Nach Angaben der Regierung (GoBF 2004 a, S. 7) kamen zum Beispiel bei regionalen Konsultationen im Mai und Juni 2003 über 3000 Menschen zusammen, davon rund zehn Prozent Frauen.

Im Zuge des Review-Prozesses hielten verschiedene zivilgesellschaftliche Organisationen auf eigene Initiative vom 28. bis 30. Juli 2003 ein Zivilgesellschaftliche Forum ab. (GoBF 2004a: 5-12) In ihrer Abschlusserklärung, die im PRSP abgedruckt ist, bedauern die TeilnehmerInnen die geringe Beteiligung der Zivilgesellschaft am PRS-Prozess und fordern den privaten Sektor zu größeren Anstrengungen im Kampf gegen die Armut auf (GoBF 2004 a, S. 10).

Die wichtigsten Änderungen im überarbeiteten PRSP sind die bereits angesprochene beabsichtigte Verbesserung im Monitoringsystem, die angestrebte größere Einbeziehung der Zivilgesellschaft in den PRS-Prozess, sowie die Regionalisierung der Armutsbekämpfung. Hierfür werden Strategiepapiere für jede Verwaltungsregion in Burkina Faso erarbeitet, die besser auf die regionalen Besonderheiten eingehen sollen.

4. Die Rahmenbedingungen: Was fördert / behindert wirkungsvolle Beteiligung? Zum Seitenanfang

4.1 Strukturelle Verankerung gesellschaftlicher Partizipation

Die Dialogstrukturen zwischen Regierung und Zivilgesellschaft sind insgesamt schwach ausgeprägt, obwohl Konsultationen mit gesellschaftlichen AkteurInnen auch in den 1990er Jahren schon verschiedentlich stattfanden (GoBF 2004 a, S. 5 f.). Ein strukturelles Problem dabei ist, dass auf vorherige konsultative Prozesse oder aber auf partizipative Ansätze in benachbarten Politikfeldern des Landes nicht zurückgegriffen wird. Dieses Defizit, das in vielen PRS-Ländern zu erkennen ist, kann in Burkina Faso am Beispiel Umwelt dokumentiert werden. UmweltaktivistInnen des Landes kritisieren, dass der bereits vor Erstellung der PRS existente National Action Plan to combat desertification (NAP) nicht für die Formulierung der PRS berücksichtigt worden sei und dies, obwohl für die Entwicklung des NAP 50.000 Menschen konsultiert worden waren. "But those responsible for the NAP were not involved in the PRS process, and the experience and lessons from undertaking the NAP were not drawn into it" (Dalal-Clayton 2000, S. 14 f.). Dabei ist es wichtig zu wissen, dass speziell in Ländern wie Burkina Faso von einem engen Zusammenhang zwischen Armut und Umweltzerstörung ausgegangen werden muss. Ein weiteres Problem: Im PRS-Monitoringsystem - einem zentralen Bereich für die strukturelle Verankerung von Partizipation - sind zivilgesellschaftliche AkteurInnen nur nachrangig eingebunden, d.h. sie können an sektoralen Arbeitsgruppen teilnehmen, haben aber keinen Zugang zu den rein regierungsinternen Kontrollgremien.

4.2 Rechtliche Basis partizipativer Prozesse

Obwohl demokratische Grundrechte - wie Meinungs-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit - in Burkina Faso im Prinzip als gesichert gelten, sind partizipative Prozesse, z.B. im PRS-Kontext, jedoch nicht rechtlich abgesichert und unterliegen damit der politischen Beliebigkeit.

4.3 Legitimität beteiligter gesellschaftlicher Akteure

Das demokratisch gewählte Parlament bestätigte das PRSP I und II, diskutierte allerdings nicht die Fortschrittsberichte. Eine echte Auseinandersetzung mit den Strategien zur Armutsreduzierung findet dort entsprechend nicht statt (Eberlei / Henn 2003, S. 30). Das zivilgesellschaftliche Netzwerk SPONG ist nur am Rande im Prozess engagiert. Beispielsweise nahmen VertreterInnen von SPONG an einzelnen Veranstaltungen des Review-Prozesses 2003 teil. Während dieses Review-Prozesses beklagten VertreterInnen verschiedener NRO die mangelnde Einbeziehung der "grassroots communities", also Basisorganisationen, die den Ärmsten am nächsten stehen (GoBF 2004 a, S. 10).

