| Zusammenfassung | Die Akteure: Wer ist beteiligt? |
Die Prozesse: Wann und wie wird beteiligt? |
Die Rahmenbedingungen: Was fördert / behindert wirkungsvolle Beteiligung? | Gesamtbewertung | Service |
2.1 Staatliche Institutionen: Regierung und Parlament Das PRSP wurde von einem Komitee unter der Leitung
des Finanzministeriums verfasst. Das Parlament und die Opposition waren
nicht in den PRS-Prozess involviert. 2.2 Zivilgesellschaft Am PRS-Prozess waren neben der katholischen Kirche,
NRO, Bauern-, Frauen- und Stadtteilorganisationen, Minenarbeiter sowie
Kleinproduzenten beteiligt. Indigene Gruppen und die "Armen"
wurden dagegen kaum in die Konsultationen einbezogen. 2.3 Externe Akteure / Geber UNDP und andere bilaterale Geber (wie z. B. Deutschland und den Niederlande) unterstützten die bolivianische Regierung bei der Durchführung des sog. Nationalen Dialogs 2000 (s.u.).
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3.1 Partizipation in Analyse und Strategieentwicklung Im Mittelpunkt des von der Regierung mit Unterstützung von UNDP und anderen bilateralen Gebern organisierten partizipativen Prozesses stand der dreimonatige Nationale Dialog 2000 (Diálogo Nacional 2000, ND), der der PRSP-Erstellung vorausging. Die Konsultationen befassten sich im Wesentlichen mit den vier Themenbereichen Armutsursachen, Mechanismen zur Verteilung der HIPC-Ressourcen, gesellschaftliche Partizipation bei der Überwachung ihrer Verwendung sowie dem ND-Folgeprozess (Spanger/Wolff 2003: 35), während makroökonomische Themen nur marginal behandelt wurden. Organisiert war der Partizipationsprozess im Sinne eines "bottom-up"-Ansatzes: Auf lokaler Ebene befassten sich runde Tische mit der sozialen Agenda und der Partizipation beim Monitoring. Auf regionaler Ebene führte die Regierung Workshops zur sozialen und politischen Agenda durch und auf nationaler Ebene wurden bei drei Veranstaltungen unter dem Motto "Die Regierung hört zu" wirtschaftliche und politische Themen diskutiert. Aufgrund schlechter Erfahrungen mit solchen Konsultationen wurde der nationale Dialog von starken zivilgesellschaftlichen Organisationen (Gewerkschaften, Kleinbauernorganisationen) boykottiert und parallel zum PRS-Prozess der Regierung fanden unabhängige gesellschaftliche Diskussions- und Koordinationsprozesse statt. So gründete sich u. a. eine Föderation von Kleinunternehmern aus dem informellen Sektor (Comité de Enlace), die einen eigenständigen Konsultationsprozess organisierte. Von der katholischen Kirche wurde im April 2000 ein unabhängiger Partizipationsprozess, das sog. Foro Jubileo 2000, initiiert (Spanger/Wolff 2003: 35). Die Ergebnisse dieser Konsultationen wurden auf dem National Dialogue Workshop präsentiert. Dieser Beitrag fand am Ende auf öffentlichen und internationalen Druck zumindest teilweise Eingang in den offiziellen Diálogo Nacional. BeobachterInnen stellen fest, dass der Nationale
Dialog und die Erstellung des PRSP völlig getrennt voneinander verliefen
und die Formulierung des PRSP Aufgabe der Regierung blieb. Darüber
hinaus kritisieren sie, dass die übergreifenden Themen Gender, Indigenas
und Umwelt nicht oder nur am Rande diskutiert wurden (UNDP 2001: 3, Willems
2001:2). 3.2 Partizipation in der Umsetzung der Strategien Die Umsetzung der Armutsbekämpfungsstrategie
erfolgt dezentral: Die frei werdenden Mittel aus dem Schuldenerlass kommen
direkt den 314 Kommunen in Bolivien zugute und werden nach einem speziellen
Armutsschlüssel verteilt. Allerdings wurden aufgrund von Umsetzungsproblemen
auf der kommunalen Ebene im Jahr 2002 nur ca. 67% der Mittel auch tatsächlich
ausgegeben. Ein etwas besseres Bild zeigt sich im Jahr 2004: In diesem
Jahr wurden insgesamt 85% der HIPC-Mittel zur Armutsbekämpfung eingesetzt.
Bislang sind die Gründe für diese unvollständigen Ausgabe
nicht untersucht, doch ist sie wahrscheinlich auf allgemeine Ineffizienzen
zurück zu führen (ProPACS 2004: 37ff.). 3.3 Partizipation in Monitoring und Evaluierung Die für eine umfassende Aus- und Bewertung einer Armutsbekämpfungsstrategie, die vor allem auf munizipaler Ebene umgesetzt werden, notwendigen munizipalen Indikatoren und Datenerhebungen existieren bislang noch nicht. Zwar wurde im Rahmen eines Weltbankprojekts die Munizipal-Verwaltung mit Palmpilots für eine Datenerhebung ausgestattet, doch hatte dies "nur anekdotischen Charakter" (ProPACS 2004: 41). Auch der erwartete Erfolg der Arbeit des Interinstitutionellen Rates für Monitoring und Evaluierung der EBRP (CISE) lässt bislang auf sich warten (ProPACS 2004: 41). Formal ist in der PRS ein zivilgesellschaftlicher
Kontrollmechanismus verankert. Dieses "System der sozialen Kontrolle"
wurde als Ergebnis des ND im Jahre 2002 per Gesetz geschaffen. Dabei handelt
es sich um eine Kontrolle der Politik durch zivilgesellschaftliche Gruppen
(dazu zählen soziale und gewerkschaftliche Organisationen, NROs,
institutionelle Netzwerke sowie weitere Gruppen der Zivilgesellschaft).