4.4 Handlungsfähigkeit gesellschaftlicher Akteure

Die Zivilgesellschaft verfügt nur über sehr knappe Ressourcen und geringe Kapazitäten für eine proaktive und kompetente Beteiligung am PRS-Prozess. Die meisten NRO kämpfen dauerhaft um ihre finanzielle Existenz - insofern bleibt wenig Energie für komplexe Prozesse wie den PRS-Ansatz. Die Handlungsfähigkeit wird ferner durch mangelhaften Zugang zu Informationen und einem gespannten Verhältnis zwischen NRO und der Regierung erschwert (Wolter o.J., S. 105). Wegen ihrer Verbindung zu Oppositionsparteien und ihrer oftmals regierungskritischen Haltung werden viele NRO in Burkina Faso von der Regierung als Opposition angesehen, was "ihre Einbeziehung in einen konstruktiven Dialog über nationale Probleme nicht gerade erleichtert".

Darüber hinaus stellt eine Studie der GTZ (BMZ / GTZ 2004, S. 23) zum nationalen Monitoring in Burkina Faso fest, dass eines der Hauptprobleme für ein funktionierendes Monitoringsystem die mangelnde Überwachung und Nachfrage durch die NRO darstellt. Diese sind offenbar nicht in der Lage, sich auf eine gemeinsame Position zu einigen. Unter den Organisationen herrscht ein starkes Konkurrenzdenken, welches es verhindert, ein zivilgesellschaftliches Gegengewicht zum Staat zu formieren.


5. Gesamtbewertung Zum Seitenanfang

Von wirkungsvoller zivilgesellschaftlicher Partizipation kann auch sechs Jahre nach Beginn des burkinischen PRS-Prozesses keine Rede sein. Eine breite gesellschaftliche Legitimation des strategischen Konzepts - also country ownership - ist aus den bisherigen konsultativen Aktivitäten der Regierung nicht abzuleiten. Einige AkteurInnen sprechen dies explizit aus. So erklärte z.B. das National Institute of Economic and Social Development (INADES) Anfang 2004, dass das PRSP die der Armut zugrunde liegenden Ursachen nicht wirklich benenne und bearbeite, weil insbesondere die ländlichen Armen nicht angemessen beteiligt worden seien. Obwohl sich die Regierung Burkina Fasos auch im zweiten PRSP eindeutig für eine größere Einbeziehung der Zivilgesellschaft in den PRS-Prozess ausspricht, werden wiederum kaum konkrete Schritte genannt, dieses Ziel auch zu erreichen.

6. Service Zum Seitenanfang

6.1 Statistik

a. Entwicklungsstand

UNDP-Index der menschlichen Entwicklung 2003: 0,317 (Rang 175 von 177 beteiligten Ländern!) (Subsahara Afrika im Durchschnitt: 0,515)
http://hdr.undp.org/statistics/data/hdi_rank_map.cfm

Freedom in the World-Länderbewertung: "partly free" (Freedom House, 2005)
http://www.freedomhouse.org/template.cfm?page=22&year=2005&country=6705

Index of Economic Freedom: "mostly unfree" (Rang 102 von 157) (Wall Street Journal / Heritage Foundation, 2005)
http://www.heritage.org/research/features/index/country.cfm?id=BurkinaFaso

Worldwide Press Freedom Index: Rang 64 von 167 Ländern (Reporters Without Boarders, 2004)
http://www.rsf.org/article.php3?id_article=11715

b. Verschuldung

Auslandsverschuldung 2003 gesamt: 661,6 Mio. US-$ (Weltbank)
http://devdata.worldbank.org/external/CPProfile.asp?SelectedCountry=BFA&CCODE=BFA&CNAME=Burkina%20Faso&PTYPE=CP

Status im Rahmen der HIPC-Initiative: Nach Vorlage seines PRSP im Mai 2000 hat Burkina Faso im Juli 2000 den decision point und im April 2002 den completion point erreicht; damit wurde ein umfassendes Entschuldungsprogramm wirksam (IDA / IMF 2002b). Zusätzlich zu den 424 Mio. US-$ Erlass, die seit 2000 verabredet waren, gestanden die Gläubiger Burkina Faso weitere 129 Mio. US-$ aufgrund der verschlechterten internationalen Rahmenbedingungen zu. Im Juni 2005 einigten sich die acht führenden Industriestaaten (G-8) auf einen kompletten Schuldenerlass für vorerst 18 HIPC-Staaten, darunter Burkina Faso. Damit wurden dem Land sämtliche Schulden bei Weltbank, IWF und Afrikanischer Entwicklungsbank erlassen.

c. Weitere statistische Quellen

Institut National de la Statistique et de la Democraphie (INSD)
http://www.insd.bf/

UNDP Büro im Land
http://www.pnud.bf/

Weltbank Statistiken
http://www.worldbank.org/data/countrydata/countrydata.html

IWF Statistiken
http://www.imf.org/external/country/BFA/index.htm

6.2 Wichtige Dokumente

a. PRSP-Dokumente

IDA / IMF (2005): Burkina Faso - Poverty Reduction Strategy Paper Joint Staff Advisory Note.
http://siteresources.worldbank.org/INTPRS1/Resources/Burkina_FASO_APR2-JSAN04-11-05-Fund_Revised.pdf [Stand: 24.02.2006]

Government of Burkina Faso / Ministry of Economy and Development (2004 b): Poverty Reduction Strategy Paper Progress Report 2003
http://siteresources.worldbank.org/INTPRS1/Resources/BurkinaFaso_PRSPProgressReport2003.pdf [Stand: 24.02.2006]

Government of Burkina Faso / Ministry of Economy and Development (2004 a): Poverty Reduction Strategy Paper, Ouagadougou.
http://siteresources.worldbank.org/INTPRS1/Resources/BurkinaFaso_PRSP_July2004.pdf [Stand: 24.02.2006]

IDA / IMF (2004): Burkina Faso Joint Staff Assessment of the Poverty Reduction Strategy Paper Progress Report.
http://povlibrary.worldbank.org/files/Burkina_Faso_JSA.pdf [Stand: 24.02.2006]

Government of Burkina Faso / Ministry of Economy and Development (2003): Poverty Reduction Strategy Paper Progress Report 2000 - 2002.
http://povlibrary.worldbank.org/files/Burkina_Faso_PRSP_ProgRpt.pdf [Stand: 24.02.2006]

IDA / IMF (2002 a): Joint Staff Assessment of the Poverty Reduction Strategy Paper Annual Progress Report.
http://povlibrary.worldbank.org/files/Burkina_Faso_JSA_PRSP_ProgRep.pdf [Stand: 24.02.2006]

Government of Burkina Faso / Ministry of Economy and Development / Ministry of Finance and Budget (2002): Poverty Reduction Strategy Paper Progress Report 2001.
http://povlibrary.worldbank.org/files/Burkina_Faso_PRSP_ProgRep.pdf [Stand: 24.02.2006]

IDA / IMF (2001): Burkina Faso Joint Staff Assessment of the Poverty Reduction Strategy Paper Annual Progress.
http://povlibrary.worldbank.org/files/Burkina_PRSP_ProgRep_JSA.pdf [Stand: 24.02.2006]

Government of Burkina Faso / ministry of Economy and Finance (2001): Poverty Reduction Strategy Paper Progress Report July 2000 - June 2001.
http://povlibrary.worldbank.org/files/Burkina_PRSP_ProgRep.pdf [Stand: 24.02.2006]

IDA / IMF (2000): Joint Staff Assessment of the PRSP.
http://povlibrary.worldbank.org/files/burkinafaso_jsa_prsp.pdf [Stand: 24.02.2006]

Government of Burkina Faso / Ministry of Economy and Finance (2000): Poverty Reduction Strategy Paper, Ouagadougou.
http://povlibrary.worldbank.org/files/Burkina%20Faso%20PRSP.pdf [Stand: 24.02.2006]

b. Wichtigste Geberdokumente

IMF (2005 a): Country Assistance Strategy for Burkina Faso.
http://www-wds.worldbank.org/servlet/WDSContentServer/WDSP/IB/2005/06/03/000090341_20050603143937/Rendered/PDF/32187a.pdf [Stand: 24.02.2006]

IMF (2005 b): International Development Association program document for a proposed credit in the amount of SDR 30.6 million (US$ 46.1 million equivalent) and a proposed grant in the amount of SDR 9.3 million (US$13.9 million equivalent) to Burkina Faso for a fifth poverty reduction support operation.
http://www-wds.worldbank.org/servlet/WDSContentServer/WDSP/IB/2005/04/15/000012009_20050415110255/Rendered/PDF/31342.pdf [Stand: 24.02.2006]

IDA / IMF (2002 b): Burkina Faso - Enhanced Heavily Indebted Poor Countries (HIPC) Initiative Completion Point Document
http://siteresources.worldbank.org/INTDEBTDEPT/CompletionPointDocuments/20250938/Burkina%20Faso-E-Compl.pdf [Stand: 24.02.2006]

Experience of the Burkina Faso [JBS-PRSP] Group (Dokument verschiedener Geber; ohne Jahresangabe)
http://www.spa-psa.org/resources/bsws0604/25_Burkina%20Faso%20Background%20(English).pdf

6.3 Literatur, Berichte und Analysen

a. Publikationen, die sich mit dem PRSP befassen

BMZ / GTZ (2004): National Monitoring of Sustainable Poverty Reduction Strategies / PRSPs Volume 2: Country Study Burkina Faso.

Eberlei, Walter / Henn, Heike (2003): Parliaments in Sub-Saharan Africa: Actors in poverty reduction?. Eschborn.