Insgesamt existieren zehn Kontrollmechanismen auf departamentaler und
nationaler Ebene.
Rechtliche Basis partizipativer
Prozesse Strukturelle Verankerung Legitimität beteiligter
zivilgesellschaftlicher Akteure Handlungsfähigkeit zivilgesellschaftlicher
Akteure
Obgleich der bolivianische PRSP-Prozess im Vergleich zu anderen Konsultationsprozessen im Rahmen der PRSP-Initiative als positiv zu bewerten ist, zeigen sich elementare Schwächen des Prozesses. So fühlen sich eine ganze Reihe bolivianischer NRO nicht ausreichend am PRS-Prozess beteiligt und kritisieren die fehlende Einbindung in die Umsetzung der Strategie sowie das Monitoring für die Implementierungsphase (7-NGO-Network 2001: 2). Außerdem bemängeln sie an den regionalen runden Tischen den zu starken Einfluss lokaler Entscheidungsträger, die Unterrepräsentation von Frauen, Indigenas und Gewerkschaften, eine schlechte Methodik sowie eine zu starre Agenda (JSA of PRSP:2). Eine breite Partizipation der armen Bevölkerungsschichten wurde insbesondere dadurch behindert, dass die Dokumente weder in lokale Sprachen übersetzt noch in leicht verständliche Formate übertragen wurden. Insgesamt ging der ND so insbesondere an Frauen, Indigenas und den städtischen wie ländlichen Armen vorbei. Diese Mängel im Konsultationsprozess führen im Ergebnis dazu, dass der partizipative Prozess sein Hauptziel - die Herstellung eines gesellschaftlichen Konsenses über die zu verfolgende Armutsbekämpfungsstrategie - nicht erreichte. Dies zeigt sich nicht zuletzt darin, dass das so genannte "Sieben-NRO-Netzwerk", eine Dachorganisation von ca. 200 NRO, seine Gegenposition zum offiziellen PRSP in einem Brief an die Regierung darlegte und IWF und Weltbank empfahl, das PRSP nicht zu akzeptieren. Auch die erneuten schweren sozialen Auseinandersetzungen im Rahmen der laufenden Kreditverhandlungen zwischen dem IWF und der Regierung im Februar 2003 zur Reduzierung des Haushaltsdefizits verdeutlichen das Fehlen eines gesellschaftlichen Konsenses und mangelnde ownership (Spanger/Wolff 2003: 38f.). Trotz dieser geäußerten Kritik hat der Partizipationsprozess jedoch Demokratie fördernde innergesellschaftliche Auswirkungen auf lokaler Ebene: So wurden Indigenas und Kleinbauern/bäuerinnen zu Vorsitzenden von lokalen Räten, Kontrollkomitees etc. gewählt. Darüber hinaus könne der eigenständige Partizipationsprozess der Zivilgesellschaft als repräsentativ angesehen werden und biete einen soliden Rahmen für den weiteren Prozess (McGee 2001: 5).
6.1 Statistik Bolivien/ allgemein Bolivien / Verschuldung Statistische Angaben zu Bolivien: Weltbank Statistiken UNDP-Büro in Bolivien Human Development Reports 6.2 Wichtige Dokumente a. PRSP-Dokumente PRSP I-PRSP b. Weitere Dokumente Joint Staff Assessment of PRSP 6.3 Literatur, Berichte und Analysen Christian Aid (2002): Quality participation in poverty reduction
strategies. Experiences from Malawi, Bolivia and Rwanda Christian Aid (2002): Participating in Dialogue?:The Estrategia
Boliviana de Reducción de la Pobreza McGee, Rosemary u.a.: Assessing Participation in Poverty
Reduction Strategy Papers Canadian International Development Agency (CIDA): The CIDA's
Experience with the PRSP Process in Bolivia ProPACS(2004): Ende der Schulden oder Schulden ohne Ende? Eine Analyse der Entschuldungsinitiative HIPC am Beispiel Bolivien. Studie im Auftrag der Diözesen Hildesheim und Trier, La Paz. Spanger, Hans-Joachim/Wolff, Jonas (2003): Armutsreduzierung durch Demokratisierung? PRSP: Chancen und Widersprüche einer neuen entwicklungspolitischen Strategie. HSFK-Report 6/2003 Willems, Sonja: National Strategy for Sustainable Development (NSSD) and PRSP in Bolivia: How can integrated sustainable concerns be incorporated into country-owned development plans? Presentation Kandersteg, Switzerland 27-30 November 2001 6.4 Links zu beteiligten Akteuren Internationaler Währungsfonds Weltbank Bolivianische Regierung Bolivien-Netzwerk Bolivia-Centrum Antwerpen Bolivianische Erlassjahrkampagne
(Foro Jubileo 2000) El Grupo Chorlavi 6.5 Allgemeine Links, die auch Informationen zum Land bieten Europäisches NGO-Netzwerk zur Entschuldung Pariser Club Deutsche Entschuldungskampagne Auswärtiges Amt Jahrbuch Spiegel Online - Länderlexikon Fischer Weltalmanach
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