Swiss Coalition of Development Organizations / Debt-for-Development Unit (DDU) (2003): Civil Society and Monitoring the PRSP in Burkina Faso. Achievements, Lessons Learned and Perspectives. Study commissioned by: State Secretariat for Economic Affairs (seco) / Swiss Agency for Development and Cooperation (SDC) Berne, Switzerland.
http://www.alliancesud.ch/english/files/T_EgDyCo.pdf [Stand: 24.02.2006]

AFRODAD (2002): CSO Involvement in the PRSP Process: A Case for Burkina Faso. (French Version.) Harare
http://www.afrodad.org/prsp/pdf/bfasocso.pdf

Harsmar, Mats (2002): Some observations on the Poverty Reduction Strategy Process in Burkina Faso. Ouagadougou.
http://www.eurodad.org/uploadstore/cms/docs/burkina_faso_diakonia.doc [Stand: 24.02.2006]

Walther, Miriam / Hentschel, Christine (2002): Armutsstrategiepapiere (PRSP) - Neuanfang in der Strukturanpassungspolitik von IWF und Weltbank? Wirtschaftspolitik und Armutsbekämpfung in den PRSPs von Bolivien, Burkina Faso, Mauretanien, Tansania und Uganda. WEED: Berlin.
http://www.weed-online.org/themen/iwf/17706.html [Stand: 24.02.2006]

Robb, Caroline M. / Scott, Alison M. (2001): Reviewing Some Early Poverty Reduction Strategy Papers in Africa. Washington D.C..
http://www.imf.org/external/pubs/ft/pdp/2001/pdp05.pdf [Stand: 24.02.2006]

b. Hintergrundinformationen

Dayo, Tankien (2003): Cadre Budgetaire et Ciblage des Pauvres : Experience du Burkina Faso. (Konferenzbeitrag). Dakar 2003
http://www.worldbank.org/wbi/attackingpoverty/events/Senegal_0303/dayo_cadre_fr.pdf

Jennes, Geert / de Groot, Albert (2003): Assessment of Burkina Faso's MTEF (Overseas Development Institute). London.
http://www.odi.org.uk/PPPG/cape/publications/MTEF%20Burkina%20Faso.pdf [Stand: 24.02.2006]

Dänisches Außenministerium (Danida): Revue du processus CSLP au Burkina Faso. Une contribution à la revue internationale du processus CSLP
http://poverty.worldbank.org/files/9536_danish3a.pdf
Januar 2002 (Französisch, PDF, 54 Seiten, 185 KB)

Eberlei, Walter und Thomas Siebold (2002): Armutsbekämpfung in Afrika: Neue Ansätze oder alte Konzepte? INEF-Report Nr. 64/ 2002 mit Beispielen aus Burkina Faso, Ghana, Kenia und Sambia
http://inef.uni-duisburg.de/page/documents/report64.pdf
HTM (Deutsch, PDF, 61 Seiten, 257 KB)

Dalal-Clayton, Barry (2000): Evolving Approaches to Sustainable Development Strategies, London: Intenational Institute for Environment and Development, S. 14f.
http://www.gtz.de/poverty-Conference/dokumente/results/sustainability/Dalal-Clayton%20-%20SD%20Strategies.doc

6.4 Links zu beteiligten Akteuren

a. PRSP

Finanzministerium
http://www.finances.gov.bf/

Ministerium für Wirtschaft und Entwicklung
http://www.medev.zcp.bf

b. Zivilgesellschaft

Réseau d`Information et de Formation sur le Développement
http://rifodong.free.fr

Verzeichnis von Organisationen
http://www.burkinaonline.bf/web/afficher.asp?categorie=Organismes+et+associations

Centre pour la Gouvernance Démocratique Burkina Faso
http://www.cgdbf.org/

c. Geber / Internationalen Akteure

IWF
http://www.imf.org/external/country/BFA/

Strategic Partnership with Africa
http://www.spa-psa.org/main.html

Harmonisierungs-Initiative
http://www.aidharmonization.org/ah-cla/secondary-pages/cla-country

UNDP
http://www.pnud.bf/

6.5 Allgemeine Informationen über das Land

Informationsportal Burkina Faso
http://www.burkinaonline.bf/

Europäisches NGO-Netzwerk zur Entschuldung
http://www.eurodad.org/workareas/default.aspx?id=71

Internationaler Währungsfonds
http://www.imf.org/external/np/prsp/prsp.asp

Weltbank
http://www.worldbank.org/hipc/country-cases/country-cases.html

Pariser Club
http://www.clubdeparis.org

Deutsche Entschuldungskampagne
http://www.erlassjahr.de

Jubilee Research
http://www.jubileeplus.org/databank/profiles/burkina.htm


Verfasser: Walter Eberlei, Aktualisierung mit Unterstützung von Marcus Voigt
E-Mail: walter.eberlei@fh-duesseldorf.de
Stand: April 2006
PRSP-Watch © VENRO und Fachhochschule Düsseldorf
(Forschungsstelle Dritte Welt, Leitung Prof. Dr. Walter Eberlei)

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